Brigatinib bei NSCLC: Indikation und Therapievergleich
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A19-08 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Brigatinib. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit Anaplastische-Lymphomkinase (ALK)-positivem, fortgeschrittenem, nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Wirkstoff Ceritinib festgelegt. Ziel der Bewertung ist es, den medizinischen Zusatznutzen von Brigatinib im Vergleich zu dieser Standardtherapie zu ermitteln.
Die Bewertung basiert auf den vom pharmazeutischen Unternehmer eingereichten Dossiers und Studien. Dabei wurden patientenrelevante Endpunkte wie Gesamtüberleben, Symptomatik, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen betrachtet.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Brigatinib gegenüber Ceritinib nicht belegt. Es liegen keine geeigneten randomisierten kontrollierten Studien (RCT) für einen direkten oder adjustierten indirekten Vergleich vor.
Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Vergleiche einzelner Studienarme (ALTA-Studie für Brigatinib und ASCEND-5-Studie für Ceritinib) wurden als methodisch ungeeignet eingestuft.
Methodische Kritikpunkte
Die Bewertung nennt folgende Hauptgründe für die fehlende Belegbarkeit des Zusatznutzens:
-
Fehlende Randomisierung beim Vergleich einzelner Studienarme, wodurch die Strukturgleichheit nicht sichergestellt ist
-
Die berechneten Effekte sind nicht groß genug, um systematische Verzerrungen auszuschließen
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Die zugelassene Dosis der Vergleichstherapie Ceritinib wurde im April 2018 von 750 mg (nüchtern) auf 450 mg (mit einer Mahlzeit) geändert, was die vorgelegten historischen Daten entwertet
Unterstützende Evidenz
Zusätzlich eingereichte Daten aus nicht randomisierten Studien (AP26113-11-101) oder Studien außerhalb des Anwendungsgebiets (ALTA-1L) wurden ebenfalls geprüft.
Diese Daten lassen laut Bewertung keinen validen Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie im spezifischen Anwendungsgebiet zu.
Dosierung
Die Dokumentation zitiert folgende Dosierungsempfehlungen für Brigatinib gemäß Fachinformation:
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Brigatinib | 90 mg 1x täglich (Tag 1-7), danach 180 mg 1x täglich | ALK-positives NSCLC nach Crizotinib |
Die Behandlung sollte laut den Angaben so lange weitergeführt werden, wie ein klinischer Nutzen zu erkennen ist.
Bei Unverträglichkeit der einmal täglichen Einnahme von 60 mg wird ein dauerhaftes Absetzen empfohlen.
Kontraindikationen
Gemäß den zitierten Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung werden folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen aufgeführt:
-
Überwachung auf pulmonale Nebenwirkungen, Hypertonie, Bradykardie und Sehstörungen
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Kontrolle von Kreatinphosphokinase-Werten, Pankreasenzymen, Hepatotoxizität und Hyperglykämie
-
Kontraindikation bei seltener hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption
-
Vermeidung von Grapefruit oder Grapefruitsaft aufgrund von Wechselwirkungen mit der Plasmakonzentration
Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Anwendung bei schwangeren Frauen Schäden beim Fötus verursachen kann. Es wird angeraten, während der Behandlung eine Schwangerschaft oder Zeugung zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation von historischen Studiendaten zu Ceritinib wird darauf hingewiesen, dass sich die zugelassene Standarddosierung im April 2018 geändert hat. Es wird betont, dass ältere Studien mit einer Dosierung von 750 mg nüchtern nicht mehr den aktuellen Versorgungsstandard von 450 mg mit einer Mahlzeit widerspiegeln. Dies ist bei der Bewertung von Therapiealternativen zwingend zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Brigatinib im Vergleich zu Ceritinib bei ALK-positivem NSCLC nach Crizotinib-Vorbehandlung nicht belegt. Es fehlen geeignete randomisierte Vergleichsstudien.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt in den ersten 7 Tagen einmal täglich 90 mg. Danach wird eine Erhaltungsdosis von einmal täglich 180 mg empfohlen, solange ein klinischer Nutzen besteht.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Ceritinib als zweckmäßige Vergleichstherapie für diese spezifische Indikation festgelegt.
Es wird eine Überwachung der Kreatinphosphokinase-Werte sowie der Pankreasenzyme empfohlen. Zudem sollte auf Anzeichen einer Hepatotoxizität und Hyperglykämie geachtet werden.
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Quelle: IQWiG A19-08: Brigatinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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