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Strukturqualität Nierenersatztherapie (NET): S1-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Intermittierende und kontinuierliche NET erfordern eine 24/7-Rufbereitschaft (ärztlich und pflegerisch) mit 30 Minuten Reaktionszeit.
  • Für die Online-Hämodiafiltration gelten strenge Reinstwasser-Grenzwerte (Keimzahl <0,1 KBE/ml, Endotoxin <0,03 IU/ml).
  • Intensivmedizinische Fachgesellschaften (DIVI, DGAI, DGIIN) widersprechen starren Dosisvorgaben und dem alleinigen Indikationsrecht durch Nephrologen auf der ITS.
  • Bei Peritonealdialyse (PD) im Krankenhaus müssen Materialien für beide in Deutschland gängigen Systeme vorgehalten werden.
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Hintergrund

Die Nierenersatztherapie (NET) im Krankenhaus umfasst intermittierende, kontinuierliche und peritoneale Verfahren. Die Leitlinie definiert strukturelle, technische und personelle Mindeststandards. Wichtig: Es gibt einen dokumentierten Konsens-Konflikt: Während die nephrologischen Gesellschaften (DGfN, VLKN, DN) die Indikationsstellung und Überwachung primär bei Nephrologen sehen, betonen intensivmedizinische Gesellschaften (DIVI, DGAI, DGIIN), dass Organersatzverfahren Kerngebiet der Intensivmedizin sind und lehnen starre Dosisvorgaben für kritisch Kranke ab.

Intermittierende Nierenersatztherapie (iHD, iHF, iHDF)

Diese Verfahren sind auf eine Behandlungszeit von maximal 6 Stunden angelegt. Verlängerte Verfahren (PIRRT, SLED) dauern >6 Stunden, aber <24 Stunden.

VerfahrenEliminationsprinzipBlutflussrateDialysatflussrate
iHDDiffusion (>95%)≥ 250 ml/min≥ Blutflussrate
iHFKonvektion (ausschließlich)≥ 250 ml/minKein Dialysat
iHDFDiffusion + Konvektion≥ 250 ml/min≥ Blutflussrate
PIRRT / SLEDHybrid (verlängert)≥ 200 ml/min≥ 100 ml/min

Anforderungen an Reinstwasser und Dialysierflüssigkeit: Die Wasseraufbereitung muss strenge Kriterien erfüllen (Umkehrosmose, Ringleitung max. 250 m, keine Zwischentanks).

WasserqualitätMax. KeimzahlMax. Endotoxingehalt
Standard-Reinwasser100 KBE/ml0,25 IU/ml
Online-HDF / Online-HF0,1 KBE/ml0,03 IU/ml

Kontinuierliche Nierenersatztherapie (CRRT)

CRRT-Verfahren (CVVHD, CVVHF, CVVHDF, SCUF) sind auf mindestens 24 Stunden angelegt.

  • Blutfluss: In der Regel 100–150 ml/min (Geräte müssen 50–300 ml/min stufenlos ermöglichen).
  • Dialysatfluss (CVVHD/CVVHDF): Üblicherweise 20–35 ml/min.
  • Filtrationsrate (CVVHF/CVVHDF): Angestrebt werden 25 ml/kg/h.

Räumlich darf die CRRT nur auf Stationen mit kontinuierlichem hämodynamischem Monitoring durchgeführt werden. Es müssen mindestens zwei zugelassene Geräte vorgehalten werden.

Peritonealdialyse (PD) im Krankenhaus

Da in Deutschland zwei nicht kompatible PD-Systeme (Baxter und Fresenius) existieren, müssen Krankenhäuser, die PD-Patienten behandeln, Materialien für beide Systeme vorhalten.

  • Mindestens 3 unterschiedliche Glukose-Konzentrationen vorrätig.
  • Mindestens 2 steril verpackte PD-Katheter vorrätig.
  • IT-Struktur zum Auslesen/Programmieren der Chipkarten für mindestens ein System.

Personelle und organisatorische Anforderungen

Für alle extrakorporalen Verfahren (intermittierend und kontinuierlich) gilt:

  • 24/7-Rufbereitschaft (ärztlich und pflegerisch) mit einer Einsatzbereitschaft innerhalb von 30 Minuten.
  • Nachweis ausreichender Erfahrung mit Antikoagulation (Heparin, Citrat).
BerufsgruppeQualifikationsanforderung (laut DGfN)
Ärzte (CRRT-Verantwortung)Nephrologe ODER Intensivmediziner mit >500 CRRT-Fällen & >100 Katheteranlagen
Ärzte (CRRT-Überwachung)>150 iHD-Verfahren ODER >50 CRRT-Behandlungstage
Pflege (iHD/CRRT)>100 Behandlungen/Jahr mit dem jeweiligen Verfahren
Ärzte (PD-Verordnung)>10 PD-Patienten/Jahr UND >20 PD-Verordnungen/Jahr

(Hinweis: DIVI, DGAI und DGIIN widersprechen diesen starren Fallzahl-Vorgaben für die Intensivmedizin).

💡Praxis-Tipp

Stellen Sie bei der Aufnahme von Peritonealdialyse-Patienten sofort sicher, welches der beiden inkompatiblen Systeme (Baxter oder Fresenius) der Patient nutzt, um rechtzeitig die passenden Überleitungsstücke und Cycler-Kartenlesegeräte bereitzustellen.

Häufig gestellte Fragen

Es ist ultrareines Wasser mit einer maximalen Keimzahl von 0,1 KBE/ml und einem Endotoxingehalt < 0,03 IU/ml erforderlich.
Es muss eine 24/7-Rufbereitschaft (ärztlich und pflegerisch) mit einer Einsatzbereitschaft innerhalb von 30 Minuten vorgehalten werden.
Laut DGfN ja, sofern sie >500 Behandlungsfälle, >100 zentralvenöse Katheteranlagen und Erfahrung mit Citrat-Antikoagulation nachweisen können. Die DIVI lehnt diese starren Fallzahlen jedoch ab.
Es wird eine Filtrations- bzw. Substitutionsrate von 25 ml/kg/h angestrebt.
Da es zwei inkompatible Systeme gibt, müssen Materialien für beide Systeme, Lösungen in 3 Glukose-Konzentrationen sowie mindestens 2 sterile PD-Katheter vorrätig sein.

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