SARS-CoV-2 Antikörpertests: Cochrane Review
Hintergrund
Der vorliegende Cochrane Review untersucht die diagnostische Genauigkeit von Antikörpertests zum Nachweis einer aktuellen oder zurückliegenden SARS-CoV-2-Infektion. Die Meta-Analyse umfasst 178 Studien mit über 64.000 Proben.
Antikörpertests weisen die Immunantwort des Körpers auf das Virus nach. Sie werden evaluiert, um festzustellen, ob sie Infektionen erkennen können, die durch frühere diagnostische Verfahren wie die PCR übersehen wurden.
Die eingeschlossenen Studien wurden vor der weltweiten Einführung von SARS-CoV-2-Impfstoffen durchgeführt. Daher beziehen sich die erhobenen Daten zur Testgenauigkeit ausschließlich auf natürlich erworbene Antikörperantworten nach einer Infektion.
Empfehlungen
Der Review formuliert folgende zentrale Erkenntnisse zur Testgenauigkeit:
Diagnostik in der Frühphase
Laut Analyse haben Antikörpertests in der ersten Woche nach Symptombeginn keine Rolle als primäres Diagnostikum. Die durchschnittliche Sensitivität ist in diesem Zeitraum mit 27 % bis 41 % zu gering, um eine akute Infektion verlässlich zu bestätigen oder auszuschließen.
Diagnostik bei anhaltenden Symptomen
Die Wahrscheinlichkeit einer Antikörpererkennung steigt mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Symptombeginn deutlich an. Die Tests werden als nützliches diagnostisches Instrument für Personen mit anhaltenden Symptomen ab der dritten Woche bewertet.
Dies gilt laut Review insbesondere dann, wenn molekulare Tests (PCR) negativ ausfielen. Auch bei der klinischen Abklärung von post-akuten Folgeerscheinungen (Long-COVID) wird ein potenzieller Nutzen beschrieben.
Nachweis zurückliegender Infektionen
Für den Nachweis einer früheren Infektion, beispielsweise für seroepidemiologische Zwecke, wird der Einsatz in der Rekonvaleszenzphase (ab Tag 21) empfohlen. Die Spezifität der Tests ist durchgehend hoch und liegt bei der Auswertung präpandemischer Proben bei über 98 %.
Sensitivität nach Antikörpertyp und Zeitpunkt
Der Review liefert folgende durchschnittliche Sensitivitätswerte in Abhängigkeit vom Ziel-Antikörper und dem Zeitpunkt nach Symptombeginn:
| Antikörpertyp | Woche 1 | Woche 2 | Woche 3 | Rekonvaleszenzphase (>21 Tage) |
|---|---|---|---|---|
| IgG allein | 27,2 % | 64,8 % | 88,1 % | 89,8 % |
| IgM allein | 29,5 % | 64,6 % | 78,3 % | 71,2 % |
| IgG oder IgM | 41,1 % | 74,9 % | 88,0 % | 92,9 % |
| Gesamtantikörper | 37,7 % | 79,4 % | 90,9 % | 94,3 % |
💡Praxis-Tipp
Ein negativer Antikörpertest in den ersten zwei Wochen nach Symptombeginn schließt eine SARS-CoV-2-Infektion nicht aus, da die Sensitivität in dieser Phase sehr gering ist. Der Review betont, dass Antikörpertests erst ab der dritten Woche eine verlässliche diagnostische Ergänzung zur PCR darstellen, insbesondere bei Verdacht auf falsch-negative Abstriche.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review ist der Test ab der dritten Woche nach Symptombeginn sinnvoll. Er dient vor allem der Diagnostik bei anhaltenden Symptomen und negativer PCR sowie dem Nachweis zurückliegender Infektionen.
Die Sensitivität in der ersten Woche nach Symptombeginn ist mit durchschnittlich 27 % bis 41 % sehr gering. Der Review rät daher von einem Einsatz als primäres Diagnostikum in der Frühphase ab.
Die Analyse zeigt, dass Tests auf Gesamtantikörper in der Rekonvaleszenzphase (ab Tag 21) mit 94,3 % die höchste Sensitivität aufweisen. Die Kombination aus IgG oder IgM erreicht ebenfalls hohe Werte von knapp 93 %.
Die Spezifität wird im Review als durchgehend hoch bewertet. Bei der Analyse von präpandemischen Proben lag sie für alle untersuchten Antikörpertypen bei über 98 %.
Die im Review eingeschlossenen Studien wurden vor der Einführung von Impfstoffen durchgeführt. Daher liefert die Analyse keine Daten zur Unterscheidung zwischen impfinduzierten und infektionsbedingten Antikörpern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Antibody tests for identification of current and past infection with SARS-CoV-2 (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.