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Schilddrüse der Mutter: Neugeborenen-Diagnostik (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das reguläre Neugeborenen-Screening (TSH-Bestimmung) erfasst keine neonatale Hyperthyreose oder zentrale Hypothyreose.
  • Bei mütterlichem Morbus Basedow (auch nach Thyreoidektomie) ist wegen plazentagängiger TRAK eine engmaschige Schilddrüsendiagnostik beim Neugeborenen erforderlich.
  • Bei alleiniger mütterlicher Einnahme von Jodid, L-Thyroxin (ohne TRAK) oder bei Hashimoto-Thyreoiditis reicht das reguläre Neugeborenen-Screening aus.
  • Bei Einnahme von Thyreostatika oder seltenen genetischen Schilddrüsenerkrankungen der Mutter sollte ein pädiatrischer Endokrinologe hinzugezogen werden.
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Hintergrund

Schilddrüsenfunktionsstörungen gehören zu den häufigsten Organerkrankungen bei Schwangeren. Das in Deutschland durchgeführte reguläre Neugeborenen-Screening sieht die alleinige TSH-Bestimmung vor. Hierdurch werden primäre Hypothyreosen zuverlässig erkannt.

Jedoch werden Dysfunktionen, die mit einem supprimierten TSH (neonatale Hyperthyreose) oder einem inadäquat niedrigen TSH (zentrale Hypothyreose) einhergehen, im Standard-Screening nicht erfasst. Die Leitlinie definiert, bei welchen mütterlichen Schilddrüsenerkrankungen eine erweiterte Diagnostik beim Neugeborenen notwendig ist.

Vorgehen nach mütterlicher Erkrankung

Die Notwendigkeit einer erweiterten Diagnostik richtet sich primär nach der Grunderkrankung der Mutter und dem Vorhandensein von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK).

Mütterliche KonstellationDiagnostik beim NeugeborenenEmpfehlungsgrad
Jodid-Einnahme (alleinig)Keine spezifische Diagnostik (nur Standard-Screening)Starker Konsens
Hashimoto-Thyreoiditis (TPO/TAK positiv)Keine spezifische Diagnostik (nur Standard-Screening)Starker Konsens
Latente/manifeste Hypothyreose (ohne Antikörper)Keine spezifische Diagnostik (nur Standard-Screening)Starker Konsens
Z.n. Thyreoidektomie (Struma, Adenom, Karzinom)Keine spezifische Diagnostik (nur Standard-Screening)Starker Konsens
Morbus Basedow (aktuell oder anamnestisch)Erweitertes Screening (fT4, TSH, TRAK)Starker Konsens

Morbus Basedow und TRAK-Positivität

Bei Müttern mit Morbus Basedow können plazentagängige TRAK beim Neugeborenen eine schwere neonatale Hyperthyreose auslösen (Mortalität bis zu 25 %). Dies gilt auch für Mütter, die in der Vergangenheit wegen eines Morbus Basedow thyreoidektomiert oder radiojodtherapiert wurden, sofern noch maternale TRAK persistieren.

Da mütterliche Thyreostatika ebenfalls die Plazenta passieren, kann die Schilddrüsenfunktion des Kindes zunächst supprimiert sein. Die Symptome einer Hyperthyreose manifestieren sich oft erst mit einer Latenz von 8 bis 9 Tagen, wenn die Thyreostatika beim Kind abgebaut sind.

Diagnostisches Stufenschema bei maternalem Morbus Basedow:

  • Tag 1 sowie Tag 3-5: Bestimmung von fT4, TSH und TRAK (unter Verwendung neonataler Referenzbereiche).
  • Tag 10-14 sowie Tag 28: Erneute Kontrolle, falls an den ersten Tagen TRAK beim Neugeborenen nachweisbar waren.

Indikationen für pädiatrisch-endokrinologisches Konsil

In bestimmten, oft komplexen oder seltenen Fällen, reicht ein standardisiertes Labor-Screening nicht aus. Hier sollte frühzeitig ein pädiatrischer Endokrinologe hinzugezogen werden:

Mütterliche Erkrankung / TherapieMaßnahme beim NeugeborenenEmpfehlungsgrad
Einnahme von Thyreostatika (z.B. bei Beta-hCG induzierter Hyperthyreose)Pädiatrischen Endokrinologen zur Beratung hinzuziehenStarker Konsens
"Heiße" Schilddrüsenknoten (mit Überfunktion)Umfassende Diagnostik + Konsil unmittelbar nach GeburtStarker Konsens
Genetisch bedingte HyperthyreoseKonsil unmittelbar nach GeburtStarker Konsens
Genetisch bedingte HypothyreoseKonsil unmittelbar nach GeburtStarker Konsens

💡Praxis-Tipp

Lassen Sie sich bei Neugeborenen von Müttern mit Morbus Basedow nicht von einer anfänglichen Euthyreose täuschen. Wenn die Mutter Thyreostatika eingenommen hat, kann sich die neonatale Hyperthyreose um 8-9 Tage verzögern. Eine späte Kontrolle am 28. Lebenstag ist bei positivem TRAK-Nachweis essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Ja. Die plazentagängigen TPO- und TAK-Antikörper haben kein funktionelles Potenzial, das eine über das reguläre TSH-Screening hinausgehende Diagnostik erfordert.
Das reguläre Screening misst nur den TSH-Wert und erfasst primäre Hypothyreosen. Eine durch TRAK ausgelöste neonatale Hyperthyreose geht jedoch mit einem supprimierten TSH einher und wird im Standard-Screening nicht erkannt.
Es müssen fT4, TSH und TRAK an den Lebenstagen 1 und 3-5 bestimmt werden. Sind TRAK nachweisbar, erfolgen zwingend weitere Kontrollen an den Tagen 10-14 und 28.
Auch nach einer Thyreoidektomie oder Radiojodtherapie können mütterliche TRAK persistieren. Der TRAK-Status der Mutter muss überprüft werden. Sind TRAK nachweisbar, gilt das volle Kontrollschema für das Neugeborene.

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