Reanimation in der Schwerelosigkeit: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die CPR im Weltraum wird in Basic Life Support (BLS) und Advanced Life Support (ALS) unterteilt.
- •Für die initiale Thoraxkompression (BLS) am Notfallort ist die Evetts-Russomano-Methode (ER) die Methode der Wahl.
- •Sobald der Patient fixiert ist (ALS), gilt die Handstand-Methode (HS) als Goldstandard für Kompressionen.
- •Ohne Intubationsexpertise wird eine supraglottische Atemwegshilfe (SGA) der 2. Generation empfohlen.
- •Eine Defibrillation darf nur erfolgen, wenn der Patient auf einer elektrisch isolierten Oberfläche (CMRS) fixiert ist.
Hintergrund
Die kardiopulmonale Reanimation (CPR) in der Schwerelosigkeit (Mikrogravitation) stellt aufgrund der fehlenden Schwerkraft, begrenzter Räumlichkeiten und limitierter medizinischer Ausrüstung eine besondere Herausforderung dar. Die Leitlinie empfiehlt analog zu terrestrischen Vorgaben eine Unterteilung in Basic Life Support (BLS) und Advanced Life Support (ALS).
Algorithmus und Thoraxkompression
Die Wahl der Thoraxkompressions-Methode hängt von der Situation und der Fixierung des Patienten ab:
| Phase | Methode | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| BLS (Initial) | Evetts-Russomano (ER) | Methode der Wahl am Notfallort ohne Fixierung. |
| BLS (Alternative) | Reverse-Bear-Hug (RBH) | Falls ER nicht adäquat durchführbar ist. |
| ALS (Fixiert) | Handstand-Methode (HS) | Goldstandard auf dem Crew Medical Restraint System (CMRS). |
| ALS (Alternative) | Standard / Straddling | Falls HS aufgrund der Raumverhältnisse nicht möglich ist. |
- Automatisierte Thoraxkompressionsgeräte (ACCD): Können bei einem fixierten Patienten eingesetzt werden, dürfen aber qualitativ hochwertige manuelle Kompressionen nicht verzögern.
Atemwegsmanagement
Das Atemwegsmanagement richtet sich nach der Expertise der anwesenden Helfer:
| Expertise | Methode | Empfehlung |
|---|---|---|
| Keine Intubationsexpertise | Supraglottische Atemwegshilfe (SGA) | Methode der Wahl (bevorzugt 2. Generation). |
| Erfahrener Anwender | Endotracheale Intubation (TI) | Goldstandard. Patient und Helfer müssen am CMRS fixiert sein. |
- Ein manuelles Absauggerät sollte in der Notfallausrüstung enthalten und während des Atemwegsmanagements griffbereit sein.
Defibrillation
- Sicherheit: Ein Defibrillator darf nur verwendet werden, wenn der Patient auf einer elektrisch isolierten und sicheren Oberfläche (CMRS) fixiert ist.
- Gerät: Empfohlen wird ein AED mit langer Batterielaufzeit, selbstklebenden Pads und visuellen/akustischen Anweisungen (inkl. Taktgeber).
- Indikation: Die Defibrillation sollte bei entsprechender Indikation auch dann durchgeführt werden, wenn ein Überleben unwahrscheinlich erscheint.
- Ohne AED: Auch wenn kein Defibrillator verfügbar ist, sollte bei Herzstillstand mit der CPR begonnen werden.
Medikamentöse Therapie und Zugänge
Ein Gefäßzugang sollte erst etabliert werden, wenn mehr als zwei Helfer anwesend sind und eine qualitativ hochwertige CPR läuft.
| Priorität | Zugangsweg | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Wahl | Peripher-venöser Zugang | Standardzugang für die Medikamentengabe. |
| 2. Wahl | Intraossärer Zugang (Tibia) | Bei frustranem peripher-venösem Versuch. |
- Infusionen: Für intravenöse oder intraossäre Infusionen sollte ein entgaster Infusionsbeutel in einer Druckmanschette verwendet werden.
Telemedizin und Therapieabbruch
- Low Earth Orbit (LEO): Telemedizinische Unterstützung sollte konsultiert werden, sofern personelle Ressourcen dies zulassen.
- Mars-Missionen: Aufgrund der Kommunikationsverzögerung (3-23 Minuten) ist Telemedizin während der akuten CPR unpraktikabel und sollte nur von Helfern kontaktiert werden, die nicht direkt in die Patientenversorgung eingebunden sind.
- Therapieabbruch: Die Entscheidung zum Abbruch der Reanimation trifft das Crewmitglied mit der höchsten medizinischen Qualifikation, idealerweise nach telemedizinischer Rücksprache.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie eine Defibrillation im Weltraum ausschließlich durch, wenn der Patient auf dem Crew Medical Restraint System (CMRS) fixiert und elektrisch isoliert ist, um die Crew und die Bordelektronik nicht zu gefährden.