Virusinfekte bei Transplantation: Therapie & Prophylaxe
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt das Management von Virusinfektionen bei Personen nach solider Organtransplantation (SOT) und allogener Stammzelltransplantation (allo-SZT). Aufgrund der therapiebedingten Immunsuppression sind diese Gruppen besonders gefährdet für schwere virale Infektionen.
Ein strukturiertes Screening vor der Transplantation sowie ein risikoadaptiertes Monitoring danach werden empfohlen. Verbunden mit einer Prophylaxe oder präemptiven Therapie können virale Erkrankungen in vielen Fällen verhindert oder abgeschwächt werden.
Das Dokument adressiert spezifische Risikokonstellationen für Viren wie Herpes-simplex-Virus (HSV), Varicella-Zoster-Virus (VZV), Cytomegalovirus (CMV), Epstein-Barr-Virus (EBV) und das BK-Polyomavirus. Zudem wird der zunehmende Stellenwert der T-Zell-basierten Immuntherapie in der klinischen Praxis thematisiert.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei einer CMV-Prophylaxe mit Letermovir oder Maribavir zu beachten, dass diese Substanzen keine Wirksamkeit gegen HSV und VZV besitzen. In diesen Fällen wird eine zusätzliche Prophylaxe mit Aciclovir empfohlen, um schwere Herpes- oder Varizellen-Reaktivierungen zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Nach einer solider Organtransplantation in der Hochrisikokonstellation und nach allogener Stammzelltransplantation wird ein regelmäßiges Monitoring der CMV-Viruslast mittels quantitativer PCR empfohlen. Unter einer laufenden Virostatika-Prophylaxe kann laut Leitlinie auf ein routinemäßiges Monitoring verzichtet werden.
Die Leitlinie empfiehlt als ersten Schritt die Reduktion der Immunsuppression, sofern dies klinisch vertretbar ist. Bei einer CD20-positiven Posttransplantationslymphoproliferation (PTLD) wird zusätzlich der Einsatz von Rituximab empfohlen.
Bei Nierentransplantierten mit einer BKPyV-Virämie von über 10.000 Kopien/ml wird eine Reduktion der immunsuppressiven Therapie empfohlen. Zur histologischen Sicherung der Diagnose sollte zudem eine Nierentransplantat-Biopsie durchgeführt werden.
Bei fehlender klinischer Besserung nach 10 Tagen Aciclovir-Therapie besteht der Verdacht auf eine Virusresistenz. In diesem Fall wird der Einsatz von Foscarnet als Therapie der ersten Wahl empfohlen.
Bei VZV-Exposition von seronegativen Transplantatempfängern wird eine Prophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir empfohlen, die an Tag 3 bis 22 nach Exposition verabreicht wird. Alternativ kann Varicella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) eingesetzt werden.
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Quelle: Virusinfektionen bei Organ- und allogen Stammzell-Transplantierten: Diagnostik, Prävention und Therapie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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