Vestibularisschwannom: Radiochirurgie (SRS) Indikation
Hintergrund
Ein Vestibularisschwannom (früher Akustikusneurinom) ist ein gutartiger, meist langsam wachsender Tumor, der typischerweise vom Gleichgewichtsnerv ausgeht. Zu den Leitsymptomen gehören Hörminderung, Tinnitus, Schwindelgefühl und Gesichtsparästhesien.
Für die Behandlungsentscheidung sind die Eigenschaften des Tumors wie Größe, Lage und Wachstum sowie die Krankengeschichte und Patientenpräferenz maßgeblich. Als Therapieoptionen stehen beobachtendes Abwarten, die mikrochirurgische Resektion sowie die Strahlentherapie zur Verfügung.
Der IQWiG-Bericht N20-03 untersucht den Nutzen der einzeitigen stereotaktischen Radiochirurgie (SRS) im Vergleich zur mikrochirurgischen Resektion. Die Zielgruppe sind Personen mit einem interventionsbedürftigen Vestibularisschwannom.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert basierend auf drei prospektiven, nicht randomisierten Studien folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit und Sicherheit.
Vergleich der Therapieoptionen
Die Untersuchung vergleicht die einzeitige stereotaktische Radiochirurgie (SRS) mit der mikrochirurgischen Resektion. Die Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stellen sich wie folgt dar:
| Endpunkt | Stereotaktische Radiochirurgie (SRS) | Mikrochirurgische Resektion |
|---|---|---|
| Gesichtslähmung | Geringeres Risiko (Anhaltspunkt für höheren Nutzen) | Höheres Risiko |
| Hörvermögen | Besserer Erhalt (Anhaltspunkt für höheren Nutzen) | Häufigerer Verlust |
| Krankenhausverweildauer | Kürzer / teils ambulant (Anhaltspunkt für höheren Nutzen) | Länger |
| Lebensqualität | Kein signifikanter Unterschied | Kein signifikanter Unterschied |
| Schwindel & Tinnitus | Kein signifikanter Unterschied | Kein signifikanter Unterschied |
Vorteile der stereotaktischen Radiochirurgie
Laut Untersuchung ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der SRS gegenüber der mikrochirurgischen Resektion bei spezifischen Endpunkten. Dies betrifft das geringere Risiko für eine Fazialisparese sowie den besseren Erhalt des funktionellen Hörvermögens.
Zudem wird eine signifikant kürzere Krankenhausverweildauer nach einer SRS beschrieben.
Endpunkte ohne signifikanten Unterschied
Für eine Reihe weiterer patientenrelevanter Endpunkte zeigt der Bericht keinen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder Schaden der SRS im Vergleich zur Mikrochirurgie.
Dies betrifft unter anderem:
-
Mortalität und gesundheitsbezogene Lebensqualität
-
Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und Tinnitus
-
Gleichgewichtsstörungen und Arbeitsunfähigkeit
-
Unerwünschte Ereignisse (Therapiekomplikationen und Reinterventionen)
Gesamtabwägung
In der Nutzen-Schaden-Abwägung kommt der Bericht zu dem Schluss, dass endpunktübergreifend ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der stereotaktischen Radiochirurgie besteht. Dem höheren Nutzen steht laut den verfügbaren Daten kein höherer Schaden gegenüber.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung über die Therapieoptionen eines interventionsbedürftigen Vestibularisschwannoms wird empfohlen, die Vorteile der stereotaktischen Radiochirurgie hinsichtlich des Erhalts von Gehör und Fazialisfunktion zu thematisieren. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass die zugrundeliegenden Studiendaten auf einer Nachbeobachtungszeit von lediglich etwa zwei Jahren basieren. Langzeiteffekte auf das Hörvermögen über diesen Zeitraum hinaus sind durch die vorliegende Evidenz nicht abschließend geklärt.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es einen Anhaltspunkt dafür, dass die stereotaktische Radiochirurgie (SRS) im Vergleich zur mikrochirurgischen Resektion zu einem besseren Erhalt des funktionellen Hörvermögens führt. Diese Aussage basiert auf Daten mit einer Nachbeobachtungszeit von etwa zwei Jahren.
Die Untersuchung zeigt einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der stereotaktischen Radiochirurgie bezüglich der Gesichtsnervenfunktion. Das Risiko, eine Gesichtslähmung zu erleiden, war nach einer SRS signifikant geringer als nach einer mikrochirurgischen Resektion.
Der Bericht stellt fest, dass es keinen Anhaltspunkt für einen Unterschied in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zwischen den beiden Verfahren gibt. Auch bei Symptomen wie Schwindel, Tinnitus oder Kopfschmerzen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.
Es wird ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der stereotaktischen Radiochirurgie hinsichtlich der Krankenhausverweildauer beschrieben. In den untersuchten Studien erfolgte die SRS teils ambulant oder war mit einem deutlich kürzeren stationären Aufenthalt verbunden als die Mikrochirurgie.
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Quelle: IQWiG N20-03: Bewertung der stereotaktischen Radiochirurgie (SRS) zur Behandlung von interventionsbedürftigen Vestibularisschwannomen (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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