South-South Learning Exchanges: WHO-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Ein South-South Learning Exchange (SSLE) fördert den Wissensaustausch zur Implementierung evidenzbasierter Praktiken.
- •Es gibt vier Hauptformate: Studienreisen, reziproker Austausch (Twinning), Expertenbesuche und virtueller Austausch.
- •Der Prozess umfasst 5 Schritte: Bedarfsermittlung, Planung, Durchführung, Implementierung des Aktionsplans und Follow-up.
- •Ein detaillierter Monitoring- und Evaluationsplan (M&E) ist essenziell, um den Erfolg kurz- und langfristig zu messen.
- •Die Erstellung eines konkreten Aktionsplans noch während des Austauschs ist das wichtigste Instrument für die spätere Umsetzung.
Hintergrund
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fördert den Wissensaustausch zur Implementierung evidenzbasierter Praktiken durch sogenannte South-South Learning Exchanges (SSLE). Diese interaktiven Formate ermöglichen es Entscheidungsträgern, Gesundheitspersonal und Gemeinschaften, implizites und explizites Wissen über Länder-, Regions- oder Organisationsgrenzen hinweg zu teilen. Ziel ist es, neue Praktiken zu identifizieren, politische Veränderungen voranzutreiben oder Kapazitäten für die Skalierung bestehender Best Practices aufzubauen.
Arten des South-South Learning Exchange
Es gibt verschiedene Formate, die je nach Budget, Zielsetzung und Vorwissen der Teams gewählt werden können. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus und können kombiniert werden.
| Format | Beschreibung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Studienreise / Vor-Ort-Besuch | Ein Team besucht ein anderes Team, um Best Practices in der Praxis zu beobachten. | Häufigstes Format; erfordert Vor-Ort-Beobachtung und Interaktion. |
| Twinning / Reziproker Austausch | Langfristige Beziehung, bei der die Rollen von Wissensgeber und -nehmer wechseln. | Empfohlen für den Aufbau gleichberechtigter, langfristiger Peer-Beziehungen. |
| Expertenbesuch | Das wissensgebende Team reist zum wissenssuchenden Team. | Fokus auf Vor-Ort-Mentoring und gemeinsames Training am Arbeitsplatz. |
| Virtueller Austausch | Austausch über digitale Plattformen (Videokonferenzen, Chats). | Kostengünstig; erfordert klar definierte Bedürfnisse des wissenssuchenden Teams. |
Der 5-Schritte-Prozess
Die WHO empfiehlt einen strukturierten Ansatz zur Planung und Durchführung eines SSLE.
| Schritt | Phase | Kernaufgaben |
|---|---|---|
| 1 | Bedarf und Zweck definieren | Bedarfsanalyse durchführen, übergeordnetes Ziel des Veränderungsprozesses festlegen, Zweck des Austauschs bestimmen. |
| 2 | Austausch planen | Wissensgebendes Team identifizieren, Zwischenziele (SMART) definieren, M&E-Plan erstellen, Teilnehmer auswählen, Agenda entwerfen. |
| 3 | Austausch moderieren | Engagement und Zusammenarbeit fördern, Erstellung eines konkreten Aktionsplans begleiten. |
| 4 | Implementierung unterstützen | Rollen nach dem Austausch klären, Debriefing durchführen, Dynamik aufrechterhalten. |
| 5 | Follow-up | Dokumentation abschließen, M&E-Maßnahmen nach dem Austausch umsetzen, Ergebnisse disseminieren. |
Planung und Teilnehmerauswahl
Die Auswahl der richtigen Teilnehmer ist entscheidend. Das Team sollte eine Mischung aus technischem Personal, Managern und politischen Entscheidungsträgern umfassen. Auch Vertreter der Zivilgesellschaft, Berufsverbände oder NGOs sollten eingebunden werden. Beide Teams (Wissensgeber und Wissensnehmer) müssen vorab durch ein Memorandum of Understanding (MoU) ihre Rollen und Verantwortlichkeiten klären.
Monitoring und Evaluation (M&E)
Ein M&E-Plan sollte bereits in der Planungsphase entwickelt werden, um den Erfolg des Austauschs messbar zu machen. Die Ziele werden in kurz- und mittelfristige Zeitrahmen unterteilt:
| Zeitraum | Zieltyp | Beispiel |
|---|---|---|
| Kurzfristig (< 6 Monate) | Neue Ideen / Wissen / Fähigkeiten | Teilnehmer identifizieren mindestens drei neue Ansätze zur Qualitätssteigerung. |
| Mittelfristig (bis 2 Jahre) | Entscheidungen / Handlungen | Innerhalb eines Jahres wird ein Pilotprogramm genehmigt; 80% des Aktionsplans sind umgesetzt. |
Zur Datenerhebung eignen sich:
- Bedarfsanalysen
- Teilnehmerbefragungen (vor, direkt nach und 6-18 Monate nach dem Austausch)
- Dokumentenprüfungen
Der Aktionsplan
Ein zentrales Ergebnis jedes SSLE ist der Aktionsplan. Dieser muss noch während des Austauschs gemeinsam entwickelt werden. Er definiert spezifische nächste Schritte, Verantwortlichkeiten, benötigte Ressourcen und Erfolgsindikatoren (SMART-Kriterien), um das Gelernte in den eigenen klinischen oder programmatischen Alltag zu integrieren.
💡Praxis-Tipp
Erstellen Sie den Aktionsplan unbedingt noch während des Austauschs, solange die Eindrücke frisch sind. Weisen Sie jedem Handlungsschritt eine konkrete verantwortliche Person und eine Deadline zu.