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Offshore-Eignungsuntersuchung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Eignungsuntersuchung für Offshore-Tätigkeiten ist vor Arbeitsaufnahme und danach regulär alle 2 Jahre verpflichtend.
  • Die Diagnostik umfasst zwingend Ruhe- und Belastungs-EKG, Lungenfunktion, Sehtest sowie Blut- und Urinanalysen.
  • Ein BMI über 35 kg/m² gilt als absolutes Ausschlusskriterium für die Offshore-Tauglichkeit.
  • Träger von Herzschrittmachern oder ICDs sind aufgrund elektromagnetischer Felder in der Regel nicht geeignet.
  • Schwangere sollten generell nicht offshore arbeiten; ab der 24. Schwangerschaftswoche besteht ein absolutes Verbot.
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Hintergrund

Die Arbeit auf Offshore-Windenergieanlagen (OWP) ist durch extreme Bedingungen gekennzeichnet: erhebliche körperliche Anstrengung, Tätigkeiten in großen Höhen, widrige Wetterverhältnisse, Schichtdienst und die weite Entfernung zur medizinischen Versorgung. Die arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung stellt sicher, dass Beschäftigte körperlich und mental belastbar sind, an Überlebenstrainings teilnehmen können und im Notfall eine Evakuierung nicht gefährden.

Die ärztliche Untersuchung

Die Eignungsuntersuchung muss vor Aufnahme der Tätigkeit und regulär alle 2 Jahre durch qualifizierte Arbeits- oder Betriebsmediziner erfolgen. Sie umfasst:

UntersuchungsartZwingende Bestandteile
KlinikKomplette körperliche Untersuchung, Zahnstatus
LaborUrin (Glukose, Protein, Ery/Leuko), Blut (Blutbild, GPT, Gamma-GT, Kreatinin, Blutzucker, Cholesterin, BSG/CRP)
ApparativRuhe-EKG, Belastungs-EKG (Männer mind. 2,1 W/kg, Frauen 1,7 W/kg), Lungenfunktion, Sehtest
ZusätzlichHörtest (zwingend bei Erstuntersuchung)

Kardiovaskuläre Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfordern eine strenge Risikobewertung, da Notfälle offshore kaum beherrschbar sind.

ErkrankungEignung / VoraussetzungBemerkung
Arterielle HypertonieGeeignet bei RR ≤140/90 mmHgNach hypertensiver Krise 3 Monate Sperre
Z.n. MyokardinfarktGeeignet frühestens nach 4 MonatenBeschwerdefreiheit, unauffällige Ergometrie
Herzschrittmacher / ICDNicht geeignetGefahr durch elektromagnetische Felder
Orale AntikoagulationEinzelfallentscheidungErhöhtes Blutungsrisiko bei Traumata beachten

Stoffwechsel und Körpergewicht

  • Diabetes mellitus: Gut eingestellter, nicht insulinpflichtiger Diabetes ist tolerabel. Insulinpflichtige Patienten sind in der Regel nicht geeignet (Ausnahme: gut eingestellte Insulinpumpe ohne Hypoglykämie-Neigung).
  • Übergewicht:
BMI-WertBewertung der Offshore-Eignung
< 30 kg/m²In der Regel geeignet
30 - 35 kg/m²Individuelle Beurteilung, ggf. verkürzte Nachuntersuchungsfrist
> 35 kg/m²Nicht geeignet (absolutes Ausschlusskriterium)

Neurologie, Psyche und Sinnesorgane

  • Neurologie: Epilepsie, TIA oder Schlaganfall in den letzten 6 Monaten führen zur Nichteignung. Multiple Sklerose ist nur bei milden Verläufen tolerabel.
  • Psyche: Unbehandelte psychiatrische Erkrankungen sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit sind Ausschlusskriterien. Nach Alkoholabhängigkeit ist eine einjährige Abstinenz nachzuweisen.
  • Sehvermögen: Visus beidäugig mind. 0,7 (mit/ohne Korrektur), unkorrigiert mind. 0,1. Räumliches Sehen und intaktes Gesichtsfeld sind Pflicht.

Besondere Personengruppen

GruppeBesondere Anforderungen
Catering CrewErweiterte Infektionsdiagnostik (Stuhlproben auf enteropathogene Erreger).
Notfall-Teams (NRT)Höhere Fitnessanforderungen (Feuerwehr-Standard), FEV1 und FVC mind. 80%, keine Einäugigkeit.
SchwangereGenerell abgeraten. Absolutes Beschäftigungsverbot ab der 24. Schwangerschaftswoche.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Medikamentenanamnese besonders auf neue orale Antikoagulanzien (NOAK) und Psychopharmaka. Ein BMI über 35 kg/m² oder ein Herzschrittmacher sind absolute Ausschlusskriterien für den regulären Offshore-Einsatz.

Häufig gestellte Fragen

Die Untersuchung ist vor der ersten Tätigkeitsaufnahme und danach regulär alle 2 Jahre durchzuführen.
Ein gut eingestellter, nicht insulinpflichtiger Diabetes ist tolerabel. Insulinpflichtige Patienten sind in der Regel nicht geeignet.
Nicht zwingend. Frühestens 4 Monate nach dem Infarkt kann bei Beschwerdefreiheit und unauffälliger Ergometrie eine Eignung bescheinigt werden.
Ab einem BMI von 30 kg/m² ist eine individuelle Risikobewertung nötig. Ein BMI über 35 kg/m² schließt eine Offshore-Tätigkeit generell aus.
Davon wird aufgrund der fehlenden notfallmedizinischen Versorgung abgeraten. Ab der 24. Schwangerschaftswoche besteht ein absolutes Verbot.

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