Keratinozyten-Karzinom: GP-Leitlinie (Cancer Council)
📋Auf einen Blick
- •Sonnenschutzmaßnahmen werden ab einem UV-Index von 3 empfohlen; Nicotinamid kann bei Hochrisikopatienten ergänzend wirken.
- •Die chirurgische Exzision bietet die besten Heilungschancen und ist die Standardtherapie für unkomplizierte Tumore.
- •Bei Verdacht auf ein Melanom muss die Läsion mit 2 mm Sicherheitsabstand exzidiert oder der Patient sofort überwiesen werden.
- •Die Nachsorge erfordert mindestens eine jährliche, vollständige Hautuntersuchung, idealerweise mittels Dermatoskopie.
Hintergrund
Das Keratinozyten-Karzinom (KC), früher als heller oder weißer Hautkrebs bezeichnet, umfasst das Basalzellkarzinom (BCC) und das kutane Plattenepithelkarzinom (cSCC). Hausärzte spielen eine zentrale Rolle bei der Prävention, Erkennung und Behandlung.
Risikofaktoren für ein KC:
- Alter > 40 Jahre
- Heller Hauttyp (Fitzpatrick I–III)
- Chronische Immunsuppression (z. B. Organtransplantation, chronische lymphatische Leukämie)
- Arsenexposition
- Vorherige KCs oder multiple aktinische Läsionen
Prävention und Diagnostik
Sonnenschutz (Schatten, Kleidung, Sonnencreme) wird ab einem UV-Index von 3 empfohlen. Bei Hochrisikopatienten mit multiplen KCs in der Anamnese kann Nicotinamid eine sinnvolle Ergänzung sein.
Die Diagnostik stützt sich auf die Anamnese (nicht heilende, blutende, schmerzhafte oder indurierte Läsionen) und die klinische Untersuchung. Die Dermatoskopie verbessert die diagnostische Genauigkeit sowohl für KCs als auch für Melanome signifikant.
Therapie der Keratinozyten-Karzinome
Die chirurgische Exzision bietet die besten Heilungschancen. Kleine, unkomplizierte KCs sollten in Lokalanästhesie elliptisch exzidiert und direkt verschlossen werden.
| Tumortyp | Typische Klinik / Lokalisation | Therapieoptionen in der Hausarztpraxis |
|---|---|---|
| Superfizielles BCC | Stamm, Extremitäten; schuppig, erythematös | Exzision, Elektrodesikkation (<2 cm), Imiquimod 5%, Kryotherapie (<2 cm) |
| Noduläres BCC | Kopf, Hals; glänzend, perlmuttartig | Exzision, Elektrodesikkation (<2 cm) |
| Sklerosierendes BCC | Kopf, Hals; narbenähnlich, induriert | Exzision, Überweisung (Mohs-Chirurgie) |
| cSCC | Papel, Knoten oder Ulkus | Exzision, Überweisung (Radiotherapie) |
| Morbus Bowen (SCC in situ) | Erythematöse Plaque, Hyperkeratose | Exzision, Fluorouracil 5%, Kryotherapie (<2 cm), Active Surveillance (<2 cm) |
Kriterien für eine Überweisung
In folgenden Fällen sollte eine Überweisung an Spezialisten oder ein multidisziplinäres Team erfolgen:
- Unsichere Diagnose oder Therapieplanung
- Multiple oder sehr große Tumore (Graft/Flap nötig)
- Schwierige Lokalisation (Lippen, Nase, Ohren, Augenlid, Kopfhaut)
- Kosmetische Bedenken (z. B. Gesicht, Keloidrisiko)
- Inkomplette Exzision oder Tumorrezidiv
- Sklerosierendes BCC (besonders an Nase oder Nasolabialfalte)
- cSCC mit tastbaren regionalen Lymphknoten oder schlechter Differenzierung
- Immunsuppression
- Fehlende Möglichkeit der regelmäßigen Nachsorge durch den Hausarzt
Nachsorge und Rezidivrisiko
Alle Patienten mit einem stattgehabten KC benötigen als Minimum eine jährliche Hautuntersuchung (bevorzugt mit Dermatoskopie). Es gibt keine standardisierten Protokolle; die Frequenz richtet sich nach dem individuellen Risiko.
Während BCC-Rezidive und Metastasierungen selten sind, steigt das Risiko beim cSCC unter folgenden Bedingungen: Tumordicke >2 mm, Invasion ins subkutane Fett, perineurale Invasion, Durchmesser >20 mm, Lokalisation an Schläfe, Ohr oder Lippe, schlechte Differenzierung sowie bei Immunsuppression.
💡Praxis-Tipp
Zögern Sie bei Läsionen mit Melanomverdacht nicht: Führen Sie umgehend eine Exzision mit 2 mm klinischem Sicherheitsabstand durch oder überweisen Sie den Patienten sofort für eine Zweitmeinung.