Arthrose: Diagnostik und konservative Therapie
Hintergrund
Arthrose ist die häufigste Form der Arthritis und betrifft typischerweise Knie, Hüfte, Hände und Füße. Die Prävalenz steigt, insbesondere bei älteren Menschen und Personen mit Adipositas.
Die Erkrankung führt zu Gelenkschmerzen, Steifigkeit und einer eingeschränkten Lebensqualität. Der Verlauf ist oft fluktuierend, wobei akute Schübe (Flares) häufig auftreten.
Die NICE-Leitlinie NG226 (2022) fokussiert sich auf die klinische Diagnosestellung sowie die nicht-operative und medikamentöse Behandlung der Arthrose bei Erwachsenen ab 16 Jahren.
Empfehlungen
Diagnostik
Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine rein klinische Diagnosestellung ohne Bildgebung, wenn Personen 45 Jahre oder älter sind, belastungsabhängige Gelenkschmerzen haben und keine oder maximal 30-minütige morgendliche Gelenksteifigkeit aufweisen.
Eine routinemäßige Bildgebung wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegen atypische Merkmale vor, die auf eine andere Diagnose hindeuten.
Nicht-medikamentöse Basistherapie
Als Kernbehandlung wird für alle Betroffenen eine individuell angepasste therapeutische Bewegung empfohlen.
Es wird geraten, darüber aufzuklären, dass Gelenkschmerzen zu Beginn des Trainings zunehmen können, eine langfristige Adhärenz jedoch Schmerzen lindert und die Funktion verbessert.
Bei Übergewicht oder Adipositas wird eine Gewichtsreduktion empfohlen, wobei ein Gewichtsverlust von 10 % stärkere Effekte zeigt als 5 %.
Von folgenden nicht-medikamentösen Verfahren wird laut Leitlinie ausdrücklich abgeraten:
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Akupunktur und Dry Needling
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Elektrotherapien wie TENS, Ultraschall oder Lasertherapie
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Routinemäßiger Einsatz von Einlagen, Bandagen oder Schienen (außer bei Instabilität)
Medikamentöse Therapie
Pharmakologische Behandlungen sollten gemäß Leitlinie nur unterstützend zur Bewegungstherapie, in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich eingesetzt werden.
Die Leitlinie bewertet die medikamentösen Optionen wie folgt:
| Medikamentenklasse | Indikation / Stellenwert | Besonderheiten laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Topische NSAR | Mittel der ersten Wahl (insb. Kniearthrose) | Geringstes Nebenwirkungsrisiko |
| Orale NSAR | Zweite Wahl bei Versagen topischer NSAR | Immer mit Magenschutz (PPI) kombinieren |
| Paracetamol | Nur Ausnahmefälle (kurzzeitig) | Keine starke Evidenz für Wirksamkeit |
| Schwache Opioide | Nur Ausnahmefälle (kurzzeitig) | Nur wenn andere Optionen kontraindiziert sind |
| Starke Opioide | Nicht empfohlen | Risiken überwiegen den Nutzen |
| Glucosamin | Nicht empfohlen | Keine starke Evidenz für Wirksamkeit |
| Intraartikuläre Kortikosteroide | Reserveoption oder zur Bewegungsunterstützung | Nur kurzfristige Linderung (2-10 Wochen) |
| Intraartikuläre Hyaluronsäure | Nicht empfohlen | Keine Evidenz für klinischen Nutzen |
Überweisung zum Gelenkersatz
Eine Überweisung zum Gelenkersatz sollte erwogen werden, wenn die Symptome die Lebensqualität erheblich einschränken und nicht-operative Maßnahmen unzureichend sind.
Die Leitlinie betont, dass Personen nicht aufgrund von Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Begleiterkrankungen oder dem Body-Mass-Index (BMI) von einer Überweisung ausgeschlossen werden dürfen.
Arthroskopische Spülungen oder Debridements werden zur Behandlung der Arthrose nicht empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von starken Opioiden, da die Risiken den Nutzen überwiegen.
Ebenso wird vor dem routinemäßigen Einsatz von oralen NSAR ohne begleitenden Magenschutz gewarnt, um gastrointestinale Toxizität zu vermeiden.
Arthroskopische Spülungen und Debridements werden zur Behandlung der Arthrose als ineffektiv eingestuft und sollten nicht angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die routinemäßige Anordnung von Röntgenbildern zur Diagnosestellung einer Arthrose. Die Leitlinie betont, dass die Diagnose bei typischer Klinik (Alter ab 45, belastungsabhängiger Schmerz, kurze Morgensteifigkeit) rein klinisch gestellt wird. Zudem wird darauf hingewiesen, dass anfängliche Schmerzverstärkungen bei Beginn einer Bewegungstherapie normal sind und nicht zum Therapieabbruch führen sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine Bildgebung nur erforderlich, wenn atypische Merkmale vorliegen, die auf eine andere Diagnose wie eine entzündliche Arthritis oder eine Malignität hindeuten. Ansonsten wird die Diagnose rein klinisch gestellt.
Es wird empfohlen, primär topische NSAR einzusetzen, insbesondere bei Kniegelenksarthrose. Orale NSAR sollten nur bei unzureichender Wirkung und stets in Kombination mit einem Magenschutz verwendet werden.
Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von Paracetamol ab, da keine starke Evidenz für einen Nutzen vorliegt. Es sollte nur in Ausnahmefällen für eine kurzzeitige Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Es wird ausdrücklich betont, dass ein hoher Body-Mass-Index (BMI) kein Ausschlusskriterium für eine Überweisung zum Gelenkersatz sein darf. Die Entscheidung sollte auf der klinischen Gesamteinschätzung basieren.
Die Leitlinie empfiehlt intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen nicht zur Behandlung der Arthrose. Es liegt keine ausreichende Evidenz für eine Verbesserung der Lebensqualität oder eine relevante Schmerzlinderung vor.
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Quelle: NICE Guideline on Osteoarthritis (NICE, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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