Adipositas: Diagnostik, Therapie und Chirurgie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Übergewicht und Adipositas sind chronische, rezidivierende Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Morbidität und Mortalität einhergehen. Die NICE-Leitlinie NG246 fasst die aktuellen Empfehlungen zur Prävention und Behandlung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände und die Vermeidung von Stigmatisierung. Es wird betont, dass Gewichtsmanagement ganzheitlich erfolgen sollte und die psychische Gesundheit stark beeinflussen kann.

Zudem hebt das Dokument hervor, dass bestimmte ethnische Gruppen bereits bei einem niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) ein erhöhtes kardiometabolisches Risiko aufweisen. Dies erfordert angepasste diagnostische und therapeutische Schwellenwerte im klinischen Alltag.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG246 formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Übergewicht und Adipositas:

Kommunikation und Stigmatisierung

Laut Leitlinie wird empfohlen, vor jeder Diskussion über das Gewicht oder vor Messungen die Erlaubnis der betroffenen Person einzuholen. Es wird betont, dass eine sensible, nicht wertende Sprache verwendet werden sollte.

Zudem wird angeraten, den Fokus auf die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden zu legen, anstatt ausschließlich über das Gewicht zu sprechen.

Diagnostik und Klassifikation

Die Leitlinie empfiehlt den Body-Mass-Index (BMI) als praktisches Maß für Übergewicht und Adipositas. Bei Erwachsenen mit einem BMI unter 35 kg/m² sollte zusätzlich das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (Waist-to-Height Ratio, WHtR) bestimmt werden.

Für die Klassifikation des BMI bei Erwachsenen gelten folgende Werte:

  • Normalgewicht: 18,5 bis 24,9 kg/m²

  • Übergewicht: 25 bis 29,9 kg/m²

  • Adipositas Grad 1: 30 bis 34,9 kg/m²

  • Adipositas Grad 2: 35 bis 39,9 kg/m²

  • Adipositas Grad 3: ab 40 kg/m²

Für Personen mit südasiatischer, chinesischer, nahöstlicher oder afrikanischer Abstammung empfiehlt die Leitlinie niedrigere Schwellenwerte. Hier beginnt Übergewicht bereits bei 23 kg/m² und Adipositas bei 27,5 kg/m².

Konservative Therapie

Es wird empfohlen, multimodale Verhaltensinterventionen anzubieten, die Ernährung, körperliche Aktivität und Verhaltensänderungen umfassen.

Bei der Ernährungstherapie können laut Leitlinie niedrigkalorische Diäten (800 bis 1200 kcal/Tag) für maximal 12 Wochen erwogen werden. Sehr niedrigkalorische Diäten (unter 800 kcal/Tag) sollten nur bei klinischer Notwendigkeit eingesetzt werden.

Bariatrische Chirurgie

Eine Überweisung zur Evaluation für eine bariatrische Operation wird für Erwachsene unter folgenden Bedingungen empfohlen:

  • BMI von 40 kg/m² oder höher

  • BMI von 35 bis 39,9 kg/m² mit einer signifikanten gewichtsbedingten Begleiterkrankung (z. B. Typ-2-Diabetes, Hypertonie)

  • Bei bestimmten ethnischen Minderheiten gelten um 2,5 kg/m² reduzierte BMI-Schwellenwerte

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende medikamentöse Optionen für das Gewichtsmanagement bei Erwachsenen, die ergänzend zu einer kalorienreduzierten Diät und erhöhter körperlicher Aktivität eingesetzt werden sollen. Für bestimmte ethnische Minderheiten gelten um 2,5 kg/m² reduzierte BMI-Schwellenwerte:

MedikamentIndikation (Erwachsene)VerabreichungAbbruchkriterien
TirzepatidBMI >= 35 kg/m² + >= 1 KomorbiditätWöchentliche s.c.-InjektionIndividuelle Entscheidung, wenn < 5 % Gewichtsverlust nach 6 Monaten
SemaglutidBMI >= 35 kg/m² (oder 30-34,9 kg/m² bei Spezialüberweisung) + >= 1 KomorbiditätWöchentliche s.c.-InjektionErwägen, wenn < 5 % Gewichtsverlust nach 6 Monaten
LiraglutidBMI >= 35 kg/m² + nicht-diabetische Hyperglykämie + hohes kardiovaskuläres RisikoTägliche s.c.-InjektionAbbruch, wenn < 5 % Gewichtsverlust nach 12 Wochen auf 3,0 mg/Tag
OrlistatBMI >= 30 kg/m² oder BMI >= 28 kg/m² mit RisikofaktorenOrale Kapsel bis zu 3x täglichAbbruch, wenn < 5 % Gewichtsverlust nach 12 Wochen

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor der Anwendung von Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid während der Schwangerschaft. Bei Tirzepatid wird zudem ein Wechsel auf eine nicht-orale Verhütungsmethode oder eine zusätzliche Barrieremethode für vier Wochen bei Therapiebeginn und nach jeder Dosissteigerung empfohlen.

Sehr niedrigkalorische Diäten (unter 800 kcal/Tag) sollten laut Leitlinie nicht als langfristige Strategie zur Adipositasbehandlung eingesetzt werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist das sogenannte 'Diagnostic Overshadowing', bei dem sämtliche Symptome einer Person fälschlicherweise auf das Übergewicht zurückgeführt werden. Die Leitlinie empfiehlt nachdrücklich, zunächst das primäre Anliegen der betroffenen Person zu behandeln, bevor das Thema Gewicht angesprochen wird. Zudem sollte vor jeder Gewichtsdiskussion oder Messung explizit die Erlaubnis eingeholt werden, um Stigmatisierung zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Überweisung zur Evaluation ab einem BMI von 40 kg/m². Bei Vorliegen signifikanter gewichtsbedingter Begleiterkrankungen wird eine Evaluation bereits ab einem BMI von 35 kg/m² angeraten.

Es wird empfohlen, bei Erwachsenen mit einem BMI unter 35 kg/m² zusätzlich das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (Waist-to-Height Ratio) zu berechnen. Ein Wert ab 0,5 weist laut Leitlinie auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch zentrale Adipositas hin.

Nein, die Leitlinie betont, dass Personen mit südasiatischer, chinesischer, nahöstlicher oder afrikanischer Abstammung bereits bei niedrigeren BMI-Werten ein erhöhtes Risiko aufweisen. Für diese Gruppen wird empfohlen, die Schwellenwerte für Übergewicht und Adipositas um etwa 2,5 kg/m² zu senken.

Sehr niedrigkalorische Diäten mit weniger als 800 kcal pro Tag sollten gemäß der Leitlinie für maximal 12 Wochen angewendet werden. Sie werden nur bei klinischer Notwendigkeit für einen schnellen Gewichtsverlust, beispielsweise vor einer Operation, empfohlen.

Medikamente zum Gewichtsmanagement werden für Kinder unter 12 Jahren im Allgemeinen nicht empfohlen. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren kann Orlistat laut Leitlinie in Ausnahmefällen und nur in spezialisierten pädiatrischen Zentren erwogen werden.

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Quelle: Overweight and obesity management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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