Vitamin D bei Kindern: Dosierung und Rachitisprophylaxe
Hintergrund
Vitamin D (Cholecalciferol) spielt eine zentrale Rolle im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und ist essenziell für den Knochenaufbau im Kindesalter. Ein Mangel kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu einer unzureichenden Mineralisierung des Skeletts und somit zur Rachitis führen.
Das Kinderformularium bietet evidenzbasierte Dosierungsempfehlungen für die pädiatrische Praxis. Diese Zusammenfassung basiert auf der Monographie des Kinderformulariums zur Rachitisprophylaxe und zur Therapie des Vitamin-D-Mangels.
Empfehlungen
Die Monographie des Kinderformulariums formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung von Vitamin D bei Kindern:
Indikationen und Zielwerte
Laut Kinderformularium wird Cholecalciferol zur Rachitisprophylaxe, bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel sowie zur Behandlung der Vitamin-D-Mangelrachitis eingesetzt.
Als therapeutischer Zielwert für das 25-OH-Vitamin D im Serum wird ein Spiegel von >50 nmol/l (>20 ng/ml) empfohlen.
Rachitisprophylaxe
Es wird betont, dass alle Säuglinge eine Vitamin-D-Prophylaxe erhalten sollen. Dies gilt unabhängig von der Ernährungsform:
-
Die Prophylaxe wird sowohl für gestillte Kinder als auch für Säuglinge, die mit Formulanahrung ernährt werden, empfohlen.
-
Die Anreicherung der Säuglingsnahrung mit Vitamin D ist laut Quelle nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken.
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Der empfohlene Zeitraum erstreckt sich von der ersten Lebenswoche bis zum zweiten erlebten Frühsommer.
Risikogruppen
Bei bestimmten pädiatrischen Patientengruppen wird auf einen potenziell höheren Dosisbedarf hingewiesen. Dazu zählen:
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Kinder mit dunkler Hautpigmentierung
-
Patienten mit Malabsorptionssyndromen (wie Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Mukoviszidose)
-
Kinder unter Therapie mit Antiepileptika (aufgrund einer CYP-Induktion)
-
Patienten mit Adipositas
Dosierung
Das Kinderformularium gibt folgende Dosierungsschemata für Cholecalciferol vor:
Rachitisprophylaxe
| Alter / Patientengruppe | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Alle Säuglinge (gestillt und Formulanahrung) | 400-500 IE (10-12,5 µg) täglich | Ab 1. Lebenswoche bis zum 2. erlebten Frühsommer |
Therapie des Vitamin-D-Mangels
| Alter | Initialtherapie (Dosis und Dauer) | Erhaltungstherapie |
|---|---|---|
| 0-12 Monate | 1000 IE/Tag für 8-12 Wochen | 600-1000 IE/Tag |
| 1-18 Jahre | 2000-4000 IE/Tag für 6-12 Wochen | 600-1000 IE/Tag |
Hinweise zu Darreichungsformen
Laut Quelle stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, deren exakte Dosierung beachtet werden muss:
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Feste Formen: Vigantoletten (500 IE) oder D-Fluoretten (500 IE, kombiniert mit Fluorid)
-
Flüssige Formen: Vigantol Öl (20.000 IE/ml). Hier wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Tropfen circa 667 IE enthält.
Kontraindikationen
Laut Kinderformularium bestehen folgende Kontraindikationen für die Gabe von Vitamin D:
-
Hyperkalzämie
-
Nephrokalzinose
Zudem wird vor Nebenwirkungen bei Überdosierung gewarnt. Eine akute Überdosierung kann zu einer Hyperkalzämie führen, während eine chronische Überdosierung eine Nephrokalzinose verursachen kann. Toxische Dosen werden in der Pädiatrie bei einer Zufuhr von >50.000 IE/Tag über mehrere Wochen erreicht.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der pädiatrischen Praxis ist die Annahme, dass mit Formulanahrung ernährte Säuglinge keine zusätzliche Rachitisprophylaxe benötigen. Das Kinderformularium stellt jedoch klar, dass die Anreicherung der Säuglingsnahrung nicht ausreicht und ausnahmslos alle Säuglinge supplementiert werden sollen. Zudem wird bei der Verwendung von Vigantol Öl auf die exakte Dosierung hingewiesen, da ein einziger Tropfen bereits circa 667 IE und damit mehr als die empfohlene Tagesdosis für die Prophylaxe enthält.
Häufig gestellte Fragen
Laut Kinderformularium wird die Prophylaxe ab der ersten Lebenswoche empfohlen. Sie sollte kontinuierlich bis zum zweiten erlebten Frühsommer des Kindes fortgeführt werden.
Ja, die Leitlinie betont, dass alle Säuglinge eine Vitamin-D-Prophylaxe erhalten sollen. Die Anreicherung in der Formulanahrung reicht nicht aus, um den Bedarf zuverlässig zu decken.
Bei Kindern zwischen 1 und 18 Jahren wird zur Therapie eines Mangels eine Dosis von 2000 bis 4000 IE pro Tag empfohlen. Diese Initialtherapie sollte über 6 bis 12 Wochen erfolgen, gefolgt von einer Erhaltungsdosis.
Als therapeutischer Zielwert wird im Kinderformularium ein 25-OH-Vitamin-D-Spiegel im Serum von über 50 nmol/l angegeben. Dies entspricht einem Wert von über 20 ng/ml.
Ein höherer Dosisbedarf kann bei Kindern mit dunkler Hautpigmentierung, Adipositas oder Malabsorptionssyndromen wie Zöliakie bestehen. Auch eine Therapie mit Antiepileptika kann durch CYP-Induktion das Risiko für einen Mangel erhöhen.
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Quelle: Kinderformularium: Vitamin D (Cholecalciferol) - Pädiatrische Dosierung (Kinderformularium / DGKJ, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.
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