Carfilzomib (Multiples Myelom): Therapie und Indikation
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Carfilzomib bei erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder progredientem multiplem Myelom bewertet. Die Patienten müssen zuvor mindestens eine Therapie erhalten haben.
Carfilzomib wird in zwei Regimen untersucht: entweder in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder in Kombination mit Dexamethason allein. Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unter anderem Lenalidomid plus Dexamethason oder Bortezomib plus Dexamethason fest.
Die Bewertung basiert primär auf den Daten der Zulassungsstudien ASPIRE und ENDEAVOR. Aufgrund methodischer Einschränkungen konnten jedoch nicht alle vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten für die Nutzenbewertung herangezogen werden.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Carfilzomib plus Lenalidomid und Dexamethason
Die Bewertung der Dreierkombination basiert auf der ASPIRE-Studie. Es zeigt sich eine relevante Effektmodifikation durch das Alter der Patienten beim Gesamtüberleben.
Für Patienten unter 65 Jahren ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Überlebensvorteil. Aufgrund von Unsicherheiten bei den Nebenwirkungen wird das Ausmaß des Zusatznutzens insgesamt als nicht quantifizierbar eingestuft.
Für Patienten ab 65 Jahren zeigt sich kein Überlebensvorteil. Für diese Altersgruppe ist ein Zusatznutzen laut Bericht nicht belegt.
Carfilzomib plus Dexamethason
Die Zweierkombination wurde in der ENDEAVOR-Studie mit Bortezomib plus Dexamethason verglichen. Das IQWiG stuft die Daten als nicht verwertbar ein.
Es war unklar, ob die eingeschlossenen Patienten ohne vorherige Stammzelltransplantation tatsächlich für eine solche ungeeignet waren. Zudem wurde Bortezomib teilweise über die zugelassene Zyklenzahl hinaus verabreicht. Ein Zusatznutzen ist für diese Kombination daher nicht belegt.
Lebensqualität und Nebenwirkungen
Die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Symptomatik aus der ASPIRE-Studie werden als nicht verwertbar eingestuft. Der Bericht kritisiert, dass nur selektive Auswertungen einzelner Subskalen vorgelegt wurden, was eine ergebnisabhängige Berichterstattung möglich macht.
Auch die Daten zu schweren unerwünschten Ereignissen (SUE) sind nicht adäquat auswertbar. Dies wird mit den stark unterschiedlichen Beobachtungszeiten in den Studienarmen begründet.
Dosierung
Der IQWiG-Bericht zitiert das folgende Dosierungsschema aus der ASPIRE-Studie für die Dreierkombination:
| Medikament | Dosierung | Zyklustage (28-Tage-Zyklus) |
|---|---|---|
| Carfilzomib | 20 mg/m² (Zyklus 1) bzw. 27 mg/m² | Zyklus 1: Tag 1, 2 (20 mg/m²), Tag 8, 9, 15, 16 (27 mg/m²); Zyklen 2-12: Tag 1, 2, 8, 9, 15, 16 |
| Lenalidomid | 25 mg/Tag | Tag 1 bis 21 |
| Dexamethason | 40 mg/Tag | Tag 1, 8, 15, 22 |
Kontraindikationen
Laut den Einschlusskriterien der ASPIRE-Studie waren folgende Vorbehandlungen nicht erlaubt:
-
Chemotherapie innerhalb von 6 Wochen vor Randomisierung
-
Bestrahlung an multiplen Stellen
-
Kortikosteroide in einer Dosierung von mehr als 4 mg/Tag
Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei Patienten mit tiefer Venenthrombose in der Anamnese eine Prophylaxe mit Warfarin oder niedermolekularem Heparin erforderlich war.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass sich ein Überlebensvorteil der Dreierkombination mit Carfilzomib ausschließlich bei Patienten unter 65 Jahren zeigt. Bei älteren Patienten ab 65 Jahren ist laut den vorliegenden Daten kein Zusatznutzen belegt, während gleichzeitig ein potenziell höheres Risiko für unerwünschte Ereignisse besteht.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG hängt der Zusatznutzen vom Alter und der Kombination ab. Für Patienten unter 65 Jahren in der Dreierkombination mit Lenalidomid und Dexamethason gibt es einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
Der IQWiG-Bericht sieht für Patienten ab 65 Jahren keinen belegten Zusatznutzen für die Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason. In dieser Altersgruppe konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden.
Das IQWiG stuft die Daten der ENDEAVOR-Studie zur Zweierkombination als nicht verwertbar ein. Es war unklar, ob die Patienten tatsächlich die Zulassungsvoraussetzungen für die Vergleichstherapie Bortezomib erfüllten.
In der ASPIRE-Studie wurde Carfilzomib intravenös verabreicht, beginnend mit 20 mg/m² an den ersten beiden Tagen. Danach wurde die Dosis laut Studienprotokoll auf 27 mg/m² an spezifischen Zyklustagen erhöht.
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Quelle: IQWiG A17-38: Carfilzomib (multiples Myelom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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