Abemaciclib + Fulvestrant: Mammakarzinom-Therapie
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Abemaciclib in Kombination mit Fulvestrant. Die Bewertung bezieht sich auf Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs.
Für die Nutzenbewertung wurde die Patientengruppe anhand des Menopausenstatus sowie einer eventuellen endokrinen Vortherapie in vier Fragestellungen (A1, A2, B1, B2) unterteilt. Als Datengrundlage diente primär die randomisierte, kontrollierte Studie MONARCH 2.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Postmenopausale Patientinnen
Für postmenopausale Frauen ohne endokrine Vortherapie (A1) sowie mit endokriner Vortherapie (B1) zeigt sich laut Bewertung kein positiver Effekt hinsichtlich der Mortalität, Morbidität oder gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Als zweckmäßige Vergleichstherapie diente hierbei Fulvestrant.
Demgegenüber stellt der Bericht für diese Gruppen negative Effekte in der Kategorie Nebenwirkungen fest. Es zeigen sich Anhaltspunkte für einen höheren Schaden durch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs), schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen.
In der Gesamtschau leitet die Bewertung für postmenopausale Patientinnen einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen von Abemaciclib in Kombination mit Fulvestrant gegenüber der alleinigen Gabe von Fulvestrant ab.
Prä- und perimenopausale Patientinnen
Für prä- und perimenopausale Frauen ohne endokrine Vortherapie (A2) sowie mit endokriner Vortherapie (B2) wurden vom pharmazeutischen Unternehmer keine geeigneten Daten vorgelegt. Die vorgelegten Daten enthielten keinen Vergleich zur vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Folglich ist ein Zusatznutzen für prä- und perimenopausale Patientinnen in diesem Anwendungsgebiet nicht belegt.
Studienlimitationen
Die Bewertung weist auf eine methodische Einschränkung der zugrundeliegenden Studie MONARCH 2 hin. Ein hoher Anteil der Patientinnen erhielt zu Studienbeginn eine nicht zulassungskonforme, höhere Startdosis von 200 mg Abemaciclib anstelle der zugelassenen 150 mg.
Ein relevanter Einfluss dieser hohen Dosierung auf die Ergebnisse, insbesondere auf die Rate der Nebenwirkungen und Therapieabbrüche, kann laut Bericht nicht ausgeschlossen werden. Daher wird die Aussagesicherheit der Ergebnisse insgesamt als gering eingestuft.
Dosierung
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Abemaciclib | 150 mg zweimal täglich | HR+, HER2- fortgeschrittenes Mammakarzinom (in Kombination mit endokriner Therapie) |
| Fulvestrant | 500 mg i.m. (Tag 1, 15, 29, danach monatlich) | Gemäß jeweiliger Fachinformation als Kombinationspartner |
Kontraindikationen
Der Bericht und die zitierte Fachinformation nennen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren (sollte vermieden werden)
-
Bei Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren ist eine Dosisreduktion von Abemaciclib auf 100 mg zweimal täglich erforderlich
-
Schwere Einschränkung der Leberfunktion (betrifft den Kombinationspartner Fulvestrant)
Zudem wird auf das Risiko von Neutropenien, Infektionen, venösen Thromboembolien, erhöhten Aminotransferasen und Diarrhö hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont, dass in der Zulassungsstudie initial eine zu hohe Dosis (200 mg statt 150 mg Abemaciclib) eingesetzt wurde. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Überdosierung maßgeblich zu der beobachteten hohen Rate an Therapieabbrüchen und schweren Nebenwirkungen wie Diarrhö und Neutropenie beigetragen haben könnte.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Für postmenopausale Frauen gibt es aufgrund vermehrter Nebenwirkungen sogar Anhaltspunkte für einen geringeren Nutzen im Vergleich zur Monotherapie mit Fulvestrant.
Die zugelassene Dosis beträgt 150 mg zweimal täglich in Kombination mit einer endokrinen Therapie.
Der Bericht nennt Diarrhö, Infektionen, Neutropenie, Anämie und Fatigue als sehr häufige unerwünschte Ereignisse. Besonders Diarrhö trat im ersten Behandlungsmonat gehäuft auf.
Gemäß Zulassung ist dies möglich, wobei die Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden sollte. Das IQWiG bemängelt jedoch, dass für diese spezifische Patientengruppe keine geeigneten Studiendaten vorgelegt wurden.
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Quelle: IQWiG A18-73: Abemaciclib in Kombination mit Fulvestrant (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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