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Abklärung Herzgeräusch bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Herzgeräusche werden in akzidentelle, funktionelle und organische Geräusche unterteilt.
  • Diastolische Herzgeräusche sind praktisch immer pathologisch und bedürfen einer Abklärung.
  • Bei Neugeborenen, neu aufgetretenen oder veränderten Geräuschen ist bis zum Beweis des Gegenteils von einem Herzfehler auszugehen.
  • Die Echokardiographie ist der Goldstandard zur Sicherung der Diagnose.
  • Kinder mit akzidentellen Herzgeräuschen sind voll sporttauglich und bedürfen keiner Therapie oder Schonung.
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Hintergrund

Herzgeräusche im Kindes- und Jugendalter sind Ausdruck eines turbulenten Blutflusses. Da die Diagnose bei Eltern häufig zu großer Sorge führt, sollte eine rasche Abklärung erfolgen. Bei Neugeborenen werden im Rahmen der primären Untersuchung oft Herzgeräusche auskultiert. In etwa einem Drittel dieser Fälle werden Herzfehler gefunden, wobei meist weniger als 10 % einer weiterführenden Intervention bedürfen. Auch bei neu aufgetretenen Geräuschen im Kindes- und Jugendalter findet sich in weniger als 10 % ein pathologischer Befund.

Einteilung und Lautstärke

Herzgeräusche werden nach ihrem zeitlichen Auftreten im Herzzyklus, Dauer, Lautstärke, Frequenz, Klangcharakter sowie dem Punctum maximum und der Fortleitung eingeteilt. Die Lautstärke wird in sechs Grade unterteilt:

GradBeschreibung
1/6Leises Herzgeräusch, nur bei ruhiger Umgebung zu auskultieren, durch normales Atemgeräusch überdeckt
2/6Deutlich hörbares Herzgeräusch, nicht durch Atemgeräusch überdeckt
3/6Lautes Herzgeräusch, aber kein präkordiales Schwirren palpabel
4/6Lautes Herzgeräusch mit Schwirren
5/6Sehr lautes Herzgeräusch mit deutlichem Schwirren, durch aufgesetzten Finger/Hand zu auskultieren
6/6Sehr lautes Herzgeräusch mit Schwirren, Distanzgeräusch (ohne Stethoskop oder 1 cm entfernt hörbar)

Pathophysiologie und Geräuscharten

Grundsätzlich werden drei Arten von Herzgeräuschen unterschieden:

  • Akzidentelle Herzgeräusche: Treten bei herzgesunden Kindern auf, sind praktisch niemals lauter als 3/6 und gelten als harmlos. Die Diagnose erfolgt nach Ausschluss einer organischen Erkrankung.
  • Funktionelle Herzgeräusche: Strömungsphänomene durch ein erhöhtes Herzzeitvolumen. Häufigste Ursachen sind Fieber, Anämie oder Hyperthyreose.
  • Organische Herzgeräusche: Basieren auf pathologischen Veränderungen wie Klappen-/Gefäßstenosen, Insuffizienzen oder Shuntverbindungen.

Bezüglich des zeitlichen Auftretens gilt eine wichtige Grundregel: Diastolische Herzgeräusche sind praktisch immer pathologisch.

Akzidentelle und funktionelle Herzgeräusche

HerzgeräuschAltersgipfelPunctum maximumZeitpunkt und Klangcharakter
Akzidentelles Herzgeräusch (Stillsches Geräusch)Kleinkinder3.-5. ICR links parasternalSystolisch, musikalischer Klang. Wird typischerweise im Liegen am lautesten gehört und beim Aufrichten leiser.
Strömungsgeräusch der PulmonalarterienbifurkationNeugeborene, junge Säuglinge2. ICR links und rechts parasternalSystolisch, rauh. Fortleitung in den Rücken.
PulmonalarterienströmungsgeräuschKleinkinder, Schulkinder, Jugendliche2. ICR links parasternalSystolisch, rauh.
Supraklavikuläres akzidentelles GeräuschSchulkinder, Jugendliche2. ICR links parasternalSystolisch, rauh.
NonnensausenKleinkinderSupraklavikulär, rechtsseitig betontKontinuierlich systolisch-diastolisches Geräusch. Verschwindet typischerweise bei Kopfwendung.

Organische Herzgeräusche (Auswahl)

DiagnoseHerzgeräuschPunctum maximum / Fortleitung
Kleiner VSD2-3/6° lautes hochfrequentes Systolikum3./4. ICR links parasternal
Mittelgroßer PDA2-4/6° lautes kontinuierliches Geräusch ("Maschinengeräusch")2. ICR links parasternal
ASD mit relevantem L-R-Shunt2-3/6° lautes systolisches Austreibungsgeräusch, 2. Herzton fixiert gespalten2. ICR links parasternal
AortenstenoseRauhes 2-5/6° lautes systolisches Austreibungsgeräusch2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in die Karotiden
AorteninsuffizienzHochfrequentes 2-3/6° lautes (früh-) diastolisches Geräusch3./4. ICR links parasternal

Diagnostik

Bis zum Beweis des Gegenteils ist bei einem Herzgeräusch eines Neugeborenen, einem neu aufgetretenen und persistierenden Herzgeräusch oder einer Änderung eines bekannten Herzgeräusches von einem Herzfehler auszugehen.

Die Diagnostik umfasst:

  • Klinische Untersuchung: Anamnese und Auskultation geben Hinweise, reichen aber zur genauen Abklärung allein nicht aus.
  • Pulsoxymetrie: Bewertet eine mögliche Zyanose und erweitert die Primärdiagnostik.
  • Echokardiographie: Sichert die Diagnose durch detaillierte Darstellung von Anatomie und Funktion. Bei eindeutigen funktionellen Befunden und typischen Auskultationsbefunden kann sie in begründeten Einzelfällen entfallen.
  • EKG: Oft unspezifisch, kann aber bei typischen Konstellationen Hinweise geben.
  • MRT/CT: Nur bei unzureichender echokardiographischer Darstellbarkeit indiziert.

Therapie und Nachsorge

Bei akzidentellen Herzgeräuschen ist keinerlei Kontrolle oder Therapie notwendig. Eine ausführliche Aufklärung der Eltern über die Benignität des Befundes ist essenziell, um eine falsche Schonung des Kindes zu vermeiden. Patienten mit akzidentellen oder funktionellen Herzgeräuschen sind voll leistungsfähig und sporttauglich. Bei funktionellen Geräuschen richtet sich die Therapie nach der auslösenden Ursache (z.B. Infekt, Anämie).

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Eltern von Kindern mit akzidentellen Herzgeräuschen ausführlich über die absolute Harmlosigkeit auf. Eine falsche körperliche Schonung im Alltag oder ein Sportverbot müssen unbedingt vermieden werden.

Häufig gestellte Fragen

Diastolische Herzgeräusche sind praktisch immer pathologisch. Zudem muss bei Neugeborenen, bei neu aufgetretenen oder sich verändernden Geräuschen bis zum Beweis des Gegenteils von einem Herzfehler ausgegangen werden.
Ja, Kinder mit akzidentellen oder funktionellen Herzgeräuschen sind voll leistungsfähig und dürfen ohne Einschränkungen Sport treiben.
Funktionelle Herzgeräusche entstehen durch ein erhöhtes Herzzeitvolumen. Die häufigsten Ursachen im Kindesalter sind Fieber, Anämie oder eine Hyperthyreose.
Nein, das EKG ist in vielen Fällen unspezifisch. Die Echokardiographie ist die Methode der Wahl, um die Diagnose über eine detaillierte Darstellung der Anatomie und Funktion zu sichern.

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