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Magnesium bei Muskelkrämpfen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Skelettmuskelkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Muskelkontraktionen. Sie treten häufig idiopathisch als nächtliche Wadenkrämpfe bei älteren Erwachsenen oder in der Schwangerschaft auf.

Magnesiumpräparate werden weithin zur Prophylaxe dieser Krämpfe vermarktet. Die physiologische Rationale basiert auf der Annahme, dass Magnesium die neuromuskuläre Erregbarkeit reduzieren könnte.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) analysiert die Evidenz aus elf randomisierten kontrollierten Studien. Untersucht wurde die Wirksamkeit von oralem und intravenösem Magnesium im Vergleich zu Placebo oder anderen Therapien.

Empfehlungen

Der Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende zentrale Erkenntnisse zur Wirksamkeit in verschiedenen Gruppen:

PatientengruppeWirksamkeit von MagnesiumEvidenzgrad (GRADE)
Ältere Erwachsene (idiopathisch)Kein klinisch relevanter NutzenModerat
Schwangere FrauenUnklar, widersprüchliche DatenSehr niedrig
SportlerKeine Daten vorhandenKeine Evidenz
Erkrankungsassoziierte KrämpfeKeine ausreichenden DatenSehr niedrig

Idiopathische Krämpfe bei älteren Erwachsenen

Laut der Analyse bietet Magnesium bei idiopathischen Skelettmuskelkrämpfen, insbesondere bei älteren Erwachsenen, keine klinisch bedeutsame Prophylaxe. Die Evidenz von moderater Qualität zeigt eindeutige Ergebnisse.

Es wird im Vergleich zu Placebo keine signifikante Reduktion der Krampfhäufigkeit beobachtet. Auch bei der Krampfintensität oder der Krampfdauer zeigen sich keine signifikanten Unterschiede.

Das Erreichen einer klinisch relevanten Besserung unterscheidet sich nicht von der Placebogruppe. Als klinisch relevant wurde hierbei eine Reduktion der Krämpfe um mindestens 25 Prozent definiert.

Schwangerschaftsassoziierte Krämpfe

Für schwangerschaftsassoziierte Beinkrämpfe wird die Studienlage als widersprüchlich und von geringer Qualität eingestuft. Es kann laut Review keine eindeutige Aussage darüber getroffen werden, ob schwangere Frauen von einer Magnesiumsubstitution profitieren.

Weitere Patientengruppen

Für sportassoziierte Krämpfe oder Krämpfe im Rahmen von Erkrankungen liegen keine ausreichenden randomisierten kontrollierten Studien vor. Dies betrifft beispielsweise Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose.

Eine kleine Studie zu Leberzirrhose zeigte keinen Unterschied in Häufigkeit oder Intensität der Krämpfe. Die Autoren betonen den Bedarf an weiterer Forschung in diesen spezifischen Populationen.

Kontraindikationen

Der Review analysierte auch das Auftreten von unerwünschten Ereignissen unter der Einnahme von Magnesiumpräparaten:

  • Schwere Nebenwirkungen traten selten auf und unterschieden sich in ihrer Häufigkeit nicht signifikant von der Placebogruppe.

  • Leichte Nebenwirkungen wurden in der Magnesiumgruppe häufiger beobachtet als unter Placebo.

  • Es traten vor allem gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit auf, die 11 bis 37 Prozent der Behandelten betrafen.

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💡Praxis-Tipp

Obwohl Magnesiumpräparate häufig zur Prophylaxe von nächtlichen Wadenkrämpfen bei älteren Menschen empfohlen werden, zeigt die aktuelle Evidenz keinen klinisch relevanten Nutzen gegenüber Placebo. Es wird nahegelegt, bei dieser Patientengruppe auf eine routinemäßige Verordnung zu verzichten und stattdessen nach anderen behandelbaren Ursachen für die Beschwerden zu suchen.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es bei älteren Erwachsenen mit idiopathischen Wadenkrämpfen keinen klinisch relevanten Nutzen. Die Häufigkeit und Intensität der Krämpfe wird durch Magnesium nicht signifikant reduziert.

Die Studienlage zur Wirksamkeit von Magnesium bei schwangerschaftsassoziierten Krämpfen ist widersprüchlich und von sehr geringer Qualität. Der Review kann hierzu keine abschließende Aussage zur Wirksamkeit treffen.

Als häufigste Nebenwirkungen von oralem Magnesium nennt die Analyse gastrointestinale Beschwerden. Insbesondere Durchfall und Übelkeit treten bei bis zu 37 Prozent der Anwender auf.

Es liegen laut Review keine randomisierten kontrollierten Studien vor, die den Nutzen von Magnesium bei sportassoziierten Muskelkrämpfen untersuchen. Eine Wirksamkeit ist daher wissenschaftlich nicht belegt.

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Quelle: Cochrane Review: Magnesium for skeletal muscle cramps (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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