Brustschmerz: Diagnostik, EKG und CT-Angiographie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG95 behandelt die Beurteilung und Diagnostik von kürzlich aufgetretenen Brustschmerzen mit Verdacht auf eine kardiale Ursache bei Erwachsenen.
Ziel ist es, durch gezielte Untersuchungen wie EKG, hochsensitive Troponin-Tests und Bildgebung eine schnelle und präzise Diagnose zu ermöglichen.
Dabei wird zwischen akutem Brustschmerz mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom (ACS) und stabilem Brustschmerz bei Verdacht auf eine stabile Angina pectoris unterschieden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und initialen Versorgung von Brustschmerzen:
Akuter Brustschmerz und Verdacht auf ACS
Laut Leitlinie wird eine sofortige Überprüfung empfohlen, ob aktuell Schmerzen bestehen oder wann die letzte Schmerzepisode auftrat.
Es wird eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung empfohlen bei:
-
Verdacht auf ACS und aktuellen Schmerzen
-
Schmerzen in den letzten 12 Stunden bei gleichzeitig abnormalem oder fehlendem Ruhe-EKG
-
Wiederauftreten von Brustschmerzen bei kürzlich bestätigtem oder vermutetem ACS
Zudem wird die Ableitung eines 12-Kanal-Ruhe-EKGs so schnell wie möglich empfohlen, ohne den Transport ins Krankenhaus zu verzögern.
Akuttherapie bis zur Diagnosestellung
Die Leitlinie empfiehlt folgende initiale Maßnahmen:
-
Schmerzlinderung durch sublinguales oder bukales Nitroglycerin (GTN) oder intravenöse Opioide (insbesondere bei Verdacht auf Myokardinfarkt)
-
Gabe einer Einzeldosis von 300 mg Aspirin, sofern keine Allergie vorliegt
-
Sauerstoffgabe nur bei einer Sauerstoffsättigung unter 94 % (Ziel: 94-98 %) oder bei COPD-Risiko für hyperkapnische Ateminsuffizienz unter 88 % (Ziel: 88-92 %)
Labordiagnostik bei akutem Brustschmerz
Gemäß Leitlinie wird die Bestimmung von hochsensitivem Troponin (I oder T) bei Personen mit mittlerem oder hohem Risiko für einen Myokardinfarkt empfohlen.
Es wird davon abgeraten, natriuretische Peptide oder hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP) zur Diagnose eines ACS zu verwenden.
Stabiler Brustschmerz und Angina pectoris
Die Leitlinie definiert die Wahrscheinlichkeit einer stabilen Angina anhand spezifischer Schmerzmerkmale:
| Klassifikation | Kriterien |
|---|---|
| Typische Angina | Erfüllt alle 3 Kriterien (beklemmender Schmerz, belastungsabhängig, Besserung durch Ruhe/GTN in 5 Min.) |
| Atypische Angina | Erfüllt 2 der 3 Kriterien |
| Nicht-anginöser Schmerz | Erfüllt 1 oder keines der Kriterien |
Bei typischer oder atypischer Angina empfiehlt die Leitlinie als primäre Diagnostik eine 64-Zeilen-CT-Koronarangiographie.
Ein Belastungs-EKG sollte gemäß Leitlinie nicht zur Diagnose oder zum Ausschluss einer stabilen Angina bei Personen ohne bekannte koronare Herzkrankheit eingesetzt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, die Reaktion auf Nitroglycerin (GTN) zur Diagnosestellung eines akuten Koronarsyndroms heranzuziehen.
Ebenso wird davon abgeraten, ein Belastungs-EKG zur Erstdiagnostik einer stabilen Angina bei Personen ohne bekannte koronare Herzkrankheit zu verwenden.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass Pulsoximeter die Sauerstoffsättigung bei Personen mit dunkler Hautfarbe überschätzen können.
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliges Ruhe-EKG schließt ein akutes Koronarsyndrom (ACS) oder eine stabile Angina pectoris nicht aus. Die Leitlinie betont, dass die Symptomatik eines ACS bei Männern, Frauen und verschiedenen ethnischen Gruppen nicht unterschiedlich bewertet werden sollte. Nicht alle Betroffenen werden mit zentralem Brustschmerz als Hauptsymptom vorstellig.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Notfall-Einweisung bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom, wenn aktuell Schmerzen bestehen. Ebenso wird eine sofortige Einweisung empfohlen, wenn die Schmerzen in den letzten 12 Stunden auftraten und das Ruhe-EKG abnormal oder nicht verfügbar ist.
Eine routinemäßige Sauerstoffgabe wird laut Leitlinie nicht empfohlen. Sauerstoff sollte nur verabreicht werden, wenn die Sättigung unter 94 Prozent fällt, beziehungsweise unter 88 bis 92 Prozent bei Personen mit COPD.
Als primäre diagnostische Untersuchung wird eine 64-Zeilen-CT-Koronarangiographie empfohlen. Dies gilt für Personen mit typischer oder atypischer Angina sowie bei nicht-anginösen Schmerzen mit EKG-Veränderungen.
Die Leitlinie rät davon ab, ein Belastungs-EKG zur Diagnose oder zum Ausschluss einer stabilen Angina bei Personen ohne bekannte koronare Herzkrankheit einzusetzen. Stattdessen wird primär die CT-Koronarangiographie oder eine funktionelle Bildgebung empfohlen.
Es wird die Bestimmung von hochsensitivem Troponin (I oder T) empfohlen. Andere Biomarker wie natriuretische Peptide oder hochsensitives CRP sollen laut Leitlinie nicht zur ACS-Diagnostik verwendet werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NICE Guideline on Chest Pain of Recent Onset (NICE, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
CG95: Chest pain of recent onset: assessment and diagnosis
Acute coronary syndromes
Australian ACS Guideline 2025 — Abridged Version
Australian Clinical Guideline for Diagnosing and Managing Acute Coronary Syndromes 2025
CG126: Stable angina: management
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen