Cardiac Arrest Center (CAC): Postreanimationsbehandlung
Hintergrund
Die Leitlinie des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) definiert die Qualitätskriterien für Cardiac Arrest Zentren (CAC). Es handelt sich um ein Update der erstmals 2017 publizierten strukturellen Voraussetzungen.
Die Prognose nach einem prähospitalen Kreislaufstillstand hängt maßgeblich von der schnellen und qualifizierten Behandlung der Ursache ab. Die internationalen Leitlinien empfehlen daher die Betreuung in spezialisierten Zentren, die auf die komplexen Komplikationen der Postreanimationsphase vorbereitet sind.
Das Update 2021 konkretisiert insbesondere die Anforderungen an das Cardiac Arrest Receiving Team (CART), die neurologische Kooperation und die Mitarbeiterschulung. Die angepassten Kriterien basieren auf den praktischen Erfahrungen der ersten Zertifizierungsaudits an deutschen Kliniken.
Klinischer Kontext
Der plötzliche Herztod ist eine der führenden Todesursachen in Deutschland, mit einer geschätzten Inzidenz von etwa 50 bis 100 Fällen pro 100.000 Einwohner jährlich. Trotz Fortschritten in der präklinischen Versorgung bleibt die Überlebensrate mit gutem neurologischem Outcome gering.
Nach einer erfolgreichen Reanimation entsteht häufig das sogenannte Post-Cardiac-Arrest-Syndrom. Dieses umfasst eine systemische Ischämie-Reperfusionsverletzung, eine postresuszitative myokardiale Dysfunktion sowie anoxische Hirnschäden.
Die komplexe Behandlung dieses Syndroms erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und spezialisierte Infrastruktur. Eine zielgerichtete Postreanimationsbehandlung in spezialisierten Zentren kann die Überlebenswahrscheinlichkeit und das neurologische Outcome signifikant verbessern.
Die Diagnostik umfasst neben der Ursachensuche des Herzstillstands, wie etwa durch eine rasche Koronarangiographie, auch ein multimodales neurologisches Neuromonitoring. Hierzu gehören regelmäßige klinische Untersuchungen, Elektroenzephalographie (EEG) und bildgebende Verfahren zur Prognoseabschätzung.
Wissenswertes
Das Syndrom besteht primär aus einem anoxischen Hirnschaden, einer myokardialen Dysfunktion und einer systemischen Ischämie-Reperfusionsverletzung. Zudem bleibt oft die auslösende Pathologie des Herzstillstands bestehen und erfordert eine parallele Behandlung.
Eine sofortige Koronarangiographie ist bei reanimierten Patienten mit ST-Hebungen im EKG allgemein medizinischer Standard. Bei Patienten ohne ST-Hebungen wird der Zeitpunkt der Angiographie individuell nach hämodynamischer Stabilität und Verdacht auf eine kardiale Ursache abgewogen.
Das gezielte Temperaturmanagement dient der Neuroprotektion nach einem Herzstillstand. Üblicherweise wird eine konstante Körpertemperatur zwischen 32 und 36 Grad Celsius über mindestens 24 Stunden angestrebt, um Fieber strikt zu vermeiden.
Eine verlässliche neurologische Prognoseabschätzung sollte frühestens 72 Stunden nach Rückkehr des Spontankreislaufs und Erreichen der Normothermie erfolgen. Sie basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Biomarkern, EEG und Bildgebung.
Die Versorgung erfordert ein enges Zusammenspiel von Kardiologie, Intensivmedizin, Neurologie und Notfallmedizin. Oft werden auch Radiologen und Herzchirurgen für spezifische diagnostische und therapeutische Interventionen hinzugezogen.
Die neuronenspezifische Enolase (NSE) ist der am häufigsten genutzte Biomarker im Serum zur Einschätzung eines hypoxischen Hirnschadens. Steigende oder anhaltend hohe Werte in den ersten Tagen nach Reanimation korrelieren oft mit einem schlechten neurologischen Outcome.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die lückenlose und strukturierte Übergabe durch den Rettungsdienst von zentraler Bedeutung. Es wird besonders darauf hingewiesen, dass die SOPs auch die komplexe Situation einer Patientenübernahme unter noch laufender Reanimation klar regeln müssen. Zudem betont das Dokument die Wichtigkeit der direkten Übergabe von reanimierten STEMI-Patienten im Herzkatheterlabor.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie muss das CART aus mindestens vier Personen bestehen. Es werden mindestens zwei Ärzte, darunter möglichst ein Facharzt, sowie zwei Pflegekräfte aus der Intensiv- oder Notfallmedizin gefordert.
Die Leitlinie verlangt eine 24/7-Rufbereitschaft für Notfall-PCIs. Das Personal muss innerhalb von 30 Minuten nach der Alarmierung im Katheterlabor präsent sein.
Es wird eine 24/7-Verfügbarkeit eines fachneurologischen Dienstes gefordert, der innerhalb von 30 Minuten telefonisch erreichbar ist. Zudem muss laut Leitlinie eine teleradiologische Befundung sowie bei komplexen Fällen eine Akutvisite am Bett innerhalb von 30 Minuten garantiert sein.
Das Dokument fordert für Ärzte in Schlüsselbereichen wie Notaufnahme, Katheterlabor und Intensivstation zertifizierte ALS- oder ACLS-Kurse. Für das Pflegepersonal wird mindestens ein zertifizierter ILS-Kurs empfohlen, um die Behandlungsqualität zu sichern.
Die internationalen Leitlinien empfehlen die Behandlung reanimierter Patienten in spezialisierten Zentren. Dort ist die notwendige interdisziplinäre Expertise für das komplexe Postreanimationssyndrom und die schnelle Ursachenbehandlung gebündelt.
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Quelle: Qualitätskriterien und strukturelle Voraussetzungen für Cardiac Arrest Zentren – Update 2021 Deutscher Rat für Wiederbelebung/German Resuscitation Council (GRC) (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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