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Oberflächen-Elektromyographie (OEMG): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Hautvorbereitung durch Rasur und abrasive Behandlung ist essenziell für eine störungsfreie Signalqualität.
  • Elektroden (Ag/AgCl) sollen in Muskelfaserlängsrichtung auf dem Muskelbauch platziert werden.
  • Die Abtastrate des OEMG-Signals sollte zwischen 2000 und 4000 Hz liegen.
  • Zur Bestimmung der muskulären Beanspruchung wird die Elektrische Aktivität (EA) herangezogen und auf die Maximal-EA normalisiert.
  • Muskuläre Ermüdung wird durch die Kombination aus EA und einem spektralen Kennwert (z.B. Medianfrequenz) bestimmt.
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Hintergrund

Die Oberflächen-Elektromyographie (OEMG) erfasst myoelektrische Erregungsvorgänge der Muskulatur über Hautelektroden. In der Arbeitsmedizin, Arbeitsphysiologie und Ergonomie dient sie der Evaluation von Arbeitsplätzen, indem sie muskuläre Beanspruchung, Belastung und Ermüdung objektiviert. Die OEMG misst Summenaktionspotentiale, die hoch mit der Muskelkraft korrelieren, ist jedoch kein direktes Messverfahren für mechanische Muskelspannung.

Vorbereitung und Elektrodenplatzierung

Eine sorgfältige Vorbereitung minimiert den Hautwiderstand und reduziert Störspannungen. Für die Ableitung werden bipolare Elektroden empfohlen.

MaßnahmeLeitlinien-EmpfehlungBemerkung
HautvorbereitungSoll abrasiv behandelt und rasiert werdenEntfernt Hornschicht und reduziert Hautimpedanz
ElektrodenartSollten Ag/AgCl-Einwegelektroden seinMehrwegelektroden sind ebenfalls möglich
AusrichtungSollte in Muskelfaserlängsrichtung erfolgenErfasst Signale identischer Muskelfasern
AbstandSollte 10 bis 40 mm betragenHäufig sind 25 mm (Zentrum zu Zentrum) optimal
PlatzierungSollen auf dem Muskelbauch platziert werdenNicht direkt über einer motorischen Endplatte
GerätemasseSollte auf myoelektrisch inaktiver Stelle liegenNicht in unmittelbarer Nähe des Herzens

Signalverarbeitung und Filterung

Um Störsignale (z.B. durch Netzfrequenz oder Bewegungsartefakte) zu minimieren und Aliasing-Effekte zu verhindern, sind korrekte Geräteeinstellungen zwingend erforderlich.

ParameterEmpfohlener WertFiltersteilheit
Abtastrate2000 bis 4000 Hz-
Hochpassfilter4 bis 20 HzMindestens 2. Ordnung (12 dB/Oktave)
Tiefpassfilter500 bis 2000 HzMindestens 4. Ordnung (24 dB/Oktave)

Wichtig: Die Abtastrate soll gemäß dem Nyquist-Shannon-Abtasttheorem mindestens der zweifachen Frequenz der am Analog-Digital-Wandler ankommenden Signale entsprechen.

Zielgrößen und Kennwerte

Die Auswertung des OEMG-Signals ermöglicht die Differenzierung verschiedener muskulärer Zustände. Die Elektrische Aktivität (EA) ist dabei der zentrale Kennwert.

ZielgrößeEmpfohlener KennwertNormalisierung / Auswertung
BeanspruchungElektrische Aktivität (EA)Sollte auf die Maximal-EA (bei maximaler willkürlicher Kontraktion) referenziert werden
BelastungElektrische Aktivität (EA)Sollte auf eine definierte Referenz-EA (identische Referenzbelastung) bezogen werden
ErmüdungEA + spektraler KennwertKombination aus EA und z.B. Medianfrequenz (JASA-Methode)
Statische AktivitätUntergrenze der EAAlternativ: Häufigkeiten bis zum 10. Perzentil im Histogramm
Dynamische AktivitätDifferenz (Ober- minus Untergrenze)Spiegelt Bewegungen oder Kraftvariationen wider

💡Praxis-Tipp

Führen Sie nach der Elektrodenplatzierung immer eine Plausibilitätsprüfung durch eine Testkontraktion mit visueller Signalkontrolle durch. So stellen Sie sicher, dass die Elektroden nicht versehentlich direkt über einer motorischen Endplatte liegen (was zu einem sehr kleinen Signal führen würde).

Häufig gestellte Fragen

Der Interelektrodenabstand (Zentrum zu Zentrum) sollte 10 bis 40 mm betragen. In der Praxis haben sich häufig 25 mm bewährt.
Zur Bestimmung der Ermüdung sollte die Elektrische Aktivität (EA) in Kombination mit einem spektralen Kennwert, wie der Medianfrequenz, verwendet werden.
Die Abtastrate sollte zwischen 2000/s und 4000/s liegen, um das Nyquist-Shannon-Abtasttheorem zu erfüllen.
Die über einen längeren Zeitraum stabile Untergrenze der Elektrischen Aktivität (EA) gilt als statischer Anteil. Die Differenz zur Obergrenze entspricht dem dynamischen Anteil. Alternativ gelten alle Beanspruchungshäufigkeiten bis zum 10. Perzentil als statisch.

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