Kognitives Training im mittleren Alter: Cochrane Review
Hintergrund
Der normale Alterungsprozess geht mit nicht-pathologischen kognitiven Veränderungen einher. Eine geringe kognitive Reserve und mangelnde geistige Stimulation sind jedoch mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert.
Bereits Jahre bevor die Kriterien für eine leichte kognitive Beeinträchtigung erfüllt sind, lassen sich oft subtile kognitive Veränderungen feststellen. Geistige Aktivität im Erwachsenenalter kann die kognitive Reserve aufbauen und das Demenzrisiko senken.
Das mittlere Lebensalter (definiert als 40 bis 65 Jahre) gilt als potenziell geeigneter Zeitraum für kognitive Interventionen. Ziel ist es, die kognitive Funktion zu erhalten und den Beginn einer klinischen Demenz möglicherweise zu verzögern.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review analysiert die Evidenz zu computergestütztem kognitivem Training (CCT) von mindestens 12 Wochen Dauer zur Erhaltung der kognitiven Funktion.
Studienlage und Evidenzqualität
Es konnte lediglich eine einzige geeignete Studie mit 6742 Teilnehmern über 50 Jahren identifiziert werden. Die Trainings- und Nachbeobachtungsdauer betrug sechs Monate.
Der Review stuft die Evidenzqualität insgesamt als niedrig ein. Dies wird insbesondere mit einem hohen Risiko für Attrition-Bias (Verzerrung durch Studienabbrüche) begründet.
Ergebnisse der Intervention
Zu dem primären Endpunkt der globalen kognitiven Funktion lagen in der untersuchten Studie keine Daten vor. Die Analyse der sekundären Endpunkte zeigte folgende Ergebnisse im Vergleich zur Kontrollgruppe:
| Kognitive Domäne | Effekt | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Exekutivfunktion | Geringer Vorteil für CCT-Gruppe | Niedrig |
| Arbeitsgedächtnis | Sehr geringer Vorteil für Kontrollgruppe | Niedrig |
| Episodisches Gedächtnis | Wenig bis kein Effekt | Niedrig |
Schlussfolgerungen
Aufgrund der unzureichenden Datenlage kann laut Review nicht abschließend beurteilt werden, ob computergestütztes Training die globale kognitive Funktion bei gesunden Erwachsenen im mittleren Alter erhält.
Es wird die Durchführung qualitativ hochwertiger Studien empfohlen. Diese sollten Interventionen mit ausreichender Dauer untersuchen, um nachhaltige Effekte auf die kognitive Reserve und klinisch relevante Endpunkte im späteren Leben zu erfassen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Beratung von gesunden Erwachsenen im mittleren Alter sollte beachtet werden, dass die aktuelle Evidenz für kommerzielle computergestützte Gehirntrainingsprogramme sehr schwach ist. Ein nachweisbarer präventiver Effekt auf die globale kognitive Funktion oder eine Demenzverhinderung lässt sich aus der aktuellen Studienlage nicht ableiten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um diese Frage abschließend zu beantworten. Es fehlen qualitativ hochwertige Langzeitstudien, die einen präventiven Effekt auf eine spätere Demenzerkrankung belegen.
Das mittlere Lebensalter zwischen 40 und 65 Jahren wird in der Forschung als potenziell wichtiges Zeitfenster für Interventionen angesehen. In dieser Phase könnten Maßnahmen zum Aufbau der kognitiven Reserve besonders wirksam sein, auch wenn der klinische Nutzen von Computerprogrammen noch unklar ist.
Die analysierte Studie zeigte für das episodische Gedächtnis keinen relevanten Effekt durch das computergestützte Training. Beim Arbeitsgedächtnis zeigte sich sogar ein minimaler Vorteil für die Kontrollgruppe ohne spezifisches Training.
Die Auswertung ergab lediglich einen kleinen Vorteil für die Exekutivfunktionen bei den Teilnehmern des computergestützten Trainings. Die Evidenzqualität für dieses Ergebnis wird jedoch als niedrig eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Computerised cognitive training for maintaining cognitive function in cognitively healthy people in midlife (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.