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Vulvakarzinom und Vorstufen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inzidenz von Vulvakarzinomen und vulvären intraepithelialen Neoplasien (VIN) steigt, während das Erkrankungsalter sinkt.
  • Die uVIN (90 %) ist HPV-assoziiert und betrifft jüngere Frauen, die dVIN (2-10 %) ist oft mit Lichen sclerosus assoziiert.
  • Das verhornende Plattenepithelkarzinom ist der häufigste Typ und entsteht meist HPV-unabhängig.
  • Eine HPV-Impfung sollte zur Primärprävention von VIN und Vulvakarzinomen empfohlen werden.
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Hintergrund

Die Inzidenz des invasiven Vulvakarzinoms und seiner Vorstufen, der vulvären intraepithelialen Neoplasien (VIN), hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Gleichzeitig hat das mittlere Erkrankungsalter deutlich abgenommen. Das Vulvakarzinom ist das vierthäufigste weibliche Genitalkarzinom mit einer Inzidenz von ca. 5,8/100.000 Frauen pro Jahr. Die relative 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit über alle Stadien beträgt 71 %.

Klassifikation der Vorstufen (VIN)

Die vulvären intraepithelialen Neoplasien werden in zwei Hauptgruppen unterteilt:

MerkmalUndifferenzierte VIN (uVIN)Differenzierte VIN (dVIN)
Häufigkeitca. 90 %2-10 %
AltersgruppeMeist junge, prämenopausale FrauenMeist postmenopausale Frauen (mittleres Alter 65 Jahre)
HPV-AssoziationHoch (bis zu 90 % high-risk HPV)Keine Assoziation
Assoziierte ErkrankungenImmunsuppression, RauchenLichen sclerosus
FolgekarzinomNicht-verhornendes PlattenepithelkarzinomVerhornendes Plattenepithelkarzinom

Prognose der VIN:

  • Ohne Therapie kann eine VIN persistieren, sich zurückbilden (besonders bei Frauen unter 35 Jahren) oder in ein invasives Karzinom übergehen (ca. 10 % der Fälle).
  • Nach Therapie erleiden ca. 6 % der Patientinnen eine Progression in ein invasives Karzinom. Das Risiko ist bei postmenopausalen Frauen 3,2-mal höher als bei prämenopausalen.

Invasives Vulvakarzinom und Risikofaktoren

Das mittlere Erkrankungsalter für das invasive Karzinom liegt bei 72 Jahren, wobei die größte Krankheitslast bei Patientinnen über 70 Jahren liegt. Es werden zwei wesentliche Karzinomtypen unterschieden:

KarzinomtypHäufigkeitRisikofaktorenBemerkung
Verhornendes Plattenepithelkarzinom65-80 %Lichen sclerosus (4-5 % lebenslanges Risiko)Meist HPV-unabhängig, betrifft vor allem ältere Frauen.
Nicht-verhornendes PlattenepithelkarzinomSeltenerPersistierende HPV-Infektion (Typ 16, 31, 33), Rauchen, ImmunsuppressionEher HPV-abhängig, betrifft meist jüngere Frauen (mittleres Alter 55 Jahre).

Vulvärer M. Paget

Der extramammäre Morbus Paget ist selten und macht ca. 1 % der Vulvamalignome aus. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren. In 30 % der Fälle finden sich assoziierte Malignome, führend sind hierbei Mamma- und Urothelkarzinome.

Prävention

Die Primärprävention zielt auf die Vermeidung von HPV-Infektionen ab.

  • Expertenkonsens: Eine HPV-Impfung sollte auch unter dem Aspekt der Vermeidung von VIN-Läsionen bzw. Vulvakarzinomen empfohlen werden.
  • Die Impfung schützt vor den onkologisch relevanten HPV-Typen (insbesondere 16 und 18).
  • Gemäß STIKO wird die Impfung für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen (Nachholimpfung bis zum 17. Lebensjahr).
  • Die Impfung hat keinen therapeutischen Effekt auf bereits bestehende HPV-Infektionen oder VIN, kann aber nach behandelter HPV-induzierter VIN das Rezidivrisiko senken.

💡Praxis-Tipp

Beachten Sie bei postmenopausalen Patientinnen mit Lichen sclerosus das erhöhte Risiko für eine differenzierte VIN (dVIN) und verhornende Karzinome. Eine regelmäßige Inspektion ist hier essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Die Inzidenz liegt bei etwa 5,8/100.000 Frauen pro Jahr, mit steigender Tendenz. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren.
Die uVIN ist meist HPV-assoziiert und betrifft jüngere Frauen. Die dVIN ist seltener (2-10 %), tritt bei älteren Frauen auf und ist oft mit Lichen sclerosus assoziiert.
Ja, die Impfung wird zur Vermeidung von HPV-assoziierten VIN-Läsionen und Vulvakarzinomen empfohlen. Sie schützt vor den onkologisch relevanten HPV-Typen 16 und 18.
Lichen sclerosus ist ein wichtiger Risikofaktor für das verhornende Plattenepithelkarzinom und birgt ein lebenslanges Entartungsrisiko von 4-5 %.

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