Familienorientierte Reha bei Herzkrankheiten (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die familienorientierte Rehabilitation (FOR) richtet sich an Kinder unter 16 Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene (JEMAH) mit Herzerkrankungen.
- •Seit dem Flexirentengesetz (2017) ist die Kinderrehabilitation eine Pflichtleistung der Kostenträger.
- •Die empfohlene Rehabilitationsdauer beträgt in der Regel 4 bis 6 Wochen.
- •Eine FOR ist indiziert, wenn die Schwere der Erkrankung zu Entwicklungsverzögerungen oder einer Überlastung des Familiensystems führt.
- •Für Jugendliche ab 16 Jahren stehen die berufliche Perspektive und die Behandlung im Kleingruppenkontext im Vordergrund.
Hintergrund
Die familienorientierte Rehabilitation (FOR) und die spezielle Rehabilitation für Jugendliche und junge Erwachsene (JEMAH-Patienten) richtet sich an Patienten mit angeborenen oder erworbenen Herz- und Kreislauferkrankungen. Grundsätzlich kommen alle Patienten in Betracht, die aufgrund der Schwere des Herzfehlers oder durch Komplikationen vor, während oder nach einer Korrektur einen schweren Krankheitsverlauf nehmen.
Indikationen zur Rehabilitation
Die Indikationsstellung unterscheidet sich nach dem Alter der Patienten:
| Altersgruppe | Spezifische Indikationen |
|---|---|
| Kinder < 16 Jahre (FOR) | Protrahierte Rekonvaleszenz, Entwicklungsverzögerungen, Optimierung der Medikation, nach Herz-/Lungentransplantation, Schulungsbedarf, Überlastung des Familiensystems |
| Jugendliche ≥ 16 Jahre & junge Erwachsene | Fehlende berufliche Perspektive, psychisch-emotionale Ursachen (z.B. Ängste, Pubertät), Notwendigkeit einer Peer-Group-Behandlung |
Rahmenbedingungen und Dauer
Seit dem Flexirentengesetz (2017) ist die Rehabilitation von Kindern eine Pflichtleistung (zuvor Kann-Leistung). Ziel ist der Erhalt der Erwerbsfähigkeit bzw. das Erreichen der Schul- und Ausbildungsfähigkeit.
- Rehabilitationsdauer: Prinzipiell 4 bis 6 Wochen (Kinder) bzw. mindestens 4 Wochen (Jugendliche/junge Erwachsene).
- Rehabilitationsfähigkeit: Bei Kindern fast immer gegeben. Bei sehr schwerem Verlauf mit akutem Gefährdungsrisiko (z.B. Infekte) muss der Zeitpunkt sorgfältig geprüft werden. Psychiatrische Diagnosen, die den Reha-Erfolg beeinträchtigen, können eine Kontraindikation darstellen.
Diagnostik in der Rehabilitation
Die Diagnostik in der Rehaklinik ruht auf drei Säulen:
| Bereich | Diagnostische Maßnahmen |
|---|---|
| Medizinisch | Basis: EKG, Echokardiographie, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruck. Bei Bedarf: Belastungs-EKG, Spiroergometrie (obligat ab 15. Lebensjahr für sozialmedizinisches Profil), Labor. |
| Psychologisch | Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen, emotionalen Störungen und familiären Problemen. |
| Sozial | Feststellung von sozialem Beratungsbedarf (z.B. Schwerbehindertenrecht) und Bedarf an komplementären Einrichtungen (Pflegedienste, Berufsbildungswerk). |
Therapieziele
Die Therapieziele umfassen nicht nur den erkrankten Patienten, sondern bei der FOR auch explizit die Eltern und Geschwister.
Für den Patienten:
- Optimierung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Herz-Kreislauftraining.
- Verbesserung der Krankheitsakzeptanz und Compliance.
- Stärkung der Persönlichkeit und Ressourcenorientierung (Resilienz).
- Berufsfindungsprogramme für Jugendliche.
Für Eltern und Geschwister:
- Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und Spannungsreduktion.
- Stärkung der erzieherischen Kompetenz und Klärung intrafamiliärer Beziehungen.
- Abbau von Verhaltensstörungen bei Geschwistern.
- Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Eltern.
💡Praxis-Tipp
Klären Sie vor Rehabilitationsbeginn den Impfschutz (insbesondere RSV und Influenza für die gesamte Familie) und übermitteln Sie aktuelle kardiologische Befunde (EKG, Echo) sowie den Medikationsplan frühzeitig an die Rehaklinik.