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Spinale Muskelatrophie Typ II & III: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die spinale Muskelatrophie (SMA) wird durch eine homozygote Deletion oder eine heterozygote Deletion mit Punktmutation im SMN1-Gen auf Chromosom 5 verursacht. Dies führt zu einer Degeneration der Vorderhornzellen und einer progredienten Muskelschwäche.

Kinder mit SMA Typ II erlernen das freie Gehen nicht und haben eine verkürzte Lebenserwartung. Bei SMA Typ III wird die Gehfähigkeit erreicht und die Lebenserwartung ist normal.

Der vorliegende Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit medikamentöser Therapien bei SMA Typ II und III. Gentherapien mit viralen Vektoren sowie die Behandlung der SMA Typ I sind nicht Gegenstand dieser Auswertung.

Empfehlungen

Die Autoren des Reviews fassen die Ergebnisse aus zehn randomisierten, placebokontrollierten Studien zusammen. Es wird die Wirkung verschiedener Wirkstoffe auf die motorische Funktion bewertet.

WirkstoffEffekt auf motorische FunktionEvidenzgrad
NusinersenSignifikante Verbesserung (SMA Typ II)Moderate Evidenz
KreatinKein klinisch relevanter EffektModerate Evidenz
Valproinsäure + L-CarnitinKein klinisch relevanter EffektModerate Evidenz
GabapentinKein klinisch relevanter EffektNiedrige Evidenz
HydroxyureaKein klinisch relevanter EffektNiedrige Evidenz
PhenylbutyratKein klinisch relevanter EffektNiedrige Evidenz
Valproinsäure (Monotherapie)Kein klinisch relevanter EffektNiedrige Evidenz
OlesoximWahrscheinlich kein EffektSehr niedrige Evidenz
SomatotropinWahrscheinlich kein EffektSehr niedrige Evidenz

Wirksamkeit von Nusinersen

Laut dem Review führt die intrathekale Gabe von Nusinersen bei Kindern mit SMA Typ II zu einer signifikanten Verbesserung der motorischen Funktion (moderate Evidenz). In der Verum-Gruppe zeigte sich eine Verbesserung um 3,7 Punkte auf der Hammersmith Functional Motor Scale Expanded (HFMSE), während die Kontrollgruppe eine Verschlechterung aufwies.

Unwirksame Therapieansätze

Für eine Reihe von historisch untersuchten Substanzen konnte kein klinisch relevanter Nutzen nachgewiesen werden. Der Review stuft die folgenden Wirkstoffe als unwirksam bezüglich der motorischen Funktion ein:

  • Kreatin und die Kombination aus Valproinsäure und Acetyl-L-Carnitin (moderate Evidenz)

  • Gabapentin, Hydroxyurea, Phenylbutyrat und Valproinsäure-Monotherapie (niedrige Evidenz)

  • Olesoxim und Somatotropin (sehr niedrige Evidenz)

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💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass von den historisch untersuchten medikamentösen Ansätzen bei SMA Typ II und III lediglich Nusinersen eine belegte Wirksamkeit aufweist. Es wird darauf hingewiesen, dass Substanzen wie Valproinsäure, Kreatin oder Gabapentin keinen klinisch relevanten Effekt auf die motorische Funktion haben und daher in diesem Kontext keinen Nutzen bieten.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane-Review ist Nusinersen der einzige untersuchte Wirkstoff, der die motorische Funktion bei SMA Typ II signifikant verbessert. Die Evidenz hierfür wird als moderat eingestuft.

Der Review zeigt, dass Valproinsäure weder als Monotherapie noch in Kombination mit Acetyl-L-Carnitin einen klinisch relevanten Effekt auf die motorische Funktion hat. Die Evidenz gegen einen Nutzen ist moderat bis niedrig.

Nein, Behandlungsstrategien, die einen SMN1-Ersatz durch virale Vektoren beinhalten, sind nicht Teil dieser Auswertung. Der Fokus liegt auf klassischen medikamentösen Ansätzen und Antisense-Oligonukleotiden wie Nusinersen.

Kinder mit SMA Typ II erlernen das freie Gehen nicht und haben eine verkürzte Lebenserwartung. Bei SMA Typ III wird hingegen die Gehfähigkeit erreicht und die Lebenserwartung ist in der Regel normal.

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Quelle: Cochrane Review: Drug treatment for spinal muscular atrophy types II and III (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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