Chronische GvHD: Diagnostik, Schweregrad und Therapie
Hintergrund
Die chronische Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD) ist eine protrahiert einsetzende Reaktion des Spenderimmunsystems gegen das Gewebe des Empfängers. Sie tritt laut Onkopedia-Leitlinie bei etwa 50 Prozent der Personen nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation auf. In der Regel manifestiert sich die Erkrankung zwischen 2 und 18 Monaten nach der Transplantation.
Die Pathogenese wird durch gestörte Toleranzmechanismen geprägt, bei denen alloreaktive und autoreaktive T- und B-Zellen sowie chronische Entzündungen mit nachfolgender Fibrosierung eine Rolle spielen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem eine vorherige akute GvHD, ein höheres Alter von Spender und Empfänger sowie der Einsatz peripherer Blutstammzellen.
Die cGvHD stellt die wesentlichste Langzeitkomplikation dar und ist für etwa 25 Prozent der Todesfälle mitverantwortlich. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass eine milde bis moderate cGvHD mit einem stärkeren Graft-versus-Malignom-Effekt einhergeht und somit das Rezidivrisiko der Grunderkrankung reduzieren kann.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie führt die Kombination von mehr als drei immunsuppressiven Medikamenten in der Zweitlinientherapie in der Regel nicht zu einer verbesserten Wirksamkeit, erhöht jedoch das Nebenwirkungs- und Infektionsrisiko massiv. Zudem wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die cGvHD an Haut und Schleimhäuten ein hohes Risiko für Plattenepithelkarzinome birgt. Daher wird eine konsequente jährliche Anbindung an die Dermatologie sowie bei Mundbefall an die MKG-Chirurgie empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die chronische GvHD manifestiert sich laut Leitlinie in der Regel zwischen 2 und 18 Monaten nach einer allogenen Stammzelltransplantation. Sie kann de novo, aus einer akuten GvHD hervorgehend oder nach einem beschwerdefreien Intervall auftreten.
Bei einer milden Ausprägung wird primär eine topische Therapie empfohlen. Ist dies nicht möglich, kann eine systemische Therapie mit niedrig-dosierten Steroiden wie Prednisolon als Einmaldosis am Morgen erfolgen.
Ein Wechsel auf eine Zweitlinientherapie wird empfohlen, wenn sich die Symptome unter der Erstlinientherapie innerhalb der ersten vier Wochen verschlechtern. Ebenso ist eine Eskalation indiziert, wenn nach 8 bis 12 Wochen keine Besserung eintritt.
Unter immunsuppressiver Therapie wird zwingend eine Prophylaxe gegen Pneumocystis jirovecii (PjP) sowie eine Pneumokokken-wirksame Stand-by-Antibiose empfohlen. Bei einer Steroiddosis von über 0,5 mg/kg/Tag sollte zudem eine Aspergillus-wirksame Prophylaxe erwogen werden.
Die pulmonale Beteiligung äußert sich meist als Bronchiolitis-obliterans-Syndrom (BOS). Die Diagnose erfolgt primär über die Lungenfunktion (Abfall der FEV1) und ein HR-CT in Exspiration; eine histologische Sicherung ist nur bei therapierelevanten Differenzialdiagnosen erforderlich.
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Quelle: Graft-versus-Host Erkrankung, chronisch (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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