Afiya House: Peer-gestützte Krisenintervention (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Das Afiya House ist eine rein Peer-gestützte Kriseneinrichtung für Menschen in emotionalen Ausnahmesituationen.
- •Die maximale Aufenthaltsdauer beträgt sieben Nächte bei einer Kapazität von drei Personen.
- •Es finden keine klinischen Behandlungen oder Medikamentengaben durch das Personal statt.
- •Aufenthalte sind strikt freiwillig und können nur von der betroffenen Person selbst initiiert werden.
- •Rettungsdienste werden ohne Zustimmung nur bei akuten medizinischen Notfällen oder schwerer Gewalt gerufen.
Hintergrund
Das Afiya House in Northampton, Massachusetts (USA), ist eine Peer-gestützte Kriseneinrichtung, die von der Wildflower Alliance betrieben wird. Es bietet Menschen in erheblichen emotionalen oder psychischen Krisen einen sicheren Ort. Der Ansatz basiert auf dem Recovery-Modell und zielt darauf ab, Krisen als Lern- und Wachstumschancen zu nutzen.
Rahmenbedingungen und Ausstattung
Die Einrichtung bietet eine häusliche Umgebung ohne klinischen Charakter. Die Aufenthaltsdauer ist strikt begrenzt, um die Rückkehr in den Alltag zu fördern.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Zielgruppe | Personen ab 18 Jahren in emotionalen/psychischen Krisen |
| Kapazität | Maximal 3 Personen gleichzeitig |
| Aufenthaltsdauer | Maximal 7 Nächte |
| Personal | 1-2 bezahlte Peer-Support-Mitarbeiter vor Ort (24/7) |
| Räumlichkeiten | Einzelzimmer, Gemeinschaftsküche, Wohnzimmer, Garten |
Aufnahmekriterien und Ablauf
Ein Aufenthalt ist komplett freiwillig und kann nur von der betroffenen Person selbst initiiert werden, nicht durch Angehörige oder Behandler.
- Es ist keine medizinische Freigabe erforderlich.
- Personen, die körperliche Pflege oder Hilfe bei der Medikamenteneinnahme benötigen, können nur aufgenommen werden, wenn sie eine eigene Begleitperson mitbringen.
- Wohnungslosigkeit allein ist kein Aufnahmegrund.
- Bewohner dürfen das Haus verlassen, um ihrem Alltag (Schule, Arbeit, Termine) nachzugehen. Bei einer unangekündigten Abwesenheit von über 24 Stunden verfällt jedoch der Platz.
Therapie und Selbstbestimmung
Das Afiya House bietet keine klinischen Dienstleistungen an. Das Personal verabreicht keine Psychopharmaka oder andere medizinische Behandlungen. Bewohner erhalten eine abschließbare Box für ihre eigenen Medikamente.
Die Mitarbeiter sind in speziellen Programmen geschult:
- Intentional Peer Support (IPS)
- Alternatives to Suicide
- Hearing Voices (Stimmenhören)
- Anti-Unterdrückungs-Training
Umgang mit Notfällen und Zwang
Ein zentraler Grundsatz ist der Verzicht auf Zwang. Emotionale Notlagen, Suizidgedanken oder konkrete Suizidpläne gelten nicht als medizinische Notfälle, die ein Eingreifen gegen den Willen der Person rechtfertigen.
| Situation | Vorgehen des Personals |
|---|---|
| Suizidgedanken / Krisen | Peer-Support, offener Dialog, keine Alarmierung von Rettungsdiensten gegen den Willen. |
| Medizinischer Notfall | Alarmierung von Rettungsdiensten (auch ohne Zustimmung, z.B. bei Überdosis). |
| Akute Gewaltgefahr | Alarmierung von Rettungsdiensten / Polizei zum Schutz der Anwesenden. |
Jeder unfreiwillige Einsatz von Rettungsdiensten wird im Nachgang im Team detailliert nachbesprochen, um alternative Handlungsoptionen für die Zukunft zu evaluieren.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie Ansätze wie 'Alternatives to Suicide' und 'Intentional Peer Support', um suizidalen oder stark belasteten Patienten auf Augenhöhe zu begegnen, anstatt sofort auf restriktive Maßnahmen zurückzugreifen.