Offshore-Eignungsuntersuchung: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Eignungsuntersuchung für Offshore-Tätigkeiten ist vor Arbeitsaufnahme und danach regulär alle 2 Jahre verpflichtend.
- •Die Diagnostik umfasst zwingend Ruhe- und Belastungs-EKG, Lungenfunktion, Sehtest sowie Blut- und Urinanalysen.
- •Ein BMI über 35 kg/m² gilt als absolutes Ausschlusskriterium für die Offshore-Tauglichkeit.
- •Träger von Herzschrittmachern oder ICDs sind aufgrund elektromagnetischer Felder in der Regel nicht geeignet.
- •Schwangere sollten generell nicht offshore arbeiten; ab der 24. Schwangerschaftswoche besteht ein absolutes Verbot.
Hintergrund
Die Arbeit auf Offshore-Windenergieanlagen (OWP) ist durch extreme Bedingungen gekennzeichnet: erhebliche körperliche Anstrengung, Tätigkeiten in großen Höhen, widrige Wetterverhältnisse, Schichtdienst und die weite Entfernung zur medizinischen Versorgung. Die arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung stellt sicher, dass Beschäftigte körperlich und mental belastbar sind, an Überlebenstrainings teilnehmen können und im Notfall eine Evakuierung nicht gefährden.
Die ärztliche Untersuchung
Die Eignungsuntersuchung muss vor Aufnahme der Tätigkeit und regulär alle 2 Jahre durch qualifizierte Arbeits- oder Betriebsmediziner erfolgen. Sie umfasst:
| Untersuchungsart | Zwingende Bestandteile |
|---|---|
| Klinik | Komplette körperliche Untersuchung, Zahnstatus |
| Labor | Urin (Glukose, Protein, Ery/Leuko), Blut (Blutbild, GPT, Gamma-GT, Kreatinin, Blutzucker, Cholesterin, BSG/CRP) |
| Apparativ | Ruhe-EKG, Belastungs-EKG (Männer mind. 2,1 W/kg, Frauen 1,7 W/kg), Lungenfunktion, Sehtest |
| Zusätzlich | Hörtest (zwingend bei Erstuntersuchung) |
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfordern eine strenge Risikobewertung, da Notfälle offshore kaum beherrschbar sind.
| Erkrankung | Eignung / Voraussetzung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Arterielle Hypertonie | Geeignet bei RR ≤140/90 mmHg | Nach hypertensiver Krise 3 Monate Sperre |
| Z.n. Myokardinfarkt | Geeignet frühestens nach 4 Monaten | Beschwerdefreiheit, unauffällige Ergometrie |
| Herzschrittmacher / ICD | Nicht geeignet | Gefahr durch elektromagnetische Felder |
| Orale Antikoagulation | Einzelfallentscheidung | Erhöhtes Blutungsrisiko bei Traumata beachten |
Stoffwechsel und Körpergewicht
- Diabetes mellitus: Gut eingestellter, nicht insulinpflichtiger Diabetes ist tolerabel. Insulinpflichtige Patienten sind in der Regel nicht geeignet (Ausnahme: gut eingestellte Insulinpumpe ohne Hypoglykämie-Neigung).
- Übergewicht:
| BMI-Wert | Bewertung der Offshore-Eignung |
|---|---|
| < 30 kg/m² | In der Regel geeignet |
| 30 - 35 kg/m² | Individuelle Beurteilung, ggf. verkürzte Nachuntersuchungsfrist |
| > 35 kg/m² | Nicht geeignet (absolutes Ausschlusskriterium) |
Neurologie, Psyche und Sinnesorgane
- Neurologie: Epilepsie, TIA oder Schlaganfall in den letzten 6 Monaten führen zur Nichteignung. Multiple Sklerose ist nur bei milden Verläufen tolerabel.
- Psyche: Unbehandelte psychiatrische Erkrankungen sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit sind Ausschlusskriterien. Nach Alkoholabhängigkeit ist eine einjährige Abstinenz nachzuweisen.
- Sehvermögen: Visus beidäugig mind. 0,7 (mit/ohne Korrektur), unkorrigiert mind. 0,1. Räumliches Sehen und intaktes Gesichtsfeld sind Pflicht.
Besondere Personengruppen
| Gruppe | Besondere Anforderungen |
|---|---|
| Catering Crew | Erweiterte Infektionsdiagnostik (Stuhlproben auf enteropathogene Erreger). |
| Notfall-Teams (NRT) | Höhere Fitnessanforderungen (Feuerwehr-Standard), FEV1 und FVC mind. 80%, keine Einäugigkeit. |
| Schwangere | Generell abgeraten. Absolutes Beschäftigungsverbot ab der 24. Schwangerschaftswoche. |
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Medikamentenanamnese besonders auf neue orale Antikoagulanzien (NOAK) und Psychopharmaka. Ein BMI über 35 kg/m² oder ein Herzschrittmacher sind absolute Ausschlusskriterien für den regulären Offshore-Einsatz.