Aerobes Training bei hämatologischen Malignomen: Cochrane
Hintergrund
Erwachsene mit hämatologischen Malignomen wie Leukämien, Lymphomen oder Myelomen leiden häufig unter einer starken körperlichen Dekonditionierung. Dies ist oft eine Folge der Erkrankung selbst, der intensiven Therapien sowie der traditionell häufig ausgesprochenen ärztlichen Empfehlung zur körperlichen Schonung.
Die Schonung wird historisch meist mit dem Risiko für Blutungen bei Thrombozytopenie oder Infektionen bei Leukopenie begründet. Eine fehlende körperliche Aktivität kann jedoch die Lebensqualität der Betroffenen weiter einschränken und die Bewältigung des Alltags erschweren.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht, ob ein aerobes körperliches Training zusätzlich zur Standardversorgung messbare Vorteile für diese Patientengruppe bietet. Dabei liegt der Fokus auf Endpunkten wie Überleben, Lebensqualität, Fatigue und Sicherheit.
Empfehlungen
Die Ergebnisse des Cochrane Reviews basieren auf der Auswertung von 18 randomisierten kontrollierten Studien. Es lassen sich folgende Kernaussagen ableiten:
Mortalität und Überleben
Laut Review gibt es keine Evidenz dafür, dass ein zusätzliches aerobes Training die Sterblichkeitsrate oder das Gesamtüberleben beeinflusst (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Die Überlebensraten unterschieden sich nicht signifikant zwischen der Trainings- und der Kontrollgruppe.
Fatigue und psychische Gesundheit
Die Auswertung zeigt, dass körperliches Training wahrscheinlich positive Effekte auf bestimmte Symptome hat:
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Erschöpfungssymptome (Fatigue) werden durch das Training wahrscheinlich verbessert (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Depressive Symptome können durch die körperliche Aktivität möglicherweise leicht gelindert werden (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Lebensqualität und körperliche Funktion
Für die allgemeine Lebensqualität bleibt der Nutzen eines aeroben Trainings unklar. Der Review findet keine eindeutige Evidenz für einen Unterschied in den Bereichen körperliche Funktionsfähigkeit oder Angstzustände im Vergleich zur Standardversorgung.
Sicherheit und unerwünschte Ereignisse
Die Datenlage zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SAEs) ist sehr unsicher. Es kann laut Review nicht abschließend beurteilt werden, ob ein zusätzliches Training zu einer Erhöhung von SAEs führt (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
💡Praxis-Tipp
Obwohl bei hämatologischen Malignomen aufgrund von Zytopenien traditionell häufig zur Schonung geraten wird, zeigt der Review, dass aerobes Training eine wirksame Maßnahme zur Linderung von tumorbedingter Fatigue sein kann. Es wird in der Literatur darauf hingewiesen, dass eine pauschale Empfehlung zur strikten Bettruhe die körperliche Dekonditionierung der Betroffenen weiter verschlechtern kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass aerobes Training das Gesamtüberleben oder die Mortalität bei hämatologischen Malignomen beeinflusst. Die Sterberaten zeigten keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe.
Der Review kommt zu dem Schluss, dass ein aerobes Training Erschöpfungssymptome (Fatigue) bei Patienten mit hämatologischen Malignomen wahrscheinlich verbessert. Dies wird mit einer moderaten Vertrauenswürdigkeit der Evidenz belegt.
Die Evidenz bezüglich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse ist laut Review sehr niedrig und unklar. Es kann derzeit nicht sicher ausgeschlossen werden, ob das Training das Risiko für solche Ereignisse möglicherweise beeinflusst.
Die untersuchten Interventionen bestanden hauptsächlich aus aeroben Trainingsprogrammen wie Walking, Nordic Walking oder dem Training auf dem Fahrradergometer. Teilweise wurden diese Ausdauereinheiten mit leichtem Krafttraining kombiniert.
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Quelle: Cochrane Review: Aerobic physical exercise for adult patients with haematological malignancies (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.