ClariMedClariMed
Arthroplasty Today2025OrthopädieChirurgieInfektiologie

Infektionsprophylaxe bei TEP: XPerience (Arthroplasty Today)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Arthroplasty Today Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine retrospektive Kohortenstudie mit 2.087 Patienten verglich die Spüllösung XPerience mit verdünntem Povidon-Jod (PVP-I) bei primären Hüft- und Knie-TEPs.
  • Die Rate periprothetischer Gelenkinfektionen (PJI) lag nach einem Jahr in der XPerience-Gruppe bei 0 % gegenüber 0,6 % in der PVP-I-Gruppe (p=0,017).
  • XPerience erfordert aufgrund fehlender Zytotoxizität keine Nachspülung mit Kochsalzlösung, was eine längere antimikrobielle Wirkdauer ermöglicht.
  • Die FDA warnt vor der Verwendung nicht-steriler topischer Jodpräparate in tiefen Operationswunden und rät von deren Verdünnung ab.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Prävention periprothetischer Gelenkinfektionen (PJI) bleibt eine zentrale Herausforderung in der Endoprothetik. Traditionell wird häufig verdünntes Povidon-Jod (PVP-I) zur intraoperativen Spülung verwendet. Die amerikanische FDA gab jedoch kürzlich eine Warnung heraus, dass viele topische Jodpräparate nicht terminal sterilisiert sind und nach dem Öffnen nicht verdünnt werden sollten, da dies in der Vergangenheit zu Infektionsausbrüchen geführt hat.

Zudem weisen viele etablierte Spüllösungen eine Zytotoxizität auf, weshalb sie nach der Anwendung mit Kochsalzlösung ausgespült werden müssen. Dies limitiert ihre antimikrobielle Wirkdauer erheblich. Als Alternative wurde in dieser Studie XPerience (XP) untersucht, eine terminal sterilisierte, Zitronensäure-basierte Lösung, die keine Nachspülung erfordert.

Studiendesign

In dieser retrospektiven Single-Surgeon-Kohortenstudie wurden 2.087 konsekutive Patienten mit primärer Hüft- oder Knie-TEP und einem Mindest-Follow-up von einem Jahr untersucht:

  • Kontrollgruppe (n=1.045): Spülung mit 500 ml verdünntem PVP-I (0,35 %) für mindestens 3 Minuten, gefolgt von einer gepulsten Lavage mit steriler Kochsalzlösung.
  • Interventionsgruppe (n=1.042): Spülung mit 1 L XPerience. Die Lösung wurde wie reguläre Kochsalzlösung verwendet und vor dem Wundverschluss ohne Nachspülung abgesaugt.

Vergleich der Spüllösungen

EigenschaftXPerience (XP)Povidon-Jod (PVP-I)
WirkstoffeZitronensäure (3,25%), Natriumcitrat (3,13%), Natriumlaurylsulfat (0,1%)Povidon-Jod (0,35% Verdünnung)
SterilitätTerminal sterilisiertOft unsteril (topische Präparate)
AnwendungGepulste Lavage, Absaugung vor Verschluss3 Minuten Einwirkzeit (Soak)
NachspülungNicht erforderlichZwingend erforderlich (mit NaCl)
ZytotoxizitätMinimal (in-vitro sicher für humane Zellen)Dosis- und zeitabhängig toxisch

Ergebnisse

Die Verwendung der neuartigen Spüllösung führte zu einer signifikanten Reduktion der PJI-Rate nach einem Jahr. Alle aufgetretenen Infektionen in der Kontrollgruppe erforderten eine chirurgische Revision.

Endpunkt (nach 1 Jahr)XPerience (n=1.042)Povidon-Jod (n=1.045)p-Wert
PJI-Rate0 % (0)0,6 % (6)0,017
Revisionsrate (gesamt)0,5 % (5)1,1 % (12)0,11
Hämatome (mit Revision)0,1 % (1)0,3 % (3)0,32

Hinweis: Die Number Needed to Treat (NNT) zur Verhinderung einer PJI beträgt in dieser Kohorte 167.

Diagnosekriterien für PJI

Die Diagnose einer PJI erfolgte strikt nach den validierten Kriterien des International Consensus Meeting (ICM) 2018. Bei den Minor-Kriterien gelten je nach zeitlichem Abstand zur Operation unterschiedliche Cut-off-Werte:

ParameterAkut (< 90 Tage post-OP)Chronisch (> 90 Tage post-OP)
CRP (Serum)> 100 mg/L> 10 mg/L
BKS (Serum)Nicht definiert> 100 mm/h
Leukozyten (Synovial)> 10.000 Zellen/µL> 3.000 Zellen/µL
PMN-Anteil (Synovial)> 90 %> 80 %

Fazit

XPerience erwies sich in dieser Kohorte als sichere und überlegene Alternative zu verdünntem Povidon-Jod. Die fehlende Notwendigkeit einer Nachspülung ermöglicht eine anhaltende Wirksamkeit gegen Biofilme im Gelenkspalt (bis zu 5 Stunden postoperativ).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der Verwendung von XPerience zwingend auf eine Nachspülung mit Kochsalzlösung. Nur so bleibt die antimikrobielle und Biofilm-zerstörende Wirkung im Gelenkspalt über Stunden erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Die FDA warnt, dass viele topische Jodpräparate nicht terminal sterilisiert sind. Zudem wird von einer manuellen Verdünnung abgeraten, da dies das Risiko einer Kontamination der Lösung birgt.
Sie besteht aus einer sterilen wässrigen Lösung von Zitronensäure (3,25 %), Natriumcitrat (3,13 %) und dem Tensid Natriumlaurylsulfat (0,1 %).
Nein. Im Gegensatz zu Povidon-Jod oder Chlorhexidin weist XPerience in den verwendeten Konzentrationen keine Zytotoxizität auf und verbleibt ohne Nachspülung in der Wunde.
In der untersuchten Kohorte von 1.042 Patienten trat nach einem Jahr Follow-up keine einzige periprothetische Gelenkinfektion (0 %) auf.

Verwandte Leitlinien