Zeitlich abgestimmter Geschlechtsverkehr: Evidenzlage
Hintergrund
Der Cochrane Review (2023) untersucht die Wirksamkeit von zeitlich abgestimmtem Geschlechtsverkehr bei Paaren mit Kinderwunsch. Ziel ist es, die fruchtbare Phase im Menstruationszyklus zu identifizieren, um die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption zu erhöhen.
Die fruchtbare Phase beginnt etwa fünf Tage vor der Ovulation und endet wenige Stunden danach. Zur Bestimmung des Eisprungs werden verschiedene Methoden wie Urin-Ovulationstests, Methoden der natürlichen Familienplanung (FABM) oder Ultraschall eingesetzt.
Der Review vergleicht diese Vorhersagemethoden mit Geschlechtsverkehr ohne spezifische Ovulationsvorhersage. Die eingeschlossenen Studien untersuchten primär Frauen unter 40 Jahren, die seit weniger als 12 Monaten versuchen, schwanger zu werden.
Empfehlungen
Urin-Ovulationstests
Der Review zeigt, dass die Nutzung von Urin-Ovulationstests die Schwangerschaftsraten bei Paaren mit Kinderwunsch wahrscheinlich erhöht.
Folgende Effekte werden für Urin-Ovulationstests im Vergleich zu Geschlechtsverkehr ohne Vorhersage beschrieben:
-
Erhöhung der Lebendgeburtenrate (moderate Evidenzqualität)
-
Erhöhung der Rate an klinischen Schwangerschaften oder positiven Urintests (moderate Evidenzqualität)
-
Unklare Auswirkungen auf Stresslevel und Lebensqualität aufgrund unzureichender Daten
Methoden der natürlichen Familienplanung (FABM)
Zu den FABM zählen unter anderem die Kalendermethode, die Messung der Basaltemperatur und die Beobachtung des Zervixschleims. Laut Meta-Analyse ist die Evidenzlage für diese Methoden derzeit unzureichend.
Es bleibt unklar, ob zeitlich abgestimmter Geschlechtsverkehr mittels FABM im Vergleich zu ungerichtetem Verkehr folgende Endpunkte beeinflusst:
-
Lebendgeburtenrate (niedrige Evidenzqualität)
-
Klinische Schwangerschaftsraten (sehr niedrige Evidenzqualität)
-
Unerwünschte Ereignisse wie Stress, Angstzustände oder sexuelle Dysfunktion
Ultraschallüberwachung
Der Review identifizierte keine randomisierten kontrollierten Studien, die den Nutzen von Ultraschall zur Ovulationsvorhersage für zeitlich abgestimmten Geschlechtsverkehr untersuchten.
Evidenzvergleich der Methoden
Die nachfolgende Tabelle fasst die Bewertung der untersuchten Methoden gemäß den Ergebnissen des Reviews zusammen:
| Methode | Effekt auf Lebendgeburtenrate | Effekt auf Schwangerschaftsrate | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Urin-Ovulationstests | Wahrscheinliche Erhöhung | Wahrscheinliche Erhöhung | Moderat |
| FABM (z. B. Temperatur, Zervixschleim) | Unklarer Effekt | Unklarer Effekt | Niedrig bis sehr niedrig |
| Ultraschall | Keine Daten verfügbar | Keine Daten verfügbar | Keine Evidenz |
💡Praxis-Tipp
Laut Review stammen die positiven Daten zu Urin-Ovulationstests fast ausschließlich von fertilen Frauen unter 40 Jahren mit regelmäßigen Zyklen, die seit weniger als 12 Monaten versuchen, schwanger zu werden. Es wird betont, dass sich diese Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Paare mit unerfülltem Kinderwunsch (länger als 12 Monate) oder ältere Patientinnen übertragen lassen. Bei Anzeichen von Stress durch die Ovulationsmessung wird als Alternative regelmäßiger Geschlechtsverkehr (zwei- bis dreimal wöchentlich) beschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass die Nutzung von Urin-Ovulationstests die Rate an Lebendgeburten und klinischen Schwangerschaften wahrscheinlich erhöht. Dies gilt primär für Frauen unter 40 Jahren, die seit weniger als einem Jahr versuchen, schwanger zu werden.
Laut Meta-Analyse reicht die aktuelle Evidenz nicht aus, um einen klaren Nutzen von Methoden der natürlichen Familienplanung (FABM) für die Schwangerschaftsrate zu belegen. Die verfügbaren Studien weisen eine niedrige bis sehr niedrige Evidenzqualität auf.
Die Datenlage zu unerwünschten Ereignissen wie Stress, Angst oder sexueller Dysfunktion ist laut Review unzureichend. Es kann derzeit keine verlässliche Aussage darüber getroffen werden, ob Ovulationstests oder FABM das Stresslevel der Paare signifikant verändern.
Wenn Paare auf Ovulationstests verzichten möchten oder diese Stress verursachen, wird in den Kontrollgruppen der Studien häufig regelmäßiger Geschlechtsverkehr empfohlen. Ein Rhythmus von zwei- bis dreimal pro Woche deckt das fertile Fenster in der Regel zuverlässig ab.
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Quelle: Cochrane Review: Timed intercourse for couples trying to conceive (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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