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Tracheostoma bei Kindern: ATS-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Thoracic Society Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ethische Prinzipien sollen die gemeinsame Entscheidungsfindung vor einer Tracheostoma-Anlage leiten.
  • Ein standardisierter Entlassungsprozess mit umfassendem Training der Betreuungspersonen wird empfohlen.
  • Bei Hochrisikopatienten muss stets eine wache, aufmerksame und geschulte Betreuungsperson anwesend sein.
  • Trachealsekret-Kulturen sollen nur bei Verdacht auf akute Infektionen, nicht aber als Routine-Screening erfolgen.
  • Vor jedem Dekanuelierungsversuch ist eine vollstaendige endoskopische Atemwegsevaluation zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Die Zahl der Saeuglinge und Kinder mit Tracheostoma ist durch medizinische Fortschritte stark gestiegen. Diese Patientengruppe hat ein hohes Risiko fuer signifikante Morbiditaet und Mortalitaet. Die Leitlinie der American Thoracic Society (ATS) standardisiert die komplexe und ressourcenintensive Versorgung.

Ethische Entscheidungsfindung

Die Entscheidung zur Anlage eines Tracheostomas ist komplex, da es lebensverlaengernd wirkt, aber auch erhebliche Auswirkungen auf die Familie hat.

  • Starke Empfehlung: Anwendung der vier ethischen Prinzipien (Benefizienz, Nonmalefizienz, Autonomie und Gerechtigkeit) zur gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) zwischen Behandlungsteam und Familie.

Standardisierter Entlassungsprozess

Der Uebergang vom Krankenhaus nach Hause ist eine kritische Phase.

  • Bedingte Empfehlung: Implementierung eines standardisierten Entlassungsprozesses zur sicheren Ueberleitung.
KomponenteEmpfohlene Massnahmen
Interdisziplinaeres TeamArzt mit Tracheostoma-Expertise, Pflege, Atmungstherapeut, Logopaedie, Sozialdienst
Schulung der BetreuerGeraetekunde, Notfallmanagement, Medikamentengabe, Simulation von Atemwegsnotfaellen
VorbereitungSicherstellung von Pflegediensten, Hilfsmitteln und Information des lokalen Rettungsdienstes

Ueberwachung im haeuslichen Umfeld

Komplikationen wie Kanuelenobstruktion oder akzidentelle Dekanuelierung koennen lebensbedrohlich sein.

  • Starke Empfehlung: Bei Kindern mit dem Risiko einer sofortigen Dekompensation durch Tracheostoma-Komplikationen muss immer eine wache und aufmerksame, geschulte Betreuungsperson anwesend sein.

Diagnostik: Trachealsekret-Kulturen

Atemwegsinfektionen sind haeufig, jedoch ist die Unterscheidung zwischen bakterieller Infektion und reiner Kolonisation (Biofilm) klinisch herausfordernd.

  • Bedingte Empfehlung: Keine routinemaessigen Ueberwachungskulturen (Surveillance) bei asymptomatischen Kindern.
  • Bedingte Empfehlung: Abstrichnahme nur bei Verdacht auf eine tiefe Atemwegsinfektion zur Steuerung der Therapie.
  • Bedingte Empfehlung: Keine "Test-of-cure"-Kulturen (Kontrollabstriche) bei klinisch bessernden Patienten nach Antibiotikatherapie.

Bronchoskopie und Atemwegsevaluation

Atemwegslaesionen (z. B. Granulationsgewebe, Suprastoma-Kollaps) sind haeufig und koennen die Beatmung erschweren oder eine Dekanuelierung verhindern.

  • Bedingte Empfehlung: Endoskopische Atemwegsevaluation bei einer Veraenderung der Symptomatik oder bei persistierenden, therapieresistenten Symptomen.
  • Starke Empfehlung: Komplette Atemwegsevaluation vor jedem Dekanuelierungsversuch.
EvaluierungsbereichZu beurteilende Strukturen
1Nase und Nasopharynx
2Oropharynx und Mundhoehle
3Supraglottis und Larynx
4Subglottis, Trachea und Bronchien

Vorbereitung zur Dekanuelierung

Die Dekanuelierung erfordert eine sorgfaeltige Planung zur Gewaehrleistung der Patientensicherheit.

  • Bedingte Empfehlung: Zusaetzlich zur formalen Atemwegsevaluation sollte eine Polysomnographie (PSG) oder eine Pulsoxymetrie (mit/ohne Kapnographie) unter direkter Beobachtung bei verschlossener Kanuele (oder verschlossenem Stoma) durchgefuehrt werden.
Indikation fuer Polysomnographie (PSG)Bemerkung
BeatmungsentwoehnungBeurteilung der Bereitschaft zum Wechsel von invasiver auf nicht-invasive Beatmung
Unklare UrsachenBei fehlgeschlagenen Versuchen, die Kanuele zu verschliessen (Capping-Trials)
Komplexe PatientenBei medizinischer Komplexitaet oder komplexen Atemwegsanomalien

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf routinemaessige Trachealsekret-Abstriche bei asymptomatischen Kindern, um unnoetige Antibiotikagaben zu vermeiden. Fuehren Sie vor jeder Dekanuelierung zwingend eine komplette Bronchoskopie durch.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei klinischem Verdacht auf eine tiefe Atemwegsinfektion, um die Antibiotikatherapie zu steuern. Routine-Abstriche werden nicht empfohlen.
Es wird entweder eine Polysomnographie oder eine Pulsoxymetrie (ggf. mit Kapnographie) bei verschlossener Kanuele empfohlen. Bei komplexen Atemwegen oder Beatmungsentwoehnung ist die PSG bevorzugt.
Nein. Bei Kindern mit Risiko fuer eine sofortige Dekompensation muss zwingend eine wache, aufmerksame und geschulte Betreuungsperson anwesend sein.
Eine vollstaendige endoskopische Evaluation der gesamten Atemwege (Nase bis Bronchien) wird stark empfohlen, um unerkannte Laesionen auszuschliessen.

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