Akute Pyelonephritis: Diagnostik und Antibiotikawahl

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die akute Pyelonephritis ist eine bakterielle Infektion einer oder beider Nieren. Sie wird meist durch aufsteigende Bakterien aus der Blase verursacht, wobei gramnegative Erreger wie Escherichia coli am häufigsten für unkomplizierte Infektionen verantwortlich sind.

Die NICE-Leitlinie NG111 bietet eine strukturierte Strategie für die antimikrobielle Verschreibung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ohne liegenden Katheter. Das Hauptziel der Empfehlungen ist die Optimierung des Antibiotikaeinsatzes sowie die Reduzierung von Resistenzen.

Komplikationen der Erkrankung umfassen eine eingeschränkte Nierenfunktion, Sepsis sowie Frühgeburten bei Schwangeren. Daher wird eine rasche, gezielte und an lokale Resistenzmuster angepasste Therapie empfohlen.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG111 formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik

Die Leitlinie empfiehlt bei Personen ab 16 Jahren die Gewinnung einer Mittelstrahlurinprobe vor Beginn der Antibiotikatherapie. Diese sollte zur Kultur und Empfindlichkeitsprüfung eingesendet werden.

Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren wird ebenfalls eine Urinprobe vor Therapiebeginn empfohlen. Die Diagnostik sollte hierbei den spezifischen pädiatrischen Vorgaben folgen.

Therapieprinzipien

Laut Leitlinie wird eine sofortige Antibiotikatherapie empfohlen. Bei der Auswahl sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:

  • Schweregrad der Symptome

  • Risiko für Komplikationen (z. B. bei strukturellen Anomalien oder Immunsuppression)

  • Vorherige Urinkulturen und Antibiotikaeinnahmen

Sobald die Ergebnisse der Urinkultur vorliegen, wird eine Überprüfung der Therapie empfohlen. Bei Resistenzen sollte das Antibiotikum gewechselt werden, wobei Schmalspektrum-Antibiotika zu bevorzugen sind.

Unterstützende Maßnahmen

Zur Schmerzbehandlung wird Paracetamol empfohlen. Bei Personen über 12 Jahren kann laut Leitlinie eventuell ein niedrig dosiertes schwaches Opioid wie Codein ergänzt werden.

Zudem wird eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Vermeidung einer Dehydratation angeraten.

Überweisung und stationäre Aufnahme

Eine Überweisung ins Krankenhaus wird dringend empfohlen, wenn Symptome auf eine schwerere Erkrankung wie eine Sepsis hindeuten.

Eine fachärztliche Beratung oder Überweisung sollte laut Leitlinie erwogen werden bei:

  • Deutlicher Dehydratation oder Unfähigkeit, orale Medikamente einzunehmen

  • Schwangerschaft

  • Erhöhtem Komplikationsrisiko (z. B. Diabetes mellitus oder Immunsuppression)

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt primär orale Antibiotika, sofern der klinische Zustand dies zulässt. Intravenöse Therapien sollten nach 48 Stunden überprüft und nach Möglichkeit auf eine orale Gabe umgestellt werden.

Erwachsene ab 16 Jahren (nicht schwanger)

WirkstoffRouteDosierungTherapiedauerBemerkung
CefalexinOral500 mg 2-3x täglich (bis 1-1,5 g 3-4x bei schwerer Infektion)7-10 TageMittel der ersten Wahl
Co-AmoxiclavOral500/125 mg 3x täglich7-10 TageNur nach Antibiogramm
TrimethoprimOral200 mg 2x täglich14 TageNur nach Antibiogramm
CiprofloxacinOral500 mg 2x täglich7 TageNur wenn andere ungeeignet
CefuroximIntravenös750 mg bis 1,5 g 3-4x täglich-Mittel der ersten Wahl
CeftriaxonIntravenös1 g bis 2 g 1x täglich-Mittel der ersten Wahl

Schwangere ab 12 Jahren

WirkstoffRouteDosierungTherapiedauerBemerkung
CefalexinOral500 mg 2-3x täglich7-10 TageMittel der ersten Wahl
CefuroximIntravenös750 mg bis 1,5 g 3-4x täglich-Nach 48h auf oral prüfen

Kinder und Jugendliche (ab 3 Monaten)

WirkstoffRouteAlterDosierungTherapiedauer
CefalexinOral12-15 Jahre500 mg 2-3x täglich7-10 Tage
CefalexinOral5-11 Jahre12,5 mg/kg 2x tägl. oder 250 mg 3x tägl.7-10 Tage
CefalexinOral1-4 Jahre12,5 mg/kg 2x tägl. oder 125 mg 3x tägl.7-10 Tage
Co-AmoxiclavOral12-15 Jahre250/125 mg oder 500/125 mg 3x täglich7-10 Tage

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von Fluorchinolonen (wie Ciprofloxacin), es sei denn, andere empfohlene Antibiotika sind ungeeignet. Dies begründet sich durch das Risiko für behindernde und potenziell irreversible Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln und dem Nervensystem.

Trimethoprim ist im ersten Trimester der Schwangerschaft kontraindiziert, da es als Folsäureantagonist ein teratogenes Risiko birgt.

Fluorchinolone werden generell nicht für Kinder und Jugendliche im Wachstum empfohlen und sollten in der Schwangerschaft vermieden werden.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die zwingende Anpassung der empirischen Antibiotikatherapie nach Vorliegen des Antibiogramms. Es wird empfohlen, die betroffenen Personen aktiv zu kontaktieren und auf ein wirksames Schmalspektrum-Antibiotikum umzustellen, falls eine Resistenz vorliegt – unabhängig davon, ob sich die klinischen Symptome bereits gebessert haben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist Cefalexin das orale Mittel der ersten Wahl für Erwachsene, Schwangere und Kinder. Co-Amoxiclav und Trimethoprim sollten aufgrund hoher lokaler Resistenzraten nur nach Vorliegen eines passenden Antibiogramms eingesetzt werden.

Die empfohlene Therapiedauer beträgt für Cefalexin und Co-Amoxiclav in der Regel 7 bis 10 Tage. Bei der Gabe von Trimethoprim wird eine Dauer von 14 Tagen empfohlen.

Eine intravenöse Therapie wird empfohlen, wenn die betroffene Person stark erbrechen muss, keine oralen Medikamente behalten kann oder systemisch schwer erkrankt ist. Die Leitlinie rät dazu, die intravenöse Gabe nach 48 Stunden zu überprüfen und auf eine orale Therapie umzustellen.

Ciprofloxacin darf laut Leitlinie nur dann verordnet werden, wenn andere Standardantibiotika ungeeignet sind. Es wird auf das Risiko schwerwiegender und langanhaltender Nebenwirkungen hingewiesen.

Die Leitlinie empfiehlt Paracetamol zur Schmerzlinderung. Bei Personen über 12 Jahren kann bei Bedarf ein niedrig dosiertes schwaches Opioid wie Codein ergänzt werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: NICE Guideline on Pyelonephritis (NICE, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.