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Pubertas tarda & Hypogonadismus: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Pubertas tarda liegt vor, wenn bei Mädchen >13,5 Jahre und bei Jungen >14 Jahre keine Pubertätszeichen vorhanden sind.
  • Ein Stillstand der Pubertätsentwicklung von über 18 Monaten ist ebenfalls diagnostisch wegweisend.
  • Die Basisdiagnostik umfasst neben der Hormonbestimmung auch ein Röntgen der linken Hand zur Skelettalterbestimmung.
  • Bei konstitutioneller Entwicklungsverzögerung (KEV) mit Leidensdruck kann eine temporäre Sexualsteroid-Gabe über 3-6 Monate erfolgen.
  • Bei hypogonadotropem Hypogonadismus des Jungen sollte primär eine Gonadotropin-Therapie zur simultanen Induktion von Pubertät und Fertilität erwogen werden.
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Hintergrund

Eine Verzögerung der Pubertätsentwicklung kann Begleitsymptom chronischer Erkrankungen oder führendes Symptom bei Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (Hypogonadismus) sein.

Definition der Pubertas tarda:

  • Mädchen: Keine Pubertätszeichen mit > 13,5 Jahren, Dauer von Stadium B2 bis Menarche > 5,0 Jahre oder Stillstand einer begonnenen Entwicklung > 18 Monate.
  • Jungen: Keine Pubertätszeichen mit > 14 Jahren (Hodenvolumen < 3,5 ml, kein Peniswachstum), Dauer von ersten Zeichen bis Tanner P5/G5 > 5,5 Jahre oder Stillstand > 18 Monate.

Eine isolierte Pubarche (Schambehaarung) ist nur dann ein Zeichen des Pubertätsbeginns, wenn sie von einer Gonadarche gefolgt wird.

Diagnostik

Die Diagnostik dient der Beurteilung der Reifeentwicklung und der Ursachenklärung.

Diagnostik-KategorieMaßnahmen
Basis & NachweisRöntgen linke Hand (Skelettalter), Sonographie (Gonaden/Uterus), MRT Schädel (Hypothalamus/Hypophyse)
Labor & HormoneBB, BSG, Transaminasen, Zöliakie-AK, TSH, fT4, LH, FSH, Östradiol/Testosteron, Prolaktin, Inhibin B, AMH
FunktionstestsGnRH-Agonist-Test (Buserelin 10µg/kg s.c.), hCG-Test
EntbehrlichLaparoskopie

Therapie bei konstitutioneller Entwicklungsverzögerung (KEV)

Bei Verdacht auf KEV und hohem psychischem Leidensdruck kann eine temporäre Therapie erfolgen:

  • Mädchen: 0,3 mg Östradiolvalerat/Tag p.o. über 3-6 Monate.
  • Jungen: 50-100 mg Testosteron-Enantat alle 4 Wochen i.m. (oder transdermal) über 1-6 Monate.
  • Verlauf: Nach der Therapie folgt eine 6-monatige Pause mit anschließender Reevaluation.

Therapieschemata bei Hypogonadismus

Schema 1: Pubertätsinduktion bei Mädchen

PhaseÖstradiolvalerat (mg/d)Chlormadinonacetat (mg/d)Dauer / Bemerkung
10,2-6 Monate
20,5-6. - 12. Monat
31,0 - 1,52 (Tag 1-12)Im 2. Jahr (ab Tanner B3)
42,02 (Tag 1-12)Ab 3. Jahr

Schema 2: Pubertätsinduktion bei Jungen (Testosteron)

Bei hypogonadotropem Hypogonadismus (Start 13.-14. LJ) oder komplettem hypergonadotropem Hypogonadismus (Start 12.-13. LJ):

ZeitraumTestosteron-Enantat (i.m.)Intervall
1.-6. Monat50 mgAlle 4 Wochen
7.-12. Monat100 mgAlle 4 Wochen
2. Jahr150-200 mgAlle 4 Wochen
3. Jahr250 mgAlle 3 Wochen

Hinweis: Bei partiellem/dekompensiertem hypergonadotropem Hypogonadismus (z.B. Klinefelter) Start mit 125-250 mg alle 4 Wochen bei Absinken des Testosterons unter die Altersnorm.

Schema 3: Simultane Induktion (Pubertät, Hodenwachstum, Fertilität)

Für Jungen mit hypogonadotropem Hypogonadismus als erster Therapieschritt:

HormonStartdosisZiel / Steigerung
hCG (LH-Ersatz)500 IE s.c. (Mo & Fr)Ziel: Testosteron ≥1,5 ng/ml nach 6-12 Mon. Steigerung um 250-500 IE alle 6 Mon.
rFSH (FSH-Ersatz)3 x 150 IE/Woche s.c.Start sobald pubertäre Testosteron-Spiegel durch hCG erreicht sind. Ziel: FSH 1-7 U/l.

Monitoring unter Schema 3: 3-monatlich Anthropometrie und Labor (LH, FSH, Testosteron), 6-monatlich Hoden-Sonographie, 12-monatlich Knochenalter. Erste Spermien im Ejakulat sind ca. 5-24 Monate nach rFSH-Start zu erwarten.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Diagnostik darauf, das Skelettalter (Röntgen der linken Hand) zu bestimmen, da das chronologische Alter bei Pubertas tarda oft nicht mit dem biologischen Alter übereinstimmt. Eine Laparoskopie ist laut Leitlinie entbehrlich.

Häufig gestellte Fragen

Bei Mädchen ab 13,5 Jahren und bei Jungen ab 14 Jahren, wenn bis dahin keinerlei Pubertätszeichen aufgetreten sind.
Bei psychischem Leidensdruck kann eine temporäre Therapie über 3-6 Monate erfolgen (Mädchen: Östradiolvalerat p.o., Jungen: Testosteron-Enantat i.m.), gefolgt von 6 Monaten Therapiepause zur Reevaluation.
Eine Laparoskopie ist laut AWMF-Leitlinie entbehrlich.
Einschleichend mit Östradiolvalerat (initial 0,2 mg/d), ab dem 2. Jahr (Tanner B3) zyklisch kombiniert mit einem Gestagen wie Chlormadinonacetat.
Die simultane Induktion von Pubertät, Hodenwachstum und Fertilität bei hypogonadotropem Hypogonadismus.

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