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Dermales und subkutanes Leiomyosarkom: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Superfizielle Leiomyosarkome (LMS) werden in prognostisch guenstige dermale und risikoreichere subkutane Formen unterteilt.
  • Therapie der Wahl ist die mikroskopisch kontrollierte R0-Exzision.
  • Der empfohlene Sicherheitsabstand betraegt 1 cm bei dermalen und moeglichst 2 cm bei subkutanen LMS.
  • Eine Metastasierung ist bei rein dermalen LMS nach R0-Resektion eine absolute Ausnahme.
  • Die Nachsorge erfolgt risikoadaptiert klinisch und sonographisch; Schnittbildgebung ist nur bei Auffaelligkeiten indiziert.
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Hintergrund

Superfizielle Leiomyosarkome (LMS) sind seltene Tumoren, die ca. 2-3 % aller kutanen Sarkome ausmachen. Sie praesentieren sich typischerweise als schmerzhafte, erythematoes bis braeunliche Knoten (0,3-3 cm) an den unteren Extremitaeten, am Rumpf oder am Kapillitium. Es wird zwischen zwei prognostisch relevanten Subtypen unterschieden:

  • Dermale (kutane) LMS: Gehen von Haarbalg-, Dartos- oder areolaeren Muskeln aus. Sie sind auf die Dermis beschraenkt.
  • Subkutane LMS: Gehen von der Gefaessmuskulatur des subkutanen Fettgewebes aus und koennen eine groessere Ausdehnung zeigen.

Diagnostik und Staging

Die Diagnose erfolgt histopathologisch. Die Tumorzellen weisen typischerweise eine Koexpression von alpha-glattmuskulaerem Aktin, Desmin und h-Caldesmon auf. Da die Infiltrationstiefe prognostisch entscheidend ist, muss diese exakt im Befund dokumentiert werden.

Die Stadieneinteilung erfolgt mangels eigener Klassifikation nach dem TNM-System fuer Weichteilsarkome (UICC/AJCC). Da superfizielle LMS meist klein und hochgradig differenziert (G1) sind, fallen sie ueberwiegend in das Stadium IA.

T-StadiumStamm und ExtremitaetenKopf und Hals
T1<= 5 cm<= 2 cm
T2> 5 bis <= 10 cm> 2 bis <= 4 cm
T3> 10 bis <= 15 cm> 4 cm
T4> 15 cmInfiltration in angrenzende Strukturen

Chirurgische Therapie

Die Therapie der Wahl ist die vollstaendige mikroskopisch kontrollierte Exzision (R0). Der anschliessende Sicherheitsabstand richtet sich nach dem Subtyp:

EntitaetEmpfohlener SicherheitsabstandBemerkung
Dermales LMSMindestens 1 cmNach R0-Resektion sehr geringes Lokalrezidivrisiko (in der Regel 0 %).
Subkutanes LMSMoeglichst 2 cm bzw. bis zur FaszieHaeufiger Rezidive; interdisziplinaere Fallbesprechung empfohlen.

Strahlentherapie

Eine adjuvante Bestrahlung ist bei kleinen Tumoren und sicherer R0-Resektion nicht indiziert. Sie kann erwogen werden bei:

  • R1- oder R2-Resektionen
  • Grossen Befunden (> 5 cm)
  • Prognostisch unguenstigeren subkutanen LMS
  • Palliativen, inoperablen Situationen

Medikamentoese Therapie

Bei inoperablen oder metastasierten Befunden ist eine Systemtherapie indiziert (Off-Label-Use). Die Therapieentscheidung sollte interdisziplinaer getroffen werden:

  • Erstlinie: Chemotherapie auf Basis von Doxorubicin (als Monotherapie oder in Kombination, z.B. mit Dacarbazin bei hohem Behandlungsdruck).
  • Zweitlinie: Pazopanib oder Trabectedin.
  • Sonderfaelle: Bei Nachweis einer NTRK-Genfusion kann Entrectinib oder Larotrectinib angeboten werden.
  • Hinweis: Immuntherapien (PD-1-Inhibitoren) werden aufgrund geringer Ansprechraten nicht empfohlen.

Nachsorge

Die Nachsorge dient der Frueherkennung von Lokalrezidiven und Metastasen (v.a. Lunge und Haut). Sie erfolgt risikoadaptiert:

ZeitraumDermales LMSSubkutanes LMS
Jahr 1-2Klinische Kontrolle alle 6 MonateKlinische Kontrolle + LK-Sono alle 3 Monate
Jahr 3-5Klinische Kontrolle alle 12 MonateKlinische Kontrolle + LK-Sono alle 6 Monate

Schnittbildgebungen (CT Thorax/Abdomen) sind nur bei klinischen Auffaelligkeiten, Risikofaktoren oder bereits metastasierten Tumoren indiziert.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der histopathologischen Anforderung unbedingt auf die Angabe der exakten Eindringtiefe (Dermis vs. Subkutis), da diese fuer die Festlegung des Sicherheitsabstandes (1 cm vs. 2 cm) und das Nachsorgeschema essenziell ist.

Häufig gestellte Fragen

Bei dermalen LMS wird ein Sicherheitsabstand von mindestens 1 cm empfohlen, bei subkutanen LMS moeglichst 2 cm nach primaerer R0-Resektion.
Bei R1/R2-Resektionen, grossen Befunden (> 5 cm) oder in palliativen Situationen. Bei kleinen, R0-resezierten Tumoren ist sie nicht indiziert.
Es werden klinische Kontrollen halbjaehrlich in den ersten zwei Jahren und danach jaehrlich fuer insgesamt mindestens fuenf Jahre empfohlen. Apparative Diagnostik erfolgt nur bei Auffaelligkeiten.
Als Erstlinientherapie wird eine Chemotherapie auf Basis von Doxorubicin empfohlen. Immuntherapien zeigen bei dieser Entitaet kaum Wirkung.

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