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Diagnostik Wachstumshormonmangel Kinder: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose basiert primär auf klinischen und auxologischen Parametern (z.B. Wachstumsgeschwindigkeit < 25. Perzentile).
  • Vor invasiven Stimulationstests muss ein Screening mittels IGF-1 und/oder IGFBP-3 erfolgen (Werte < -2 SDS sind hinweisend).
  • Eine basale Wachstumshormon-Bestimmung ist obsolet; es werden in der Regel zwei verschiedene Stimulationstests an zwei Tagen gefordert.
  • Der Cut-off für einen normalen Wachstumshormon-Stimulationstest liegt bei > 8 µg/L.
  • Bei präpubertären Jugendlichen (Jungen ≥ 10, Mädchen ≥ 8 Jahre) ist vor dem Test ein Priming mit Sexualsteroiden notwendig.
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Hintergrund

Der Wachstumshormonmangel im Kindes- und Jugendalter hat eine geschätzte Prävalenz von 1:4.000 bis 1:30.000. Die Unterscheidung von häufigen Normvarianten des Wachstums (z.B. konstitutionelle Verzögerung) ist klinisch herausfordernd. Da ein Goldstandard fehlt, zielt die Leitlinie darauf ab, durch klare Einschlusskriterien die Rate falsch-positiver Testresultate zu reduzieren.

Vor der Testung der Wachstumshormonsekretion sollen andere Ursachen der Wachstumsstörung ausgeschlossen werden.

KategorieBeispiele für Differentialdiagnosen
Syndromaler KleinwuchsTurner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom, Noonan-Syndrom
SkelettdysplasienAchondroplasie, Hypochondroplasie
Organische UrsachenKardiale, pulmonale, renale oder gastro-intestinale Erkrankungen
EndokrinologischHypothyreose, Cushing-Syndrom, schlecht eingestellter Diabetes mellitus
IatrogenHochdosierte Glukokortikoid-Therapie, Bestrahlung

Auxologische und klinische Kriterien

Ein Wachstumshormonmangel soll primär durch auxologische und klinische Parameter diagnostiziert werden.

Ein Verdacht besteht, wenn:

  • Die Körperhöhe nach normalem Wachstum unter den Perzentilbereich der elterlichen Zielgröße abfällt.
  • Die Körperhöhe unterhalb des Zielgrößenbereichs liegt und sich weiter davon entfernt.
  • Die Wachstumsgeschwindigkeit (über mind. 6-12 Monate) unterhalb der 25. Perzentile liegt.

Ausnahme Pubertät: Bei Verdacht auf eine konstitutionelle Verzögerung von Wachstum und Pubertät (CDGP) gelten für präpubertäre Mädchen (8-12 Jahre) und Jungen (10-15 Jahre) spezielle Referenzwerte für die Wachstumsgeschwindigkeit.

Radiologische und laborchemische Basisdiagnostik

Skelettalter

Zur Diagnostik soll die Bestimmung des Skelettalters nach Greulich/Pyle oder Tanner/Whitehouse erfolgen. Eine Reifungsverzögerung von > 3/4 Jahr (bei 4-7 Jährigen) bzw. > 1 Jahr (bei > 7 Jährigen) gilt als auffällig.

IGF-1 und IGFBP-3

Vor aufwändigen Stimulationstests soll die Messung von IGF-1 und IGFBP-3 erfolgen.

AltersgruppeBevorzugter ParameterBemerkung
Säuglinge / KleinkinderIGFBP-3Präzisere Messung bei niedrigen Konzentrationen
Ältere Kinder / JugendlicheIGF-1Höhere diagnostische Sensitivität
  • Werte < -2 SDS: Machen eine Störung der Achse wahrscheinlich (nach Ausschluss anderer Ursachen wie Hypothyreose oder Mangelernährung).
  • Werte > -1 SDS: Machen einen Mangel unwahrscheinlich (schließen ihn aber nicht völlig aus).

Wachstumshormon-Stimulationstests

Eine einmalige basale Bestimmung des Wachstumshormons ist aufgrund der pulsatilen Ausschüttung nicht aussagekräftig.

Zur Diagnosesicherung sollen in der Regel zwei verschiedene Stimulationstests an zwei separaten Tagen durchgeführt werden. Ausnahmen (nur ein Test nötig) gelten z.B. bei Aplasie der Adenohypophyse, nach Hypophysenresektion oder bei nachgewiesenem Mangel an zwei anderen hypophysären Hormonen.

Testdurchführung und Priming

  • Test-Substanzen: Arginin, Clonidin, Glukagon oder Insulin. (GHRH wird nicht empfohlen).
  • Bedingungen: Morgens, nüchtern (mind. 6h), ruhend.
  • Priming: Bei präpubertären Jungen (≥ 10 Jahre) und Mädchen (≥ 8 Jahre) soll ein Priming mit Sexualsteroiden durchgeführt werden, da sonst der Cut-off keine Gültigkeit hat.
    • Jungen: 50 mg Testosteron-Enantat i.m. (7 Tage vor Test)
    • Mädchen: 1 mg Estradiolvalerat p.o. täglich (3 Tage vor Test)

Cut-off und Interpretation

Das Testergebnis gilt als normal, wenn die höchste gemessene Wachstumshormon-Konzentration 8 µg/L (8 ng/ml) überschreitet (unter Verwendung des Standards 98/574).

Besonderheiten im Neugeborenen- und Säuglingsalter

In dieser Altersgruppe sind Stimulationstests nicht etabliert und sollen nicht angewandt werden.

  • Klinik: Hypoglykämie-Neigung, Ikterus prolongatus, Mikropenis.
  • Diagnostik: Ein basaler GH-Wert < 7 µg/L in der ersten Lebenswoche (bei Reife >34 SSW) macht einen Mangel sehr wahrscheinlich.
  • Bildgebung: MRT der Hypothalamus-Hypophysen-Region primär heranziehen (Aplasie, Ektopie, Hypophysenstiel-Unterbrechung).

Re-Testung in der Adoleszenz (Transition)

Am Ende des Wachstums muss nach Absetzen der Therapie (Pause von mind. 1-3 Monaten) geprüft werden, ob ein schwerer Wachstumshormonmangel des Erwachsenenalters vorliegt. Ausgenommen sind Patienten mit schwerem Panhypopituitarismus.

Prä-TestwahrscheinlichkeitErforderliche DiagnostikCut-off / Kriterium
Hoch (z.B. Gendefekt, MRT-Fehlbildung)Nur IGF-1 Messung< -2,0 SDS
Niedrig (idiopathisch)IGF-1 + StimulationstestIGF-1 < -2,0 SDS und pathologischer Test

Cut-offs für die Re-Testung:

  • GHRH-Arginin-Test: Normal bei > 16 µg/L
  • Insulin-Hypoglykämie-Test: Normal bei > 5 µg/L

💡Praxis-Tipp

Führen Sie niemals eine einzelne basale Wachstumshormon-Bestimmung zur Diagnosestellung bei älteren Kindern durch. Denken Sie bei präpubertären Jugendlichen (Jungen ≥ 10, Mädchen ≥ 8 Jahre) unbedingt an das Priming mit Sexualsteroiden, um falsch-positive Testergebnisse zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Der Test gilt als normal, wenn die höchste gemessene Wachstumshormon-Konzentration den Cut-off von 8 µg/L (8 ng/ml) überschreitet.
Es sollten IGF-1 und IGFBP-3 bestimmt werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird IGFBP-3 bevorzugt, bei älteren Kindern und Jugendlichen IGF-1.
Nein, in dieser Altersgruppe sind Stimulationstests nicht etabliert. Die Diagnose stützt sich auf klinische Zeichen, basale Wachstumshormon-Werte (< 7 µg/L in der 1. Lebenswoche) und MRT-Befunde.
Bei Jungen (≥ 10 Jahre) erfolgt es durch 50 mg Testosteron-Enantat i.m. sieben Tage vor dem Test. Bei Mädchen (≥ 8 Jahre) durch 1 mg Estradiolvalerat p.o. täglich an den drei Tagen vor dem Test.
Am Ende des Wachstums. Die Wachstumshormontherapie sollte dafür mindestens einen, besser drei Monate pausiert werden. Ausgenommen sind Patienten mit schwerem angeborenem oder erworbenem Panhypopituitarismus.

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