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Adipositas bei Kindern: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik erfolgt über alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentile (nach Kromeyer-Hauschild).
  • Übergewicht beginnt ab der 90. Perzentile, Adipositas ab der 97. Perzentile.
  • Die Therapie der Wahl ist ein multimodales Programm (Ernährung, Bewegung, Verhalten).
  • Die Einbeziehung der Familie ist essenziell für den langfristigen Therapieerfolg.
  • Starre Diätpläne oder extremes Fasten werden wegen medizinischer Risiken nicht empfohlen.
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Hintergrund

Übermäßiges Körpergewicht ist die häufigste ernährungsabhängige Gesundheitsstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Prävalenz hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, was zu psychosozialen Beeinträchtigungen und erhöhter Komorbidität führt.

Diagnostik und Definition

Zur Abschätzung des Körperfettanteils wird der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Da sich die Körperzusammensetzung im Wachstum ändert, müssen alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentile (nach Kromeyer-Hauschild) verwendet werden.

KlassifikationBMI-Perzentile
Übergewicht> 90. bis 97. Perzentile
Adipositas> 97. bis 99,5. Perzentile
Extreme Adipositas> 99,5. Perzentile

Zur Beurteilung von extrem adipösen Kindern kann der BMI-SDS (Standard Deviation Score) berechnet werden, um Verläufe besser abzubilden.

Therapiegrundsätze

Grundlage jeder Adipositastherapie sollte ein multimodales Programm sein. Isolierte Maßnahmen führen nicht zu einem langfristigen Erfolg.

  • Kombinierte Therapie: Integration von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie (Empfehlungsgrad B, starker Konsens).
  • Familieneinbezug: Die Familie muss motivierend und unterstützend mitwirken, besonders im Kindesalter (Empfehlungsgrad B).
  • Interdisziplinäres Setting: Die Intervention sollte durch geschultes Personal erfolgen.

Ernährungstherapie

Eine alleinige Ernährungstherapie hat nur geringe Langzeiteffekte und muss kombiniert werden. Ziel ist eine langfristige Umstellung der Lebensmittelauswahl.

  • Ampelsystem / Nutri-Score: Hilfreich zur Strukturierung der Lebensmittelauswahl (grün = reichlich, gelb = mäßig, rot = sparsam).
  • Getränke: Reduktion zuckerhaltiger Getränke zugunsten von Wasser.
  • Energiedichte: Reduktion der Energiedichte durch hohen Anteil an Gemüse und Obst.
MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Multimodale TherapieSollte durchgeführt werdenKombination aus Ernährung, Bewegung, Verhalten
FamilieneinbezugSollte erfolgenFördert Langzeitcompliance
Starre Diätpläne / HeilfastenSollten nicht angewandt werdenMedizinische Risiken, kein Langzeiterfolg
Formuladiäten (800-1200 kcal)Kann erwogen werdenNur für spezielle Indikationen unter intensiver medizinischer Betreuung (max. 14 Tage)

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung bei Kindern immer alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentilen-Rechner, da absolute BMI-Werte in dieser Altersgruppe nicht aussagekräftig sind.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern gibt es keine festen BMI-Grenzwerte. Adipositas wird definiert als ein BMI über der 97. alters- und geschlechtsspezifischen Perzentile.
Nein. Starre Diätpläne oder totales Fasten sollten wegen potenzieller medizinischer Risiken und fehlendem Langzeiterfolg nicht angewandt werden.
Als kombiniertes, interdisziplinäres Programm, das Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie umfasst und die Familie aktiv einbezieht.
Der Standard Deviation Score (SDS) gibt an, wie stark der BMI vom Median abweicht. Er wird besonders zur Verlaufsbeobachtung bei extremer Adipositas (> 99,5. Perzentile) genutzt.

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