ClariMedClariMed

Epidurale Injektionen: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Es werden drei Zugangswege unterschieden: transforaminal (PRT), interlaminär und kaudal.
  • Goldstandard für transforaminale und interlaminäre Injektionen ist die Durchleuchtung.
  • Für transforaminale Injektionen an der HWS darf ausschließlich nicht-kristallines Kortison (z. B. Dexamethason) verwendet werden.
  • Die Anwendung von Kortison im Epiduralraum erfolgt grundsätzlich im Off-Label-Use.
  • Wiederholungen sind nur bei vorherigem Ansprechen (VAS-Reduktion ≥ 2) im Abstand von 1-3 Wochen indiziert.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Epidurale Injektionen gehören zu den am häufigsten durchgeführten Interventionen bei Bandscheibenvorfällen und Lumboischialgien. Die S3-Leitlinie der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft bewertet den Nutzen, die Indikationen und die technische Durchführung. Ziel der Interventionen ist es, entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente an die intradural liegenden Nervenwurzeln zu bringen, welche für radikuläre Schmerzen ursächlich sind.

Definitionen und Zugangswege

Es werden drei Zugangswege zum Epiduralraum unterschieden. Unter dem Begriff periradikuläre Therapie (PRT) versteht man spezifisch eine bildgeführte transforaminale Injektion in den Epiduralraum an eine definierte Nervenwurzel.

ZugangswegZielregionBemerkung
Transforaminal (PRT)Präganglionärer, ventraler EpiduralraumSpezifisch für einzelne Nervenwurzel; diagnostisch und therapeutisch nutzbar.
InterlaminärVentraler EpiduralraumMedikament muss sich im Spinalkanal nach ventral verteilen. Parasagittaler Zugang empfohlen.
KaudalEpiduralraum via Hiatus sacralisMedikamente müssen sich über größere Distanz im Spinalkanal ausbreiten.

Indikationen und Nutzenbewertung

Die Indikationsstellung hängt vom Zugangsweg und der betroffenen Wirbelsäulenregion ab. Interlaminäre Injektionen sollten nicht bei Rückenschmerzen ohne morphologisches Korrelat bzw. ohne radikuläre Komponente durchgeführt werden.

Region / IndikationTransforaminalInterlaminärKaudal
HWS (radikulär)Kann erwogen werdenKann erwogen werdenNicht anwendbar
LWS (radikulär, Bandscheibenvorfall)Sollte angeboten werdenKann erwogen werdenKann erwogen werden
Diagnostische BlockadeKann zur Identifikation der Wurzel genutzt werden (0,2-0,3 ml Lokalanästhetikum)Nicht möglichNicht möglich

Bei radikulären Beschwerden ausgehend von der LWS kann ein transforaminaler Zugang vor einem interlaminären Zugang bevorzugt verwendet werden.

Voraussetzungen und Durchführung

Epidurale Injektionen können bei akuten, subakuten und chronischen Schmerzen durchgeführt werden. Bei chronischen Schmerzen sollte vor einer epiduralen Injektion eine medikamentöse Therapie sowie Physiotherapie erfolgt sein. Die Therapie sollte in ein interdisziplinäres Gesamtkonzept (biopsychosoziales Modell) eingebettet werden.

Bildgebung:

  • Goldstandard für transforaminale und interlaminäre Injektionen ist die Durchleuchtung.
  • CT oder Ultraschall können alternativ verwendet werden. Bei CT-Nutzung kann eine CT-Fluoroskopie mit Verzicht auf einen Planungs-Scan erfolgen.
  • Interlaminäre Injektionen an der LWS und kaudale Injektionen sollten mit einem bildgebenden Verfahren durchgeführt werden.

Technische Aspekte:

  • Zervikal interlaminär: In der Etage HW7/BW1 bzw. nicht kranial von HW6/7 durchführen.
  • Lumbal transforaminal: Neben dem klassischen subpedikulären (supraneuralen) Zugang soll auch der infraneurale Zugang berücksichtigt werden.
  • Tiefenkontrolle: Zur Erkennung der Nadeltiefe bei interlaminärem Zugang unter Durchleuchtung sollte ein contralateral oblique view herangezogen werden.

Medikamente

Die Anwendung von Kortison im Epiduralraum ist ein Off-Label-Use, da zum Zeitpunkt der Leitlinienerstellung keine Präparate dafür zugelassen sind.

Medikament / AspektEmpfehlung / Bemerkung
Kortison (HWS transforaminal)Ausschließlich nicht-kristallines Kortison (z. B. Dexamethason) verwenden.
Kortison (LWS transforaminal)Nicht-kristallines Kortison sollte die erste Wahl sein.
KonservierungsstoffeKortisonpräparate ohne Konservierungsstoffe (z. B. Benzylalkohol) bevorzugen.
Ropivacain + DexamethasonSoll nicht gemischt werden (Kristallbildung führt bei intraarterieller Injektion zu Embolien).

Komplikationen und Sicherheit

Komplikationen nach epiduralen Interventionen sind insgesamt sehr selten, es sind aber sehr schwere Komplikationen beschrieben.

  • Vor der Injektion soll die vorhandene Bildgebung (insbesondere MRT) bezüglich anatomischer Besonderheiten (z. B. Verlauf der Arteria vertebralis) ausgewertet werden.
  • Bei interlaminären Injektionen besteht ein nicht zu vernachlässigendes Risiko eines epiduralen Hämatoms.
  • Eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung bezüglich Fortführen oder Absetzen von Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmern ist zwingend erforderlich.
  • Nach der Intervention soll der Patient neurologisch untersucht und überwacht werden, um frühe Komplikationen zu erkennen.
  • Eine Rückmeldung des Patienten innerhalb der ersten 14 Tage sollte erfolgen, um späte Komplikationen zu erfassen.

Wiederholung und Versorgungsaspekte

Serien von Injektionen ohne Beurteilung der Wirkung zwischen den Injektionen sollten nicht durchgeführt werden.

AspektEmpfehlung
WiederholungNur bei zuvor positivem Ansprechen (z. B. Reduktion der VAS um mind. 2 Punkte) mit nicht ausreichender Wirkung oder wiederkehrenden Beschwerden.
AbstandMindestens 1-3 Wochen zur vorherigen Injektion.
AbbruchKeine Wiederholung, wenn die vorherige Injektion keine Wirkung gezeigt hat.
MaximaldosisLimitierung auf 200 mg Methylprednisolon-Äquivalent pro Jahr.
SettingAmbulant oder stationär möglich.

💡Praxis-Tipp

Mischen Sie niemals Ropivacain mit Dexamethason für epidurale Injektionen, da die entstehenden Kristalle bei versehentlicher intraarterieller Injektion zu Embolien führen können. Verwenden Sie an der HWS zwingend nicht-kristallines Kortison.

Häufig gestellte Fragen

Unter einer periradikulären Therapie (PRT) versteht man eine bildgeführte transforaminale Injektion in den Epiduralraum an eine definierte Nervenwurzel.
Für transforaminale Injektionen an der Halswirbelsäule darf ausschließlich nicht-kristallines Kortison (z. B. Dexamethason) verwendet werden.
Eine Wiederholung sollte nur bei zuvor positivem Ansprechen (Schmerzreduktion um mind. 2 Punkte auf der VAS) und im Abstand von mindestens 1 bis 3 Wochen erfolgen.
Bei chronischen Schmerzen sollte vor einer epiduralen Injektion eine medikamentöse Therapie sowie Physiotherapie erfolgt sein. Bei akuten Schmerzen ist eine individuelle Entscheidung möglich.
Nein, zum Zeitpunkt der Leitlinienveröffentlichung sind Kortisonpräparate nicht für eine epidurale Anwendung zugelassen. Die Anwendung erfolgt off-label.

Verwandte Leitlinien