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AFX & PDS Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das atypische Fibroxanthom (AFX) und das pleomorphe dermale Sarkom (PDS) bilden das Spektrum derselben malignen Tumorentität.
  • Die Diagnosestellung erfordert zwingend eine tiefe Spindelbiopsie, da die Unterscheidung auf der Infiltrationstiefe beruht.
  • Die Diagnose erfolgt als immunhistochemische Ausschlussdiagnose (Ausschluss von Melanomen, Karzinomen und anderen Sarkomen).
  • Therapie der Wahl ist die mikrografisch kontrollierte Chirurgie mit tumoradaptierten Sicherheitsabständen.
  • Für metastasierte PDS gibt es keine zugelassene Standardtherapie, Checkpoint-Inhibitoren zeigen jedoch off-label Potenzial.
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Hintergrund

Das atypische Fibroxanthom (AFX) und das pleomorphe dermale Sarkom (PDS) sind seltene Neoplasien der Haut. Sie werden heute als Spektrum derselben Entität mit fibroblastärer Liniendifferenzierung angesehen. Typischerweise treten sie bei hochbetagten Männern (Verhältnis Männer zu Frauen ca. 8:1) in der 7. bis 8. Lebensdekade auf.

Klinisch manifestieren sie sich meist an chronisch lichtexponierten Arealen (vor allem am Kapillitium) als unspezifische, haut- bis fleischfarbene, oft ulzerierte Knoten. Während das AFX meist gut umschrieben ist, wächst das PDS unscharf abgegrenzt und aggressiver infiltrativ.

Diagnostik und Histologie

Die Differenzierung zwischen AFX und PDS ist anhand einer oberflächlichen Biopsie nicht möglich. Zur sicheren Diagnosestellung muss eine tiefe Spindelbiopsie durchgeführt werden.

Histologisch zeigen beide Tumoren atypische spindelförmige und epitheloide Zellen mit pleomorphen Kernen sowie atypische Mitosen. Der entscheidende Unterschied liegt im Infiltrationsmuster:

  • AFX: Beschränkt auf die Dermis (ohne wesentliche Fettgewebsinfiltration).
  • PDS: Erfasst deutliche Anteile der Subkutis, Skelettmuskulatur oder Faszien. Zudem können Nekrosen sowie perineurale oder lymphovaskuläre Infiltrationen vorliegen.

Immunhistochemische Ausschlussdiagnostik

Aufgrund der unspezifischen Histologie ist eine immunhistochemische Ausschlussdiagnostik zwingend erforderlich, um entdifferenzierte Plattenepithelkarzinome (cSCC), Melanome und andere Sarkome auszuschließen.

Marker-KategorieSpezifische MarkerFärbeeigenschaft bei AFX/PDS
Obligat (Ausschluss)Panzytokeratin (AE1/3, KL1)Negativ
Obligat (Ausschluss)Melanozytär (S100, Sox10)Fast immer negativ
Obligat (Ausschluss)Desmin, CD34/ERGNegativ
Fakultativ (Bestätigung)CD10, CD99, Prokollagen-1Mehrheitlich (stark) positiv
Fakultativ (Bestätigung)PDGFRBPDS zu 100% positiv

Hinweis: Ein isolierter Einsatz melanozytärer Marker ist zu vermeiden, da AFX/PDS selten nukleäre Expression von MiTF oder Melan-A/HMB45 aufweisen können.

Prognose und Metastasierung

Die Prognose hängt maßgeblich von der vertikalen Eindringtiefe und der Infiltration tiefer liegender Strukturen ab.

  • AFX: Nach vollständiger Exzision (R0) liegt die Lokalrezidivrate bei < 5%. Eine Metastasierung ist nicht bekannt.
  • PDS: Lokalrezidive treten in 5-28% der Fälle auf (oft nach unvollständiger Exzision). Metastasierungsraten liegen zwischen 8,8% und 20% (vorwiegend Haut und regionäre Lymphknoten). Fernmetastasen (z.B. Lunge) sind selten und betreffen bevorzugt Patienten mit hämato-onkologischen Grunderkrankungen.

Chirurgische Therapie

Die Therapie der Wahl unter kurativer Intention ist die radikale Exzision, idealerweise als mikrografisch kontrollierte Chirurgie (MKC).

TumortypEmpfohlener SicherheitsabstandBemerkung
AFXMindestens 0,5 cmMKC empfohlen, Resektion knapp im Gesunden oft ausreichend.
PDS2 cm (wenn möglich)Weiter Sicherheitsabstand zur Senkung des Lokalrezidivrisikos. Anpassung an anatomische/funktionelle Gegebenheiten.

Medikamentöse und Strahlentherapie

Ist eine vollständige Tumorexzision nicht möglich, kann eine adjuvante Strahlentherapie erwogen werden. Beim PDS zeigte eine Nachbestrahlung nach knapper Exzision eine positive Tendenz zur Reduktion von Lokalrezidiven.

Eine zugelassene medikamentöse Standardtherapie für inoperable oder metastasierte PDS existiert nicht. Aufgrund der hohen Mutationslast und der Expression von Checkpoint-Molekülen (PD-L1) stellt der off-label Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren (z.B. Anti-PD-1) eine vielversprechende Option dar. Fälle sollten interdisziplinär im Tumorboard besprochen werden.

Nachsorge

Die Nachsorge zielt auf die frühzeitige Erfassung von Lokalrezidiven und Metastasen ab. Bei PDS soll die klinische Untersuchung die Palpation der lokoregionären Lymphknoten einbeziehen.

ZeitraumAFX (Klinische Kontrolle)PDS (Klinik + Sonographie LK)
Jahr 1-2Alle 6 MonateAlle 3 Monate (Sono alle 6 Monate)
Jahr 3-5Alle 12 MonateAlle 6 Monate (Sono alle 6 Monate)

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf AFX oder PDS immer eine tiefe Spindelbiopsie durch. Eine oberflächliche Shave-Biopsie reicht nicht aus, da die entscheidende Differenzierung zwischen AFX und PDS maßgeblich von der Beurteilung der Subkutis-Infiltration abhängt.

Häufig gestellte Fragen

Beide Tumoren weisen pleomorphe Spindelzellen auf. Das AFX bleibt jedoch auf die Dermis beschränkt, während das PDS die Subkutis oder tiefere Strukturen infiltriert und Nekrosen sowie perineurale oder lymphovaskuläre Invasionen aufweisen kann.
Die Diagnose ist eine reine Ausschlussdiagnose. Marker wie Panzytokeratin, S100/Sox10 und Desmin müssen negativ sein, um Karzinome, Melanome und Myosarkome sicher auszuschließen.
Beim AFX wird ein Abstand von mindestens 0,5 cm empfohlen. Beim PDS sollte ein weiter Sicherheitsabstand von 2 cm eingehalten werden, sofern anatomisch und funktionell möglich.
Es gibt keine zugelassene Standardtherapie. Aufgrund der hohen Mutationslast kann jedoch off-label ein Therapieversuch mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (z.B. Anti-PD-1) nach Besprechung im Tumorboard erwogen werden.
Beim AFX ist keine Metastasierung bekannt. Beim PDS liegt das Risiko bei ca. 9-20%, wobei meist die Haut und regionäre Lymphknoten betroffen sind. Fernmetastasen sind selten.

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