Angiotensin-II-Acetat: Dosierung bei refraktärem Schock
Hintergrund
Der vorliegende Artikel basiert auf der Nutzenbewertung A21-95 des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bewertet wird der Wirkstoff Angiotensin-II-Acetat zur Behandlung der refraktären Hypotonie.
Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit einem septischen oder anderen distributiven Schock. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass die Betroffenen trotz angemessener Volumensubstitution und der Gabe von Katecholaminen oder anderen Vasopressoren hypotensiv bleiben.
Grundlage der IQWiG-Bewertung ist die randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie ATHOS-3. Darin wurde Angiotensin-II-Acetat zusätzlich zu einer Vasopressortherapie mit Placebo verglichen.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG-Dossierbewertung zeigt sich für Angiotensin-II-Acetat im Vergleich zur optimierten Standardtherapie kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Ein Zusatznutzen gilt demnach als nicht belegt.
In der Zulassungsstudie ATHOS-3 zeigten sich weder signifikante Effekte zum Vorteil noch zum Nachteil der Therapie mit Angiotensin-II-Acetat. Dies betrifft insbesondere folgende Endpunkte:
-
Gesamtmortalität an Tag 28
-
Entlassung aus der Intensivstation
-
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs)
-
Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse
Einschränkungen der Evidenz
Das IQWiG weist auf eine eingeschränkte Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den deutschen Versorgungskontext hin. Nur etwa 10 Prozent der Studienpopulation stammten aus Europa.
Zudem unterschieden sich die europäischen Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Prognose und der eingesetzten Begleittherapien deutlich von den restlichen Untersuchten. Dies führt laut Bericht zu einer Einschränkung der Aussagesicherheit.
Dosierung
Der Bericht zitiert die Fachinformation mit folgenden Dosierungsvorgaben für die kontinuierliche intravenöse Infusion:
| Therapiephase | Dosierung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Anfangsdosis | 20 ng/kg/min | Engmaschige Blutdrucküberwachung erforderlich |
| Titration | Schritte von bis zu 15 ng/kg/min | Alle 5 Minuten nach Bedarf anpassbar |
| Maximaldosis (0-3 Stunden) | 80 ng/kg/min | Ziel-MAP liegt üblicherweise bei 65-75 mmHg |
| Erhaltungsdosis (ab Stunde 3) | max. 40 ng/kg/min | Niedrigste kompatible Dosis anstreben (bis zu 1,25 ng/kg/min) |
Vor der Anwendung muss das Konzentrat in 0,9 % Natriumchlorid-Injektionslösung verdünnt werden. Es wird eine Endkonzentration von 5.000 ng/ml oder 10.000 ng/ml empfohlen.
Zum Absetzen der Therapie wird eine schrittweise Dosisreduktion (gesteuert durch Blutdruckwerte) empfohlen, um eine Rebound-Hypotonie zu vermeiden.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Einschränkungen:
-
Thromboembolische Ereignisse: In klinischen Studien traten vermehrt venöse Thromboembolien auf. Es wird eine gleichzeitige medikamentöse oder nicht-pharmakologische Prophylaxe empfohlen.
-
Periphere Ischämie: Um das Risiko zu minimieren, sollte die niedrigste verträgliche Dosis zur Aufrechterhaltung der Gewebedurchblutung gewählt werden.
-
Nicht-distributiver Schock: Die Anwendung bei kardiogenem Schock oder anderen nicht-distributiven Schockformen wird nicht empfohlen.
-
Pädiatrie: Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter 18 Jahren sind nicht erwiesen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht warnt ausdrücklich vor einem abrupten Absetzen von Angiotensin-II-Acetat, da dies zu einer schweren Rebound-Hypotonie führen kann. Es wird empfohlen, die Dosis schrittweise um maximal 15 ng/kg/min unter engmaschiger Blutdruckkontrolle zu reduzieren. Zudem wird auf die Notwendigkeit einer konsequenten Thromboembolie-Prophylaxe während der Therapie hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist der Wirkstoff bei refraktärer Hypotonie im Rahmen eines distributiven Schocks indiziert. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen trotz adäquater Volumengabe und Katecholamintherapie hypotensiv bleiben.
Die empfohlene Startdosis liegt bei 20 ng/kg/min als kontinuierliche intravenöse Infusion. Die Dosis kann alle 5 Minuten in Schritten von bis zu 15 ng/kg/min an den Ziel-Blutdruck angepasst werden.
Die Nutzenbewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen gegenüber der optimierten Standardtherapie nicht belegt ist. In der Zulassungsstudie zeigten sich keine signifikanten Vorteile bezüglich der Gesamtmortalität.
Der Bericht verweist auf ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse und periphere Ischämien. Daher wird eine begleitende Thromboembolie-Prophylaxe dringend empfohlen.
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Quelle: IQWiG A21-95: Angiotensin-II-Acetat (Hypotonie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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