Ceftolozan/Tazobactam (cIAI): Indikation und Therapie
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-27 bewertet den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Ceftolozan/Tazobactam. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit komplizierten intraabdominellen Infektionen.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle antibiotische Therapie festgelegt. Diese muss das lokale Erregerspektrum, Resistenzprofile und das Risiko für multiresistente Erreger berücksichtigen.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung Daten aus zwei randomisierten kontrollierten Studien (PN003 und PN012) sowie In-vitro-Daten ein. Das IQWiG überprüfte, ob diese Daten einen Vorteil gegenüber der Vergleichstherapie belegen können.
Empfehlungen
Bewertung der klinischen Studien
Laut Bericht sind die vorgelegten Studien PN003 und PN012 für die Nutzenbewertung nicht geeignet. In beiden Studien wurde Ceftolozan/Tazobactam in Kombination mit Metronidazol ausschließlich mit Meropenem verglichen.
Das IQWiG stellt fest, dass Meropenem in diesen Studien keine angemessene Umsetzung der geforderten patientenindividuellen Therapie darstellt. Dies wird wie folgt begründet:
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Für die kalkulierte Therapie entsprachen die Krankheitscharakteristika der meisten eingeschlossenen Personen nicht den Leitlinienkriterien für Meropenem (z. B. fehlende schwere Erkrankung oder nosokomiale Peritonitis).
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Für die gezielte Therapie fehlte die Möglichkeit zur Deeskalation nach Vorliegen eines Antibiogramms.
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Die Therapie mit Meropenem wurde meist fortgeführt, auch wenn keine ESBL-bildenden Enterobacterales oder Pseudomonas aeruginosa nachgewiesen wurden.
Bewertung der In-vitro-Daten
Die zusätzlich eingereichten In-vitro-Daten (Untersuchung Kresken 2019) werden vom IQWiG ebenfalls als ungeeignet eingestuft. Es wird darauf hingewiesen, dass In-vitro-Daten nur eingeschränkt auf die klinische Situation übertragbar sind.
Zudem wurden nicht alle vom G-BA benannten Wirkstoffe der Vergleichstherapie berücksichtigt. Es fehlten auch Empfindlichkeitsmessungen gegenüber relevanten Wirkstoffkombinationen.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der ungeeigneten Studiendaten liegen keine verwertbaren Ergebnisse für den Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Ceftolozan/Tazobactam bei komplizierten intraabdominellen Infektionen nicht belegt ist.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungen aus den eingeschlossenen Studien und Fachinformationen für die Behandlung komplizierter intraabdomineller Infektionen:
| Wirkstoff | Dosierung | Anwendungsart |
|---|---|---|
| Ceftolozan/Tazobactam | 1500 mg alle 8 Stunden | intravenös (1 Stunde Infusionsdauer) |
| Metronidazol (Komedikation) | 500 mg alle 8 Stunden | intravenös |
| Meropenem | 1000 mg alle 8 Stunden | intravenös |
| Tigecyclin | 100 mg initial, dann 50 mg alle 12 Stunden | intravenös |
Kontraindikationen
Laut Fachinformation, die im Bericht zitiert wird, sind schwerwiegende und gelegentlich tödlich verlaufende Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) möglich. Bei einer schweren allergischen Reaktion ist das Arzneimittel sofort abzusetzen.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass Ceftolozan/Tazobactam nicht wirksam gegen Bakterien ist, die Beta-Laktamase-Enzyme bilden, welche nicht von Tazobactam gehemmt werden. Während der Behandlung kann es zu einem positiven direkten Antiglobulintest (DAGT) kommen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont die Wichtigkeit der Deeskalation bei der Antibiotikatherapie. Es wird darauf hingewiesen, dass nach Vorliegen eines Antibiogramms (nach ca. 72 Stunden) eine Umstellung auf eine gezielte Therapie mit möglichst schmalem Wirkspektrum erfolgen sollte. Eine fortgeführte Breitbandtherapie ohne entsprechenden Erregernachweis entspricht nicht dem anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen für diese Indikation nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten Studien wurden als ungeeignet eingestuft, da die Vergleichstherapie nicht leitliniengerecht umgesetzt wurde.
Das IQWiG bemängelt, dass Meropenem in den vorgelegten Studien nicht der geforderten patientenindividuellen Therapie entsprach. Für die meisten eingeschlossenen Personen lagen die Kriterien für Meropenem als kalkulierte Therapie (wie schwere Erkrankung oder nosokomiale Infektion) nicht vor.
Der Bericht stellt klar, dass In-vitro-Daten nur eingeschränkt auf die klinische Situation übertragbar sind. Ein Vorteil ließe sich daraus nur ableiten, wenn der neue Wirkstoff hohe Wirksamkeit zeigt, während alle anderen verfügbaren Therapieoptionen (inklusive Kombinationen) nahezu wirkungslos sind.
Gemäß den im Bericht zitierten Fachinformationen ist Ceftolozan/Tazobactam in Kombination mit Metronidazol anzuwenden. Dies gilt, wenn erwiesen ist oder vermutet wird, dass anaerobe Krankheitserreger am Infektionsprozess beteiligt sind.
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Quelle: IQWiG A20-27: Ceftolozan/Tazobactam (komplizierte intraabdominelle Infektionen) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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