Handy-Interventionen bei Herz-Kreislauf-Prävention: Cochrane
Hintergrund
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) sind weltweit eine Hauptursache für Mortalität und Morbidität. Eine frühzeitige Prävention durch Lebensstilanpassungen und Medikamente wie Blutdruck- und Lipidsenker gilt als äußerst effektiv.
Die Adhärenz bei diesen präventiven Medikamenten ist jedoch oft unzureichend. Schätzungen zufolge sind etwa 9 % der kardiovaskulären Ereignisse in der EU auf eine mangelhafte Medikamenteneinnahme zurückzuführen.
Kostengünstige und skalierbare Maßnahmen, wie Interventionen über Mobiltelefone, bieten das Potenzial, die Adhärenz zu verbessern. Ein aktueller Cochrane-Review analysiert die Evidenz solcher mobilen Interventionen bei Erwachsenen in der Primärprävention.
Empfehlungen
Der Review fasst die Ergebnisse aus 14 randomisierten kontrollierten Studien mit über 25.000 Teilnehmenden zusammen. Die Nachbeobachtungszeit betrug in allen Studien mindestens ein Jahr.
Art der Interventionen
Die untersuchten mobilen Interventionen variierten stark in ihrer Ausführung. Zu den Ansätzen gehörten:
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Ausschließliche Nutzung von SMS-Erinnerungen
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SMS in Kombination mit Schulungen des Gesundheitspersonals oder persönlicher Beratung
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Elektronische Tablettenboxen und Telemedizin
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Blutdruck-Selbstmessung gekoppelt mit mobilen Anwendungen
Auswirkungen auf klinische Parameter
Die Evidenz für den Effekt auf objektive Parameter wie Blutdruck und Cholesterin ist insgesamt von niedriger Vertrauenswürdigkeit. Dies liegt an einem hohen Verzerrungsrisiko in den meisten Studien und inkonsistenten Ergebnissen.
Für die einzelnen Parameter zeigen sich laut Auswertung folgende Tendenzen:
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LDL-Cholesterin: Zwei Studien zeigten einen kleinen positiven Effekt, während drei weitere keine signifikante Veränderung nachwiesen.
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Blutdruck: Die Effekte schwankten stark zwischen deutlichen Senkungen und leichten Anstiegen.
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Kardiovaskuläre Ereignisse: Die Evidenz zu fatalen und nicht-fatalen Ereignissen ist von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit.
Wirksamste Ansätze und Sicherheit
Die deutlichsten Vorteile zeigten sich bei komplexeren Interventionen. Insbesondere die Blutdruck-Selbstmessung in Kombination mit telemedizinischer Betreuung führte zu moderaten Verbesserungen.
Der Review vergleicht die Effekte unterschiedlicher Interventionsansätze:
| Interventionstyp | Beobachteter Effekt | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| SMS-Monotherapie | Kaum oder kein Effekt auf systolischen Blutdruck | Niedrig |
| Blutdruck-Selbstmessung + Telemedizin | Moderate Verbesserung der Blutdruckwerte | Niedrig |
| Alle mobilen Interventionen | Keine Erhöhung von unerwünschten Ereignissen | Moderat |
Hinsichtlich der Sicherheit gibt es Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, dass die mobilen Interventionen keinen Schaden verursachen. Es wurden keine vermehrten unerwünschten Ereignisse im Vergleich zur Standardversorgung festgestellt.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass einfache SMS-Erinnerungen allein oft nicht ausreichen, um die Medikamentenadhärenz signifikant zu steigern. Es wird hervorgehoben, dass komplexere Ansätze, insbesondere die Kombination aus telemedizinischer Betreuung und Blutdruck-Selbstmessung, vielversprechender für den klinischen Alltag sind. Zudem wird betont, dass solche digitalen Interventionen als sicher gelten und keine unerwünschten Effekte hervorrufen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane-Review haben Interventionen, die ausschließlich auf SMS basieren, kaum oder keinen positiven Effekt auf den systolischen Blutdruck. Für eine bessere Wirksamkeit scheinen komplexere Ansätze notwendig zu sein.
Die Auswertung zeigt, dass die Blutdruck-Selbstmessung in Kombination mit telemedizinischer Unterstützung über das Mobiltelefon die besten Ergebnisse liefert. Diese Methode führte in den Studien zu moderaten Verbesserungen der Blutdruckwerte.
Der Review liefert Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, dass mobile Interventionen zur Adhärenzsteigerung keinen Schaden verursachen. Es wurden keine vermehrten unerwünschten Ereignisse durch die Nutzung festgestellt.
Die aktuelle Datenlage zu kombinierten kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkten ist von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Es lässt sich derzeit nicht sicher belegen, ob die Interventionen harte klinische Endpunkte signifikant reduzieren.
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Quelle: Cochrane Review: Mobile phone-based interventions for improving adherence to medication prescribed for the primary prevention of cardiovascular disease in adults (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.