One Health JPA Implementierung: Leitlinie (WHO/FAO)
📋Auf einen Blick
- •Der One Health-Ansatz integriert die Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt zur Abwehr vernetzter Gesundheitsbedrohungen.
- •Die Implementierung erfolgt in 5 Schritten, beginnend mit einer Situationsanalyse und Stakeholder-Mapping.
- •Ein multisektoraler Koordinationsmechanismus ist essenziell für die Governance und nachhaltige Umsetzung.
- •Die Maßnahmen basieren auf 3 Pfaden: Governance/Finanzierung, institutionelle Entwicklung und Daten/Wissensaustausch.
- •Ein Monitoring, Evaluation and Learning (MEL) Framework sichert die langfristige Wirksamkeit und Ressourcennutzung.
Hintergrund
Der One Health Joint Plan of Action (OH JPA) der Quadripartite (WHO, FAO, UNEP, WOAH) bietet einen Rahmen, um vernetzte Gesundheitsherausforderungen an der Schnittstelle von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt zu bewältigen. Ziel ist es, Bedrohungen wie Zoonosen, antimikrobielle Resistenzen (AMR) und Umweltschäden durch multisektorale Zusammenarbeit zu verhindern und zu mindern.
Die 3 Pfade der Veränderung (Pathways of Change)
Die Implementierung des OH JPA basiert auf drei interdependenten Pfaden, die in nationale Aktionspläne integriert werden sollten:
| Pfad | Fokus | Kernaspekte |
|---|---|---|
| 1 | Governance, Politik, Gesetzgebung, Finanzierung und Advocacy | Multisektoraler Koordinationsmechanismus, politische Willensbildung, dedizierte Finanzierung, rechtliche Rahmenbedingungen. |
| 2 | Organisation, Implementierung und sektorale Integration | Kapazitätsaufbau, gemeinsames Training, Einbindung von Gemeinden, sektorübergreifende Integration auf lokaler Ebene. |
| 3 | Daten, Evidenz, Informationssysteme und Wissensaustausch | Stärkung der wissenschaftlichen Evidenz, integrierte Frühwarnsysteme, Datenaustausch zwischen Sektoren. |
Die 6 Action Tracks
Der OH JPA definiert sechs Handlungsfelder (Action Tracks), auf die sich nationale Implementierungen fokussieren können:
- Action Track 1: Stärkung der One Health-Kapazitäten für Gesundheitssysteme.
- Action Track 2: Reduktion von Risiken durch neu auftretende und wiederkehrende zoonotische Epidemien und Pandemien.
- Action Track 3: Kontrolle und Elimination von endemischen Zoonosen, vernachlässigten Tropenkrankheiten und vektorübertragenen Krankheiten.
- Action Track 4: Stärkung von Bewertung, Management und Kommunikation von Lebensmittelsicherheitsrisiken.
- Action Track 5: Eindämmung der stillen Pandemie der antimikrobiellen Resistenz (AMR).
- Action Track 6: Integration der Umwelt in den One Health-Ansatz.
5-Stufen-Plan zur nationalen Implementierung
Die Leitlinie empfiehlt einen schrittweisen Ansatz zur Etablierung des One Health-Konzepts:
| Stufe | Phase | Bemerkung / Kernaufgaben |
|---|---|---|
| 1 | Situationsanalyse | Stakeholder-Mapping, Überprüfung bestehender Governance-Strukturen und bisheriger Assessments. |
| 2 | Koordinationsmechanismus | Aufbau oder Stärkung eines multisektoralen One Health-Koordinationsmechanismus (inkl. Komitees und technischer Arbeitsgruppen). |
| 3 | Planung der Implementierung | Priorisierung von Aktivitäten, Erstellung eines budgetierten Aktionsplans, Entwicklung einer Investitionsstrategie und eines MEL-Frameworks (Monitoring, Evaluation and Learning). |
| 4 | Umsetzung | Durchführung der nationalen One Health-Aktionspläne unter Einbindung aller relevanten Sektoren. |
| 5 | Evaluation und Austausch | Überprüfung der Ergebnisse, Teilen von Best Practices und Integration von Lektionen in zukünftige Planungen. |
Kernprinzipien der Governance
Für eine erfolgreiche und nachhaltige One Health-Governance müssen drei Kernprinzipien beachtet werden:
- Partizipation und Inklusion: Einbindung aller relevanten Sektoren (Gesundheit, Landwirtschaft, Umwelt, Finanzen etc.) und Sicherstellung von Geschlechtergerechtigkeit.
- Verantwortlichkeit und Rechtsstaatlichkeit: Klare Mandate, Budgets und rechtliche Rahmenbedingungen für den Datenaustausch.
- Gleichheit und Nichtdiskriminierung: Berücksichtigung marginalisierter Gruppen und lokaler Gemeinschaften.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie frühzeitig ein Monitoring, Evaluation and Learning (MEL) Framework, um die Wirksamkeit intersektoraler Maßnahmen messbar zu machen und Budgets gegenüber Ministerien (z.B. Finanzministerium) evidenzbasiert zu rechtfertigen.