Venöse Thromboembolie (VTE): Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG158 behandelt die Diagnostik und das Management venöser thromboembolischer Erkrankungen (VTE) bei Erwachsenen. Dazu gehören tiefe Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE).

Ein besonderer Fokus liegt auf der schnellen Diagnosestellung mittels klinischer Scores und bildgebender Verfahren. Zudem werden spezifische Patientengruppen wie Personen mit aktiven Krebserkrankungen oder Niereninsuffizienz berücksichtigt.

Schwangere Frauen sind von den Empfehlungen dieser Leitlinie explizit ausgenommen.

Empfehlungen

Diagnostik der tiefen Venenthrombose (TVT)

Bei Verdacht auf eine TVT wird die Anwendung des zweistufigen Wells-Scores empfohlen.

Klinisches MerkmalPunkte
Aktive Krebserkrankung1
Paralyse, Parese oder kürzliche Immobilisation der Beine1
Kürzlich bettlägerig (>3 Tage) oder große OP in den letzten 12 Wochen1
Lokalisierter Druckschmerz im Verlauf der tiefen Venen1
Gesamtes Bein geschwollen1
Wadenumfang >3 cm größer als asymptomatische Seite1
Eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein1
Kollaterale oberflächliche Venen (keine Varizen)1
Frühere dokumentierte TVT1
Alternative Diagnose mindestens so wahrscheinlich wie TVT-2

Die Leitlinie definiert einen Score von 2 oder mehr Punkten als "TVT wahrscheinlich". In diesem Fall soll ein proximaler Beinvenen-Ultraschall innerhalb von 4 Stunden erfolgen.

Ist dies nicht möglich, empfiehlt die Leitlinie die Bestimmung der D-Dimere, den Beginn einer interimistischen therapeutischen Antikoagulation und einen Ultraschall innerhalb von 24 Stunden.

Bei einem Wells-Score von 1 oder weniger ("TVT unwahrscheinlich") wird zunächst ein D-Dimer-Test empfohlen. Ist dieser positiv, folgt die Ultraschalldiagnostik.

Diagnostik der Lungenembolie (LE)

Bei Verdacht auf eine LE wird der zweistufige LE-Wells-Score angewendet.

Klinisches MerkmalPunkte
Klinische Zeichen einer TVT3
Alternative Diagnose weniger wahrscheinlich als LE3
Herzfrequenz > 100 Schläge pro Minute1,5
Immobilisation > 3 Tage oder OP in den letzten 4 Wochen1,5
Frühere TVT/LE1,5
Hämoptyse1
Malignom (unter Therapie, in den letzten 6 Monaten behandelt oder palliativ)1

Bei einem Score von über 4 Punkten ("LE wahrscheinlich") wird eine sofortige CT-Pulmonalisangiographie (CTPA) empfohlen. Alternativ kann bei Kontraindikationen ein V/Q-SPECT-Scan erfolgen.

Antikoagulationstherapie

Für Personen mit bestätigter proximaler TVT oder LE wird eine Antikoagulation für mindestens 3 Monate empfohlen. Als Erstlinientherapie werden Apixaban oder Rivaroxaban empfohlen.

Falls diese nicht geeignet sind, empfiehlt die Leitlinie:

  • Niedermolekulares Heparin (NMH) für mindestens 5 Tage, gefolgt von Dabigatran oder Edoxaban

  • NMH gleichzeitig mit einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) für mindestens 5 Tage, bis die INR in zwei aufeinanderfolgenden Messungen bei mindestens 2,0 liegt

Spezifische Patientengruppen

Bei aktiver Krebserkrankung wird eine Antikoagulation für 3 bis 6 Monate empfohlen, vorzugsweise mit einem direkten oralen Antikoagulans (DOAK). Bei Niereninsuffizienz muss die Wahl des Antikoagulans an die Kreatininclearance angepasst werden.

Für Personen mit einem bestätigten dreifach positiven Antiphospholipid-Syndrom wird NMH in Kombination mit einem VKA empfohlen.

Langzeittherapie und Sekundärprävention

Nach 3 bis 6 Monaten soll eine Reevaluation der Therapie erfolgen. Bei unprovozierter TVT oder LE wird häufig eine Fortsetzung der Antikoagulation empfohlen, sofern das Blutungsrisiko gering ist.

Tumorsuche und Thrombophilie-Screening

Bei unprovozierter VTE wird eine körperliche Untersuchung und eine Überprüfung der Basisblutwerte empfohlen. Eine erweiterte Tumorsuche soll nur bei Vorliegen relevanter klinischer Symptome erfolgen.

Ein routinemäßiges Thrombophilie-Screening bei provozierter VTE wird nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von unfraktioniertem Heparin (UFH) in Kombination mit einem VKA zur Behandlung einer bestätigten proximalen TVT oder LE ab. Ausnahmen bilden Niereninsuffizienz oder ein erhöhtes Blutungsrisiko.

Es wird empfohlen, Vena-cava-inferior-Filter (Cava-Filter) nicht routinemäßig einzusetzen. Sie sollen nur bei Kontraindikationen gegen eine Antikoagulation oder im Rahmen klinischer Studien erwogen werden.

Eine pharmakologische systemische Thrombolyse wird bei hämodynamisch stabilen Personen mit LE nicht empfohlen.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Verzögerung der Therapie bei fehlender Diagnostik. Die Leitlinie betont, dass bei einer Verzögerung der bildgebenden Diagnostik von mehr als 4 Stunden (Ultraschall) oder bei ausstehenden D-Dimer-Ergebnissen umgehend eine interimistische therapeutische Antikoagulation eingeleitet werden soll. Zudem wird davor gewarnt, bei unprovozierter VTE ohne spezifische klinische Symptome eine ausgedehnte Tumorsuche durchzuführen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt primär die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) Apixaban oder Rivaroxaban. Bei Kontraindikationen kann auf niedermolekulares Heparin (NMH) in Kombination mit Dabigatran, Edoxaban oder einem Vitamin-K-Antagonisten ausgewichen werden.

Es wird eine initiale Therapiedauer von mindestens 3 Monaten empfohlen. Bei unprovozierten Thrombosen und geringem Blutungsrisiko sollte laut Leitlinie eine Verlängerung der Therapie erwogen werden.

Ein routinemäßiges Screening bei provozierten Thrombosen wird nicht empfohlen. Bei unprovozierten Ereignissen kann eine Testung auf Antiphospholipid-Antikörper oder hereditäre Thrombophilien erwogen werden, wenn ein Absetzen der Antikoagulation geplant ist.

Nein, die Leitlinie empfiehlt lediglich eine körperliche Untersuchung und die Bestimmung von Basisblutwerten. Eine erweiterte Tumorsuche ist nur bei Vorliegen spezifischer klinischer Symptome indiziert.

Für Personen mit einem dreifach positiven Antiphospholipid-Syndrom wird die Gabe von niedermolekularem Heparin in Kombination mit einem Vitamin-K-Antagonisten empfohlen. DOAKs sind in diesem Fall nicht die Therapie der Wahl.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Venous thromboembolic diseases (NICE, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.