ClariMedClariMed

Chronische KHK: Nationale VersorgungsLeitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik der chronischen KHK folgt dem Prinzip 'nicht-invasiv vor invasiv'.
  • In der Hausarztpraxis soll die Wahrscheinlichkeit einer KHK mittels Marburger Herz-Score (MHS) eingeschätzt werden.
  • Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von unter 15 % ist primär keine KHK-Diagnostik indiziert.
  • Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit bis 50 % soll bevorzugt die Koronar-CT (CCTA) als bildgebendes Verfahren eingesetzt werden.
  • Ein Ruhe-EKG (12 Ableitungen) gehört zur Basisdiagnostik bei jedem KHK-Verdacht.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die klinisch relevante Manifestation der Atherosklerose an den Herzkranzgefäßen. Sie führt häufig zu einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot im Herzmuskel. Es wird grundsätzlich zwischen dem chronischen Koronarsyndrom (CCS) und dem akuten Koronarsyndrom (ACS) unterschieden. Das Leitsymptom der stenosierenden KHK ist die Angina pectoris.

Schweregrad (CCS)Belastungstoleranz
CCS 1Keine Angina pectoris bei Alltagsbelastung, jedoch bei plötzlicher oder längerer physischer Belastung
CCS 2Angina pectoris bei stärkerer Anstrengung (schnelles Laufen, Bergaufgehen, Kälte, psychische Belastung)
CCS 3Angina pectoris bei leichter körperlicher Belastung (normales Gehen, Ankleiden)
CCS 4Ruhebeschwerden oder Beschwerden bei geringster körperlicher Belastung

Diagnostik in der Hausarztpraxis

Bei Patienten mit Brustschmerz soll die Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK zunächst klinisch und mittels Marburger Herz-Score eingeschätzt werden, um eine Überversorgung zu vermeiden.

Kriterium (Marburger Herz-Score)Punkte
Alter und Geschlecht (Männer ≥ 55 J., Frauen ≥ 65 J.)1
Bekannte vaskuläre Erkrankung1
Beschwerden sind belastungsabhängig1
Schmerzen durch Palpation nicht reproduzierbar1
Patient vermutet, dass der Schmerz vom Herzen kommt1
  • Score 0-2: Wahrscheinlichkeit < 5 %. Wenn das klinische Gesamtbild passend ist, soll keine weitere KHK-Diagnostik erfolgen.
  • Score 3-5: Mittlere bis hohe Wahrscheinlichkeit (ca. 17-50 %). Weitere Abklärung ist indiziert.

Basisdiagnostik

  • Ruhe-EKG (12 Ableitungen): Soll bei Verdacht auf KHK durchgeführt werden. Ein unauffälliges EKG schließt eine KHK jedoch nicht zuverlässig aus.
  • Echokardiographie in Ruhe: Sollte zur Beurteilung der globalen und regionalen Myokardfunktion sowie zur Differentialdiagnostik erfolgen.

Nicht-invasive Bildgebung

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Vortestwahrscheinlichkeit (VTW), die fachärztlich z. B. über den DISCHARGE-Kalkulator ermittelt wird.

  • VTW < 15 %: Es sollte primär kein KHK-Test erfolgen, sondern nach anderen Ursachen gesucht werden.
  • VTW 15-85 %: Nicht-invasive Verfahren sollten angewendet werden, um den Verdacht einzugrenzen.
  • VTW > 85 %: Es sollte direkt von einer KHK ausgegangen und mit der Therapieplanung begonnen werden.

Bevorzugtes Verfahren: Ist bei einer VTW bis 50 % eine Bildgebung indiziert, soll bevorzugt die Koronar-CT (CCTA) angeboten werden, da sie invasive Koronarangiographien signifikant reduziert.

VerfahrenZielstrukturIonisierende StrahlungBesonderheiten
CT-AngiographieKoronararterien (Morphologie)Ja (Röntgen)Bevorzugt bei VTW bis 50 %
Stress-EchokardiographieMyokard (Wandbewegung)Nein (Ultraschall)Eingeschränktes Schallfenster möglich
Stress-Perfusions-MRTMyokard (Perfusion/Funktion)Nein (Magnetfeld)Einschränkungen bei Schrittmachern beachten
Myokard-Perfusions-SPECT/PETMyokard (Perfusion/Funktion)Ja (Gamma-Strahlung)Hohe diagnostische Güte

Das klassische Belastungs-EKG hat zur reinen Diagnosestellung eine eingeschränkte Aussagekraft, kann aber für die Therapie- und Trainingsplanung nützlich sein.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie in der Primärversorgung den Marburger Herz-Score: Bei einem Wert ≤ 2 und passendem klinischen Gesamtbild können Sie auf weitere KHK-Diagnostik verzichten und so unnötige Untersuchungen vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Zur reinen Diagnostik einer KHK hat es eine eingeschränkte Aussagekraft, ist aber nützlich für die Therapie- und Trainingsplanung.
Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit bis 50 % soll bevorzugt die Koronar-CT (CCTA) eingesetzt werden.
Bei einer hohen Vortestwahrscheinlichkeit von > 85 % sollte ohne weitere Diagnostik eine KHK angenommen und die Therapie geplant werden.
Ein 12-Kanal-Ruhe-EKG soll durchgeführt werden, ergänzend sollte eine Echokardiographie in Ruhe erfolgen.

Verwandte Leitlinien