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Vulvakarzinom und Vorstufen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inzidenz des Vulvakarzinoms und seiner Vorstufen (VIN) steigt, waehrend das Erkrankungsalter sinkt.
  • Die Vorstufen werden in die haeufige, HPV-assoziierte uVIN und die seltenere, HPV-unabhaengige dVIN unterteilt.
  • Eine HPV-Impfung wird zur Primaerpraevention von VIN und HPV-bedingten Vulvakarzinomen empfohlen.
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Hintergrund

Das Vulvakarzinom ist das vierthaeufigste weibliche Genitalkarzinom. Die Inzidenz hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen und liegt aktuell bei etwa 5,8/100.000 Frauen/Jahr. Gleichzeitig hat das mittlere Erkrankungsalter deutlich abgenommen, auch wenn die groesste Krankheitslast weiterhin bei Patientinnen ueber 70 Jahren liegt (mittleres Alter: 72 Jahre). Die relative 5-Jahres-Ueberlebenswahrscheinlichkeit ueber alle Stadien betraegt in Deutschland 71 %.

Vulvaere intraepitheliale Neoplasie (VIN)

Die Inzidenz der Vorstufen (VIN) steigt ebenfalls, wobei das mittlere Erkrankungsalter sinkt. Unbehandelt koennen diese Laesionen in ein invasives Karzinom uebergehen. Man unterscheidet zwei Haupttypen:

MerkmalUndifferenzierte VIN (uVIN)Differenzierte VIN (dVIN)
Haeufigkeitca. 90 %2-10 %
AlterMeist junge, praemenopausale FrauenMeist postmenopausale Frauen (Median 65 Jahre)
HPV-AssoziationHoch (bis zu 90 %, v. a. High-Risk-HPV)Keine
Assoziierte ErkrankungKeine spezifischeHaeufig Lichen sclerosus
FolgekarzinomNicht-verhornendes PlattenepithelkarzinomVerhornendes Plattenepithelkarzinom

Invasives Vulvakarzinom

Beim invasiven Plattenepithelkarzinom der Vulva werden aetiologisch zwei Typen unterschieden:

KarzinomtypEigenschaften und Risikofaktoren
Verhornendes PlattenepithelkarzinomHaeufigster Typ (65-80 %). Tritt vor allem bei aelteren Frauen auf. HPV-unabhaengig. Wichtiger Risikofaktor: chronisch entzuendliche Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus (4-5 % lebenslanges Entartungsrisiko).
Nicht-verhornendes PlattenepithelkarzinomTritt meist bei juengeren Frauen auf (Median 55 Jahre). HPV-abhaengig (v. a. HPV 16, 31, 33). Weitere Risikofaktoren: Rauchen, Immunsuppression (z. B. HIV, nach Organtransplantation).

Praevention und Frueherkennung

Eine primaere Praevention der HPV-assoziierten Vulvakarzinome und deren Vorstufen ist durch die Vermeidung einer genitalen HPV-Infektion moeglich.

  • Empfehlung zur Impfung: Eine HPV-Impfung sollte auch unter dem Aspekt der Vermeidung von VIN-Laesionen bzw. Vulvakarzinomen empfohlen werden.
  • Zielgruppe: Gemaess STIKO wird die Impfung fuer Maedchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen (Nachholimpfung bis zum 17. Lebensjahr).
  • Wirksamkeit: Die Impfung schuetzt vor den onkologisch relevanten Typen (v. a. 16 und 18). Sie hat jedoch keinen therapeutischen Effekt auf bereits bestehende Infektionen oder VIN-Laesionen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei aelteren Patientinnen mit chronischem Lichen sclerosus auf die Entwicklung einer differenzierten VIN (dVIN) oder eines verhornenden Plattenepithelkarzinoms. Empfehlen Sie jungen Maedchen rechtzeitig die HPV-Impfung zur Primaerpraevention.

Häufig gestellte Fragen

Die uVIN ist meist HPV-assoziiert und betrifft juengere Frauen, waehrend die dVIN HPV-unabhaengig ist, oft mit Lichen sclerosus einhergeht und aeltere Frauen betrifft.
Etwa 40 % der Vulvakarzinome (meist nicht-verhornende Plattenepithelkarzinome) sind HPV-abhaengig, vor allem durch die High-Risk-Typen 16, 31 und 33.
Ja, die Impfung schuetzt vor Infektionen mit onkologisch relevanten HPV-Typen und wird zur Vermeidung von VIN-Laesionen und HPV-assoziierten Vulvakarzinomen empfohlen.
Das lebenslange Risiko fuer die Entstehung eines Vulvakarzinoms bei Vorliegen eines Lichen sclerosus liegt bei 4 bis 5 %.

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