Antibiotikaprophylaxe bei Mammakarzinom-OP: Cochrane Review
Hintergrund
Operationen sind ein zentraler Bestandteil der Brustkrebsbehandlung. Obwohl es sich um saubere Eingriffe handelt, liegen die dokumentierten Raten für Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) zwischen 3 % und 15 %.
Diese Raten sind höher als der Durchschnitt für vergleichbare saubere chirurgische Eingriffe. Während prä- und perioperative Antibiotika in anderen chirurgischen Disziplinen etabliert sind, gab es bei Brustkrebsoperationen bisher keinen klaren Konsens.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht die Evidenz aus elf randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 2867 Teilnehmerinnen. Ziel ist es, den Effekt einer prophylaktischen Antibiotikagabe auf das Infektionsrisiko zu bewerten.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Antibiotikaprophylaxe:
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Präoperative Antibiotika reduzieren wahrscheinlich das Infektionsrisiko.
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Die Evidenz für perioperative Antibiotika ist unzureichend.
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Für simultane Rekonstruktionen fehlen spezifische Daten.
Präoperative Antibiotikaprophylaxe
Laut Review reduziert eine präoperative Antibiotikagabe wahrscheinlich die Inzidenz von Wundinfektionen bei Brustkrebsoperationen ohne Rekonstruktion (moderate Evidenzqualität).
Die absolute Risikoreduktion zeigt sich in einem Rückgang der Infektionen von 105 auf 71 pro 1000 Eingriffe.
Perioperative Gabe und Rekonstruktionen
Für die perioperative Antibiotikagabe (während der Operation) ist die Datenlage unzureichend. Die Ergebnisse einer einzelnen Studie lassen keine verlässlichen Schlüsse auf die Infektionsrate zu (sehr niedrige Evidenzqualität).
Der Review weist zudem darauf hin, dass keine separaten Daten für Eingriffe vorliegen, bei denen zeitgleich zur Tumorentfernung eine Brustrekonstruktion durchgeführt wurde.
Unerwünschte Ereignisse und sekundäre Endpunkte
Es bleibt laut den Autoren sehr ungewiss, ob sich die Inzidenz unerwünschter Ereignisse zwischen den behandelten und unbehandelten Gruppen unterscheidet.
Auch hinsichtlich der Zeit bis zum Auftreten einer Infektion, der Krankenhauswiederaufnahmeraten und der Behandlungskosten bleibt die Evidenz unklar. Weitere Studien zur Etablierung optimaler klinischer Protokolle werden empfohlen.
Übersicht der Effekte
| Intervention | Vergleich | Effekt auf Wundinfektionen (SSI) | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Präoperative Antibiotika | Placebo / Keine | Wahrscheinliche Reduktion (RR 0,67) | Moderat |
| Perioperative Antibiotika | Placebo / Keine | Unklarer Effekt (RR 0,11) | Sehr niedrig |
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass eine präoperative Antibiotikaprophylaxe das Risiko für Wundinfektionen bei reinen Resektionen signifikant senken kann. Gleichzeitig betont der Review, dass für simultane Brustrekonstruktionen keine separaten Daten vorliegen, weshalb hier eine individuelle klinische Abwägung erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review liegt die dokumentierte Infektionsrate bei chirurgischen Eingriffen wegen Brustkrebs zwischen 3 % und 15 %. Dies ist höher als der Durchschnitt für saubere chirurgische Eingriffe.
Ja, die Daten zeigen, dass eine präoperative Antibiotikaprophylaxe die Inzidenz von Wundinfektionen wahrscheinlich reduziert. Die absolute Rate sinkt dabei von 105 auf 71 Infektionen pro 1000 Eingriffe.
Der Review stellt fest, dass in den eingeschlossenen Studien keine separaten Daten für Patientinnen mit zeitgleicher rekonstruktiver Chirurgie erhoben wurden. Daher können hierzu keine spezifischen evidenzbasierten Aussagen getroffen werden.
Die Evidenzqualität bezüglich unerwünschter Ereignisse wird als sehr niedrig eingestuft. Es ist laut den Autoren sehr ungewiss, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen mit und ohne Antibiotikaprophylaxe besteht.
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Quelle: Cochrane Review: Prophylactic antibiotics to prevent surgical site infection after breast cancer surgery (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.