TB-Nationaler Strategieplan: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Ein nationaler Strategieplan (NSP) übersetzt globale Ziele (End TB-Strategie, SDGs) in nationale Maßnahmen zur Tuberkulosebekämpfung.
- •Die Entwicklung eines NSP erfolgt in sechs Phasen und dauert in der Regel 6 bis 12 Monate.
- •Eine umfassende Situationsanalyse inklusive Root Cause Analysis bildet das Fundament für die Priorisierung von Interventionen.
- •Die Einbindung von Zivilgesellschaft, betroffenen Gemeinschaften und sektorübergreifenden Partnern ist essenziell.
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie zur nationalen strategischen Planung (NSP) für Tuberkulose (TB) bietet einen Rahmen, um die Ziele der End TB-Strategie und der Sustainable Development Goals (SDGs) zu erreichen. Ein NSP ist ein zentrales Dokument, das nationale Behörden bei der umfassenden Bekämpfung der TB-Epidemie anleitet. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig resiliente Gesundheitssysteme und Notfallplanungen sind, da globale Fortschritte in der TB-Bekämpfung stark beeinträchtigt wurden.
Prinzipien und Säulen der End TB-Strategie
Die strategische Planung muss sich an den Kernkomponenten der globalen Strategie orientieren und an den lokalen Kontext angepasst werden:
| Säule | Komponenten |
|---|---|
| 1. Integrierte, patientenzentrierte Versorgung | Frühe Diagnose (inkl. molekularer Schnelltests, DST), Behandlung aller TB-Formen, präventive Therapie (TPT) für Hochrisikogruppen, Management von Komorbiditäten (z. B. HIV). |
| 2. Mutige politische Ansätze und Systeme | Politisches Engagement, Einbindung von Zivilgesellschaft und privaten Anbietern, UHC-Politik (Universal Health Coverage), sozialer Schutz und Armutsbekämpfung. |
| 3. Intensivierte Forschung und Innovation | Entwicklung und rasche Übernahme neuer Tools, Forschung zur Optimierung der Implementierung und Förderung von Innovationen. |
Phasen der NSP-Entwicklung
Der Entwicklungsprozess umfasst sechs iterative Phasen, die idealerweise 6 bis 12 Monate in Anspruch nehmen:
| Phase | Bezeichnung | Kernaktivitäten |
|---|---|---|
| 1 | Planung und Vorbereitung | Gründung eines Kernteams (15-20 Personen), Erstellung einer Roadmap, Ressourcenmobilisierung. |
| 2 | Situationsanalyse | Epidemiologischer Review, Analyse sozialer Determinanten, Programm-Review, Datenkonsolidierung. |
| 3 | Formulierung von Zielen und Interventionen | Definition von SMART-Zielen, Priorisierung von Interventionen basierend auf Ursachenanalysen. |
| 4 | Monitoring und Evaluation (M&E) | Entwicklung von Indikatoren und Zielvorgaben für Aktivitäten. |
| 5 | Kostenkalkulation | Schätzung der Kosten für den Strategieplan und Identifikation von Finanzierungslücken. |
| 6 | Konsens, Endorsement und Dissemination | Verabschiedung durch Behörden, Advocacy und Ressourcenmobilisierung. |
Situationsanalyse und Ursachenforschung
Die Situationsanalyse ist das Fundament des NSP. Sie umfasst die Bewertung der Epidemiologie, der sozialen Determinanten und der Kapazitäten des Gesundheitssystems.
- Datenkonsolidierung: Nutzung von Tools wie dem People-centred framework (PCF) zur Identifikation von Lücken entlang der Versorgungskette.
- Root Cause Analysis (Ursachenanalyse): Methoden wie das Ishikawa-Diagramm (Fishbone), die "Five Whys" oder Kausalitätsbäume werden empfohlen, um die tieferliegenden Ursachen (z. B. Armut, Stigma) von identifizierten Lücken zu verstehen.
Priorisierung von Interventionen
Die Auswahl der Interventionen sollte evidenzbasiert erfolgen. Folgende Kriterien sind bei der Priorisierung entscheidend:
- Ausmaß der Lücke: Schweregrad, Dringlichkeit und Wahrnehmung des Problems in der Bevölkerung.
- Wirksamkeit: Wahrscheinlichkeit, dass die Intervention die erwarteten Ergebnisse liefert.
- Fairness: Berücksichtigung von Ethik, Gerechtigkeit und Menschenrechten.
- Akzeptanz: Zustimmung bei Implementierungspartnern und der Zielgruppe.
- Kosten und Kosteneffektivität: Erschwinglichkeit und "Value for Money" (ggf. unterstützt durch Modellierungen zur allokativen Effizienz).
💡Praxis-Tipp
Beziehen Sie bei der Situationsanalyse und Ursachenforschung (Root Cause Analysis) zwingend Vertreter der Zivilgesellschaft und betroffener Gemeinschaften ein. Oft liegen die wahren Barrieren für eine erfolgreiche TB-Therapie außerhalb des direkten medizinischen Sektors (z. B. Stigma, Transportkosten).