CochraneIa2021

Antibiotika bei COVID-19: Indikation und Empfehlungen

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Antibiotika zur Behandlung von COVID-19. Im Fokus stehen dabei die potenziell antiviralen und antientzündlichen Eigenschaften dieser Medikamente, nicht die Behandlung bakterieller Superinfektionen.

Zu Beginn der Pandemie wurden Makrolide wie Azithromycin häufig als Repurposing-Medikamente eingesetzt. Laborstudien hatten zuvor eine verminderte Virusreplikation und eine Reduktion proinflammatorischer Zytokine suggeriert.

Ein massenhafter Einsatz von Antibiotika bei viralen Erkrankungen birgt jedoch die Gefahr einer zunehmenden antimikrobiellen Resistenz. Daher bewertet der Review die klinische Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), um den Nutzen im stationären und ambulanten Bereich zu klären.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert klare Aussagen zum Einsatz von Antibiotika bei einer SARS-CoV-2-Infektion. Die Evidenz stützt sich dabei fast ausschließlich auf Studien zu Azithromycin.

Stationäre Behandlung (mittelschweres bis schweres COVID-19)

Laut Review hat Azithromycin keinen klinischen Nutzen für hospitalisierte Personen. Es wird betont, dass die Sterblichkeit nach 28 Tagen durch die Gabe nicht gesenkt wird (hohe Evidenzqualität).

Zudem hat das Antibiotikum gemäß der Auswertung wahrscheinlich keinen positiven Effekt auf:

  • Die klinische Verschlechterung oder die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung

  • Die klinische Verbesserung oder die Entlassung aus dem Krankenhaus

  • Die Verhinderung von Herzrhythmusstörungen

Ambulante Behandlung (asymptomatisches bis leichtes COVID-19)

Für den ambulanten Bereich zeigt die Evidenz ebenfalls keinen Nutzen. Der Review kommt zu dem Schluss, dass Azithromycin die Rate an Krankenhauseinweisungen oder Todesfällen innerhalb von 28 Tagen nicht reduziert.

Auch auf die Rückbildung der Symptome nach 14 Tagen hat die Therapie laut den eingeschlossenen Studien keinen relevanten Einfluss. Die Evidenzqualität für den ambulanten Bereich wird jedoch als niedrig eingestuft.

Warnhinweise und Resistenzentwicklung

Der Review warnt ausdrücklich vor dem routinemäßigen Einsatz von Azithromycin oder anderen Antibiotika zur Behandlung von COVID-19 außerhalb von gut konzipierten klinischen Studien. Dies wird insbesondere mit der globalen Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen begründet.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Azithromycin das Risiko für unerwünschte Ereignisse leicht erhöhen kann. Es wird keine Empfehlung für den Einsatz anderer Antibiotika wie Doxycyclin oder Clarithromycin ausgesprochen, da hierfür keine ausreichende Evidenz aus RCTs vorliegt.

Dosierung

Der Review betont, dass Antibiotika nicht zur Behandlung von COVID-19 empfohlen werden. In den eingeschlossenen Studien wurden jedoch folgende Standarddosierungen der jeweiligen Substanzklassen untersucht:

WirkstoffUntersuchte Dosierung (oral/i.v.)Häufigkeit
Azithromycin250 bis 500 mgEinmal täglich
Clarithromycin250 mgZweimal täglich
Doxycyclin200 mg (Tag 1), danach 100 mgEinmal täglich
Lincomycin600 mg (i.v. oder i.m.)Zwei- bis dreimal täglich

Kontraindikationen

Der Review weist auf das bekannte proarrhythmische Potenzial von Makroliden wie Azithromycin hin. Eine klinisch relevante QT-Zeit-Verlängerung ist eine mögliche unerwünschte Wirkung.

Dies gilt insbesondere, wenn Azithromycin mit anderen Medikamenten kombiniert wird, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern (wie beispielsweise Hydroxychloroquin). In den Studien waren vorbestehende QT-Verlängerungen oder EKG-Anomalien ein Ausschlusskriterium.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der wichtigste Hinweis für den klinischen Alltag ist der konsequente Verzicht auf Azithromycin zur primär antiviralen oder antientzündlichen Behandlung von COVID-19. Der Review zeigt eindeutig, dass kein Überlebensvorteil besteht, während der unkritische Einsatz die globale Krise der antimikrobiellen Resistenzen weiter verschärft. Eine antibiotische Therapie ist laut den Autoren nur bei nachgewiesenen bakteriellen Superinfektionen indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Nein, der Cochrane Review zeigt mit hoher Sicherheit, dass Azithromycin die Sterblichkeit bei hospitalisierten COVID-19-Erkrankten nicht senkt. Auch im ambulanten Bereich konnte kein Nutzen für die Symptomlinderung oder die Vermeidung von Krankenhauseinweisungen nachgewiesen werden.

Derzeit gibt es keine ausreichende Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien, die den Einsatz anderer Antibiotika zur Behandlung von COVID-19 stützt. Der Review rät dringend davon ab, Antibiotika außerhalb von klinischen Studien für diese Indikation zu verwenden.

Laut Review kann Azithromycin das Risiko für allgemeine unerwünschte Ereignisse leicht erhöhen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der möglichen Verlängerung der QT-Zeit, weshalb Personen mit vorbestehenden EKG-Anomalien in den Studien meist ausgeschlossen wurden.

Der vorliegende Review untersucht primär die antivirale und antientzündliche Wirkung von Antibiotika und bewertet keine prophylaktischen Gaben. Die Autoren betonen jedoch, dass der Einsatz von Antibiotika streng abgewogen werden muss, um antimikrobielle Resistenzen zu vermeiden.

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Quelle: Cochrane Review: Antibiotics for the treatment of COVID-19 (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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