Ginkgo biloba bei Tinnitus: Cochrane Review
Hintergrund
Tinnitus ist definiert als die Wahrnehmung von Geräuschen ohne externe Geräuschquelle. Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 5 % und 43 %, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter ansteigt.
Ein chronischer Tinnitus kann zu erheblichen Belastungen wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Angstzuständen und Depressionen führen.
Ginkgo biloba wird in Europa häufig als Nahrungsergänzungsmittel oder Erstlinientherapie bei subjektivem Tinnitus eingesetzt. Der vorliegende Cochrane Review (2022) evaluiert die Evidenz zu Nutzen und Risiken dieser Behandlung.
Empfehlungen
Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo
Der Review vergleicht die Effekte von Ginkgo biloba mit Placebo nach 3 bis 6 Monaten. Für alle untersuchten Endpunkte wird die Evidenz als sehr niedrig oder niedrig eingestuft:
| Endpunkt | Effekt von Ginkgo biloba vs. Placebo | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Tinnitus-Schweregrad | Wahrscheinlich kein oder kaum ein Effekt | Sehr niedrig |
| Tinnitus-Lautstärke | Wahrscheinlich kein oder kaum ein Effekt | Sehr niedrig |
| Lebensqualität | Wahrscheinlich kein oder kaum ein Effekt | Niedrig |
| Schwere Nebenwirkungen | Kein Unterschied (keine Ereignisse in Studien) | Niedrig |
Die Autoren betonen, dass die aktuelle Studienlage keine aussagekräftigen Schlüsse über einen positiven Effekt zulässt.
Kombinationstherapie
Eine Studie untersuchte die Kombination von Ginkgo biloba mit Hörgeräten im Vergleich zur alleinigen Hörgeräteversorgung. Auch hier zeigte sich laut Review kein messbarer Zusatznutzen durch das pflanzliche Präparat.
Leitlinienempfehlungen
Aufgrund der fehlenden Wirksamkeitsnachweise raten aktuelle Tinnitus-Leitlinien von der Verordnung ab. Der Review verweist auf folgende Gründe für diese negative Empfehlung:
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Fehlender Nachweis einer klinischen Wirksamkeit
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Methodische Mängel der bisherigen Studien
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Risiko für potenziell gefährliche Arzneimittelwechselwirkungen
Kontraindikationen
Der Review warnt vor potenziell gefährlichen Wechselwirkungen von Ginkgo biloba mit anderen Medikamenten. Besonders bei älteren Menschen wird von einer Einnahme abgeraten.
Folgende Interaktionen werden im Text hervorgehoben:
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Antikoagulanzien: Erhöhtes Risiko für schwere Blutungen, insbesondere bei zugrunde liegenden Gerinnungsstörungen.
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Thiaziddiuretika: Möglicher Anstieg des Blutdrucks.
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Trazodon: Verstärkung der sedierenden Wirkung.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Ginkgo biloba ein beliebtes pflanzliches Mittel ist, wird von einer routinemäßigen Verordnung bei Tinnitus abgeraten. Es wird empfohlen, insbesondere bei älteren Menschen auf die potenziell gefährliche Wechselwirkung mit Antikoagulanzien zu achten. Die Aufklärung über den fehlenden Nutzen kann Betroffene vor unnötigen Risiken und Kosten schützen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass Ginkgo biloba die Schwere oder Lautstärke eines Tinnitus lindert. Aktuelle Leitlinien raten aufgrund des fehlenden Nutzens von einer Behandlung ab.
In den Studien selbst traten kaum Nebenwirkungen auf. Der Review warnt jedoch vor schwerwiegenden Wechselwirkungen, insbesondere einem erhöhten Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien.
Eine kleine Studie untersuchte diese Kombinationstherapie. Laut Review ergab sich durch die zusätzliche Einnahme von Ginkgo biloba kein messbarer Vorteil gegenüber der alleinigen Nutzung von Hörgeräten.
Ginkgo biloba gilt traditionell als durchblutungsfördernd und wird oft als Erstlinientherapie eingesetzt. Der Review zeigt jedoch, dass diese Praxis nicht durch wissenschaftliche Evidenz gestützt wird.
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Quelle: Cochrane Review: Ginkgo biloba for tinnitus (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.