Fludrocortison bei orthostatischer Hypotonie: Cochrane
Hintergrund
Der Cochrane Review (2021) untersucht den Nutzen und Schaden von Fludrocortison bei orthostatischer Hypotonie. Diese ist definiert als ein übermäßiger Blutdruckabfall nach dem Aufstehen, der zu Symptomen wie Schwindel, Benommenheit oder Synkopen führen kann.
Fludrocortison ist ein synthetisches Mineralocorticoid, das das Blutvolumen erhöht und die Sensibilität der Blutgefäße für Lageveränderungen verbessert. Es gilt neben nicht-medikamentösen Maßnahmen als pharmakologische Erst- oder Zweitlinientherapie.
Die orthostatische Hypotonie tritt häufig im Alter oder als Begleiterscheinung von Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Parkinson-Krankheit oder autonomen Neuropathien auf. Der Review fasst die Evidenz aus 13 Studien mit insgesamt 513 Teilnehmenden zusammen.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews formulieren basierend auf der verfügbaren Evidenz folgende Kernaussagen:
Wirksamkeit bei Diabetes mellitus
Laut Review verringert Fludrocortison den orthostatischen Blutdruckabfall bei Menschen mit schwerer diabetischer Neuropathie im Vergleich zu Placebo. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als sehr niedrig (GRADE) eingestuft, da die zugrunde liegenden Studien klein und von kurzer Dauer waren.
Hinsichtlich der orthostatischen Symptome zeigten vier von fünf Teilnehmenden eine Verbesserung. Auch hier ist die Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit.
Wirksamkeit bei Parkinson-Krankheit
Bei Menschen mit Parkinson-Krankheit verringert Fludrocortison den orthostatischen Blutdruckabfall im Vergleich zu Pyridostigmin (sehr niedrige Evidenz). Eine signifikante Verbesserung der orthostatischen Gesamtbeschwerden konnte in diesem Vergleich jedoch nicht festgestellt werden.
Im Vergleich zu Domperidon zeigten laut Review beide Wirkstoffe eine Verringerung der orthostatischen Symptome. Die Datenlage erlaubt jedoch keine eindeutigen Überlegenheitsaussagen.
Langzeitanwendung und Monitoring
Der Review stellt fest, dass es an validen Daten zur Langzeitbehandlung mangelt. Es wird hervorgehoben, dass eine langfristige Anwendung mit einem sorgfältigen Monitoring einhergehen sollte.
Dabei wird empfohlen, den klinischen Verlauf zu überwachen, um festzustellen, ob eine Blutdruckverbesserung auch zu einer Linderung anderer Symptome führt.
Vergleich der Endpunkte (Fludrocortison vs. Placebo bei Diabetes)
| Endpunkt | Placebo | Fludrocortison | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Blutdruckabfall (systolisch/diastolisch) | -39/-11 mmHg | -26/-7 mmHg | Sehr niedrig |
| Verbesserung der Symptome | Nicht berichtet | 4 von 5 Patienten | Sehr niedrig |
| Schwere unerwünschte Ereignisse | Nicht berichtet | Keine berichtet | Sehr niedrig |
Dosierung
Der Review nennt folgende Dosierungsangaben für die orale Therapie der orthostatischen Hypotonie:
| Wirkstoff | Dosierung | Darreichungsform |
|---|---|---|
| Fludrocortison | 50 bis 300 µg pro Tag | Oral (Tablette) |
Kontraindikationen
Der Review listet verschiedene unerwünschte Wirkungen auf, die bei der Therapie mit Fludrocortison auftreten können und ein sorgfältiges Monitoring erfordern.
Zu den genannten potenziellen Nebenwirkungen gehören:
-
Hoher Blutdruck und insbesondere supinale Hypertonie (Blutdruckanstieg im Liegen)
-
Wassereinlagerungen (Ödeme, z.B. geschwollene Knöchel)
-
Herzschwäche (kongestive Herzinsuffizienz)
-
Hypokaliämie (Kaliummangel)
-
Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und vermehrtes Schwitzen
💡Praxis-Tipp
Der Review betont die Gefahr einer supinalen Hypertonie (Blutdruckanstieg im Liegen) sowie das Risiko einer Hypokaliämie unter der Therapie mit Fludrocortison. Es wird ein sorgfältiges klinisches Monitoring empfohlen, um sicherzustellen, dass der gemessene Blutdruckanstieg tatsächlich mit einer Linderung der orthostatischen Symptome einhergeht und nicht nur zu asymptomatischen Blutdruckspitzen führt.
Häufig gestellte Fragen
Fludrocortison ist ein synthetisches Mineralocorticoid, das laut Review das Blutvolumen erhöht. Zudem verbessert es die Fähigkeit der Blutgefäße, auf Lageveränderungen zu reagieren.
Der Cochrane Review gibt an, dass Fludrocortison oral in einer Dosierung von 50 bis 300 µg pro Tag eingenommen wird.
Als weitere gängige medikamentöse Therapien bei orthostatischer Hypotonie werden Midodrin und Droxidopa genannt. Midodrin ist ein Alpha-1-Agonist, der den Blutdruck durch Gefäßverengung steigert.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird vom Review als sehr niedrig eingestuft. Die eingeschlossenen Studien waren klein und von kurzer Dauer, zeigten aber eine Verringerung des Blutdruckabfalls im Vergleich zu Pyridostigmin.
Der Review warnt insbesondere vor hohem Blutdruck im Liegen (supinale Hypertonie), Wassereinlagerungen, Herzschwäche und einem Kaliummangel (Hypokaliämie).
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Quelle: Cochrane Review: Fludrocortisone for orthostatic hypotension (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.