Akute Halsschmerzen: Centor-Score & Antibiotikatherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG84 befasst sich mit der rationalen Antibiotikaverschreibung bei akuten Halsschmerzen, einschließlich Pharyngitis und Tonsillitis. Ziel ist es, den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu begrenzen und antimikrobielle Resistenzen zu reduzieren.

Akute Halsschmerzen sind meist selbstlimitierend und werden häufig durch virale Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst. Die Symptome dauern in der Regel etwa eine Woche an.

Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb dieses Zeitraums ohne antibiotische Therapie, unabhängig davon, ob die Ursache bakteriell oder viral ist. Komplikationen durch das Vorenthalten von Antibiotika treten laut Leitlinie nur sehr selten auf.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Beurteilung und Behandlung:

Diagnostik und Risikostratifizierung

Es wird empfohlen, die FeverPAIN- oder Centor-Kriterien zu nutzen, um Personen zu identifizieren, die von einer Antibiotikatherapie profitieren könnten. Bei Kindern unter fünf Jahren mit Fieber wird auf die separate Leitlinie zur Fieberabklärung verwiesen.

KriteriumFeverPAIN (je 1 Punkt)Centor (je 1 Punkt)
FieberIn den letzten 24h> 38 °C in der Anamnese
MandelnEitriges Exsudat / Stark entzündet (je 1 Pkt)Tonsilläres Exsudat
HustenKein Husten oder SchnupfenKein Husten
LymphknotenNicht bewertetDruckempfindliche vordere Halslymphknoten
KrankheitsdauerArztbesuch innerhalb von 3 TagenNicht bewertet

Therapieentscheidung nach Score

Basierend auf den ermittelten Scores empfiehlt die Leitlinie folgendes Vorgehen:

  • FeverPAIN 0-1 oder Centor 0-2: Es wird keine Antibiotikaverschreibung empfohlen.

  • FeverPAIN 2-3: Es sollte ein Verzicht auf Antibiotika oder ein Reserve-Rezept (Back-up) erwogen werden.

  • FeverPAIN 4-5 oder Centor 3-4: Es wird eine sofortige Antibiotikagabe oder ein Reserve-Rezept empfohlen.

Ein Reserve-Rezept sollte laut Leitlinie mit der Anweisung verbunden werden, das Antibiotikum erst einzulösen, wenn sich die Symptome nach drei bis fünf Tagen nicht bessern oder rasch verschlechtern.

Indikationen für eine sofortige Therapie

Bei systemisch sehr kranken Personen oder einem hohen Risiko für Komplikationen wird eine sofortige Antibiotikagabe empfohlen.

Zudem wird eine Krankenhauseinweisung empfohlen, wenn Hinweise auf eine schwere systemische Infektion (Sepsis) oder eitrige Komplikationen wie ein Peritonsillarabszess bestehen.

Symptomatische Therapie (Self-Care)

Zur Schmerz- und Fieberlinderung wird primär Paracetamol oder alternativ Ibuprofen empfohlen. Die Leitlinie rät zudem zu einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.

Medikamentöse Lutschtabletten können laut Leitlinie den Schmerz nur geringfügig lindern. Von der Gabe von Kortikosteroiden zur Behandlung akuter Halsschmerzen wird aufgrund von Sicherheitsbedenken abgeraten.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungsschemata für Erwachsene (ab 18 Jahren):

MedikamentIndikationDosierungDauer
Phenoxymethylpenicillin1. Wahl500 mg 4x täglich ODER 1000 mg 2x täglich5 bis 10 Tage
Clarithromycin1. Wahl bei Penicillinallergie250 bis 500 mg 2x täglich5 Tage
Erythromycin1. Wahl bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft250 bis 500 mg 4x täglich ODER 500 bis 1000 mg 2x täglich5 Tage

Für Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren) gelten laut Leitlinie folgende Dosierungen:

MedikamentAlter / GewichtDosierungDauer
Phenoxymethylpenicillin1 bis 11 Monate62,5 mg 4x täglich ODER 125 mg 2x täglich5 bis 10 Tage
Phenoxymethylpenicillin1 bis 5 Jahre125 mg 4x täglich ODER 250 mg 2x täglich5 bis 10 Tage
Phenoxymethylpenicillin6 bis 11 Jahre250 mg 4x täglich ODER 500 mg 2x täglich5 bis 10 Tage
Phenoxymethylpenicillin12 bis 17 Jahre500 mg 4x täglich ODER 1000 mg 2x täglich5 bis 10 Tage
ClarithromycinUnter 8 kg7,5 mg/kg 2x täglich5 Tage
Clarithromycin8 bis 11 kg62,5 mg 2x täglich5 Tage
Clarithromycin12 bis 19 kg125 mg 2x täglich5 Tage
Clarithromycin20 bis 29 kg187,5 mg 2x täglich5 Tage
Clarithromycin30 bis 40 kg250 mg 2x täglich5 Tage
Clarithromycin12 bis 17 Jahre250 bis 500 mg 2x täglich5 Tage
Erythromycin (Schwangerschaft)8 bis 17 Jahre250 bis 500 mg 4x täglich ODER 500 bis 1000 mg 2x täglich5 Tage

Es wird darauf hingewiesen, dass bei Phenoxymethylpenicillin eine fünftägige Gabe für eine rein symptomatische Heilung ausreichen kann. Eine zehntägige Therapie erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit einer mikrobiologischen Eradikation.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Amoxicillin bei akuten Halsschmerzen. Wenn die Halsschmerzen durch das Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) bedingt sind, führt Amoxicillin häufig zu erythematösen Hautausschlägen.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Makrolide in der Frühschwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden sollten. Erythromycin wird in der Schwangerschaft gegenüber anderen Makroliden bevorzugt, da hierfür mehr Sicherheitsdaten vorliegen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass ein Reserve-Rezept (Back-up-Rezept) eine effektive Strategie ist, um den Antibiotikaverbrauch zu senken. Es wird hervorgehoben, dass selbst bei bakteriellen Infektionen der symptomatische Nutzen von Antibiotika mit einer Verkürzung der Krankheitsdauer um durchschnittlich nur 16 Stunden sehr gering ist. Daher sollte die Aufklärung über den natürlichen, meist einwöchigen Verlauf der Erkrankung im Vordergrund der Konsultation stehen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V) das Antibiotikum der ersten Wahl. Es wird aufgrund seines schmalen Wirkspektrums und des geringen Resistenzrisikos empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt eine Therapiedauer von 5 bis 10 Tagen. Eine fünftägige Einnahme reicht oft für die Symptomlinderung aus, während 10 Tage die mikrobiologische Heilungsrate erhöhen.

Bei einer Penicillinallergie wird Clarithromycin für 5 Tage als Alternative empfohlen. In der Schwangerschaft sollte stattdessen Erythromycin verwendet werden.

Die Leitlinie rät von der Gabe von Kortikosteroiden bei akuten Halsschmerzen ab. Dies wird mit fehlenden Langzeitsicherheitsdaten und dem selbstlimitierenden Charakter der Erkrankung begründet.

Gemäß Leitlinie kann ab einem Centor-Score von 3 oder 4 eine sofortige Antibiotikagabe oder ein Reserve-Rezept erwogen werden. Bei einem Score von 0 bis 2 wird von Antibiotika abgeraten.

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Quelle: NICE Guideline on Sore Throat (NICE, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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